Trotz Zoff mit Trägerverein: Ibug-Festival startet wie geplant

Das Kulturtragwerk Sachsen hat überraschend den Kooperationsvertrag gekündigt. Der Ibug-Verein räumt Fehler ein. Derweil reisen die ersten Künstler in Reichenbach an.

Reichenbach/Chemnitz.

Eine Woche vor dem scharfen Start des urbanen Kunstfestivals Industriebrachenumgestaltung, kurz Ibug, in Reichenbach gibt es hinter den Kulissen Ärger.

Der Verein Kulturtragwerk Sachsen (KTW) aus Chemnitz, der bisher Träger des Festivals war, hat am Montag dieser Woche seinen Kooperationsvertrag mit dem Ibug-Verein gekündigt. Daniel Schneider vom KTW macht dafür "massive Vertragsverletzungen" verantwortlich. Anders als vorgeschrieben, seien die Fördermittelgeber und der Träger nicht in allen relevanten Veröffentlichungen des Projektes genannt worden. Auch habe er vergeblich darauf hingewiesen, dass die Vergabeordnung ab einer bestimmten Summe einzuhalten ist. Wenn man gegen die Vorgaben verstößt, riskiere man die Rückforderung der gesamten Förderung, argumentiert Schneider. Dabei gehe es um 20.000 Euro von der Kulturstiftung Sachsen, 17.000 Euro vom Kulturraum Vogtland-Zwickau und 12.000 Euro von der Stadt Reichenbach. Zudem kritisiert Daniel Schneider eine zunehmende Kommerzialisierung: "Man macht immer mehr Nebenbaustellen auf, um noch mehr Besucher anzuziehen." Seit Montag sei das KTW nicht mehr Träger des Projektes 14. Kunstfestival Ibug 2019. "Aber seitdem stimmen wenigstens die Angaben des Impressums der Homepage und auf Facebook", so Schneider.


Auf der Internetseite ibug-art.de ist als Projektträger des Festivals der Ibug e. V. zu lesen. Projektmanager Thomas Dietze vom Vereinsvorstand stellt nach dem Zoff der vergangenen Tage eine Botschaft voran: "Das Ibug-Festival im ehemaligen Bahnbetriebswerk Reichenbach findet wie geplant statt. Der Aufbau ist so weit vorangeschritten, dass wir es auf jeden Fall durchführen können."

Zu den KTW-Vorwürfen sagt Thomas Dietze: "Daniel Schneider hat uns viel geholfen. Wir waren ein gutes Team." Die Kündigung des Kooperationsvertrages habe man nicht kommen sehen. "Es gibt Punkte aus dem Vertrag, wo seitens des Ibug e. V. Fehler gemacht wurden, die aber teils schon vor der Kündigung wieder behoben wurden", erklärt Dietze. Ja, das betreffe die Nennung der Fördermittelgeber und des Trägers. Auf den Plakaten habe man das KTW vergessen. Auf 40 Plakaten in Chemnitz wurden daher nachträglich Aufkleber angebracht. Auch auf der Internetseite und in Videos im Netz seien inzwischen alle Beteiligten genannt. Dass nicht immer Vergleichsangebote vorlagen, habe zum Beispiel daran gelegen, dass es keinen zweiten Bieter gegeben habe. 2018 habe man lange nach einem Statiker gesucht und wenigstens einen gefunden. Den Vorwurf der Kommerzialisierung des Festivals weist Dietze zurück. "Die eingenommenen Gelder reichen nicht einmal, um alle helfenden Personen genügend zu honorieren. Der Ibug-Verein ist gemeinnützig und wird das Festival auch so organisieren."

Der Ibug-Verein hat sich laut Dietze ab 2017 formiert. Weil Förderanträge aber weit im Voraus zu stellen sind, habe das KTW weiter als Träger des Festivals fungiert. Für 2019 sollten die Fördergelder an den Ibug-Verein durchgereicht werden. Damit die bewilligten Summen jetzt auch beim Festival ankommen, gibt es Gesprächsbedarf mit den Förderern. Nächste Woche habe er einen Termin bei der Kulturstiftung Sachsen, kündigt Dietze an.

Mitte dieser Woche reisten die ersten der rund 100 Künstler aus 13 Nationen an. An zwei Wochenenden, vom 23. bis 25. August sowie vom 30. August bis 1. September, können Besucher in der Ausstellung auf Zeit eine Symbiose aus Malerei und Graffiti, Illustrationen und Installationen, Performance und Multimedia erleben.

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