Vogtländer ehren zwei Koryphäen

Ein Kolloquium des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz stellte in Reichenbach Brückenbau-Pionier Johann Andreas Schubert in den Mittelpunkt. Einer der Redner wurde selbst geehrt.

Reichenbach.

Etwa 50 Heimatforscher, Kommunalpolitiker, Wissenschaftler und geschichtlich Interessierte haben sich am Samstag dem Thema Göltzschtalbrücke und besonders der Person Johann Andreas Schubert von verschiedenen Seiten aus genähert. Sie waren der Einladung der Regionalgruppe Vogtland des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz unter Leitung von Wolfgang Viebahn ins Reichenbacher Rathaus gefolgt.

Zu Beginn der Veranstaltung holte Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) eine wegen Krankheit verschobene Ehrung nach: Professor Hans-Jürgen Hardtke, Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, Techniker und Botaniker, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und langjähriger Vorsitzender des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, durfte seinen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Reichenbach unterzeichnen. Der gebürtige Falkensteiner verbrachte seine Kindheit und Schulzeit in Reichenbach. Daran erinnerte er in seinen Dankesworten. "Ich habe Reichenbach, der Weinholdschule und der Goethe-Oberschule viel zu verdanken. Ich hatte hervorragende Lehrer, durch die ich das werden konnte, was ich wurde. Ich hatte die ganze Zeit Verbindung nach Reichenbach, auch zu meiner Schule", sagte der frühere Dekan und Vizerektor der Technischen Universität Dresden.

Am Vorgänger der Universität lehrte einst auch Johann Andreas Schubert, dessen 150. Todestag im Mittelpunkt des Kolloquiums stand. Hardtke zeichnete den Lebensweg Schuberts nach, der in drei großen Werken gipfelte: der ersten in Deutschlandgebauten Dampflok "Saxonia", dem ersten Dampfschiff auf der Elbe und dem Gutachten für den Bau der Göltzschtalbrücke. Die technischen Aspekte um Untergrund, Brückenbogen, Baumaterial und Innovationen vertiefte Jürgen Stritzke, der mit Peter Beyer ein Brückenbuch anlässlich der Auszeichnung als herausragendes Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst herausgebracht hatte. Seinen ersten Vortrag vor größerem Fachpublikum hatte Bernd Ihle aus Dresden, der seine Worte zur Geschichte der sächsischen Eisenbahn und des Postwesens mit einer Ausstellung im Ratssaalfoyer veranschaulichte.

Wolfgang Weber wartete mit Erkenntnissen um die verhinderte Sprengung der Göltzschtalbrücke im April 1945 auf. Nach Veröffentlichung seines Beitrages im Buch zum Kriegsende im Nördlichen Vogtland habe er einige Enkel von Zeitzeugen oder unmittelbar Beteiligten gesprochen. Inzwischen ist die Liste der involvierten Personen angewachsen. Trotzdem bleibt vieles im dunklen. Weber ist überzeugt, dass es unentdecktes Wissen gibt. Christian Espig zeigte drei Archivbeiträge des Vogtlandfernsehens.

Und: Kurz vor dem Ende drohte die Veranstaltung beinahe zu einem erneuten Toilettengipfel zu geraten. Die mangelhafte Ausstattung des Brückengeländes hatte immer wieder Diskussionen bestimmt - ohne dass in 30 Jahren eine befriedigende Lösung gefunden worden wäre. Die Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins Nördliches Vogtland, Christa Trommer, hatte erklärt, dass der Infopunkt infolge fehlender Toiletten ab 31. Oktober Winterpause habe. Daraufhin erklärte der Reichenbacher Stadtrat Ulf Solheid (Die Linke), dass sich die Fraktion Die Linke/SPD für ein Dixi-Klo an der Brücke einsetzen werde. "Meinen Sie wirklich, dass ein Dixi der Brücke würdig sei?", konterte die Brückentourismusexpertin.

Das Kolloquium endete mit einer Exkursion nach Oberheinsdorf, wo der Lokschuppen des Rollbock- Vereins unter die Lupe genommen wurde. Zuvor hatte Michael Rudolph vom Architekturbüro C 23 den bereits mehrfach veröffentlichten Arbeitsstand für die Studie zum Brückengelände vorgestellt.

11 Kommentare
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    BuboBubo
    29.09.2020

    Das Brückchen (nur 26 Mio Ziegel) ist schnell hingebaut. Fünf Jahre reichen. Fürs Dixi-Klo braucht man etwas länger; allein 30 Jahre für die Planung…

    Bevor man an die UNESCO herantritt, sollte man sich entscheiden, welches der beiden Bauwerke zum Weltkulturerbe erklärt wird (aber nur, falls das zweite bis dahin schon fertig sein sollte).