Vogtlandbahn stellt Weiche in die Zukunft

Noch werden die Züge des Unternehmens mit Diesel betrieben. Das könnte sich in einigen Jahren ändern. Vorher warten aber noch ganz andere Herausforderungen.

Neumark.

Wenn Züge vom Bahnhof in Neumark auf das weitläufige Gelände der Vogtlandbahn fahren, holen sie noch mal richtig Schwung. Zumindest, wenn es E-Loks sind. "Auf unserem Gelände gibt es keine Oberleitungen, weil die Züge der Vogtlandbahn dieselgetrieben sind", sagt Wolfgang Pollety, als Geschäftsführer der Länderbahn auch für den Teilbereich Vogtlandbahn zuständig. "Aber in Neumark warten wir auch Züge anderer Unternehmen. Und die werden zum Teil elektrisch betrieben."

Diesel für das Vogtland, Strom für die anderen - daran ändert sich zwar erst einmal nichts. Aber für alle Zeiten in Stein gemeißelt ist diese Trennung keinesfalls. Bei der Länderbahn plant man schließlich in Jahrzehnten. In Norddeutschland ist zum Beispiel seit Kurzem der weltweit erste wasserstoffbetriebene Zug unterwegs. "Und dann wären da auch noch Hybridzüge, die Strom und Diesel kombinieren", so Wolfgang Pollety. Welche Energiequelle in zehn Jahren die Züge über vogtländische Gleise fahren lässt - um diese Frage jetzt schon zu beantworten, bräuchte der Geschäftsführer eine Glaskugel.

Doch egal ob Wasserstoff, Diesel, Strom - einen Lokführer für den Zug braucht es so oder so. Was nach einer Selbstverständlichkeit klingt, bereitet den Verantwortlichen der Vogtlandbahn aktuell mehr Kopfzerbrechen als die Antriebstechnik der Zukunft. Fachkräftemangel ist auch für die Vogtlandbahn mittlerweile ein wichtiges Thema. Um diesem entgegenzuwirken, bildet das Unternehmen in Neumark seit Kurzem selbst Lokführer aus. Darunter auch etliche eigene Zugbegleiter - also Schaffner - die sich weiterbilden. Doch das reicht nicht. "Wir wollen deshalb bald einen Schnuppertag veranstalten", kündigt Geschäftsführer Pollety an. Attraktiv ist der Beruf aus seiner Sicht allemal - und zwar durchaus nicht nur für junge Leute. "Ein Fliesenleger mit Mitte 40, bei dem die Knie nicht mehr mitmachen, wäre uns zum Beispiel herzlich willkommen", so Pollety.

Gute Leute werden natürlich auch in der Werkstatt gebraucht. Mehrere hundert Reparaturen und Wartungen von Loks und Zügen im Jahr funktionieren nur mit gut ausgebildeten Fachleuten. Schema F gibt es bei der Vogtlandbahn nicht. Es kommt immer wieder etwas Neues dazu. "Einige Züge bekommen jetzt beispielsweise W-Lan für die Fahrgäste", so der Geschäftsführer. "Also müssen unsere Leute Antennen, Router und etliche Kabel in den Fahrzeugen montieren. So etwas hatten die Züge damals bei der Auslieferung noch nicht."

In der Werkstatt werden viele verschiedene Zugtypen gewartet. Die Vogtlandbahn lässt hier ihre Regioshuttle RS1 und Regiosprinter RVT warten, aus dem Ostsachsennetz kommen insbesondere die langen Desirozüge zu umfangreichen Instandhaltungsarbeiten wie Hauptuntersuchungen, Revisionen und Unfallreparaturen ins Vogtland. Aber auch Züge aus anderen Netzen des Unternehmens und aus ganz Deutschland kommen nach Neumark.

"Wir sind hier gut ausgelastet und stoßen manchmal schon an unsere Kapazitätsgrenzen", sagt Wolfgang Pollety. Eine längere Wartungshalle wäre da vom Prinzip natürlich eine naheliegende Idee. Aber eine derart große Investition will natürlich wohl überlegt sein. Aktuell steht sie nicht auf dem Programm. Aber wer weiß? Spätestens wenn irgendwann tatsächlich völlig neue Züge mit Wasserstoff- oder Hybridtechnik bei der Vogtlandbahn Einzug halten, kommt man um größere Investitionen in die Wartungshalle und die gesamte Technik nicht mehr herum.

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