Von der Macht der Gefühle

Kann man 100 Jahre deutscher Geschichte einfach 20 Emotionen zuordnen? Eine Ausstellung im Reichenbacher Rathaus versucht genau das.

Reichenbach.

Angst, Wut, Liebe, Hass, Neid, Schmerz, Freude - Gefühle prägen den Menschen. Sie sind Motivation, Begleitung, aber auch Hinderungsgrund für unser Handeln. Die Ausstellung "Die Macht der Gefühle. Deutschland 19 I 19", die am Montag im Eingangsfoyer des Reichenbacher Rathauses eröffnet wurde, nimmt 20 Emotionen zum Ausgangspunkt für Schlaglichter auf 100 Jahre Demokratie und Diktatur in Deutschland.

Von 1919 bis 2019. Da geht es unter anderem um 100 Jahre Gründung der Weimarer Republik, 90 Jahre Weltwirtschaftskrise, 80 Jahre deutscher Überfall auf Polen und Beginn des Zweiten Weltkriegs, 70 Jahre doppelte deutsche Staatsgründung, 50 Jahre Regierungswechsel in Bonn, 30 Jahre Friedliche Revolution und 15 Jahre EU-Osterweiterung.

Prägnante Texte, rund 140 historische Fotos und Faksimiles sowie multimediale Begleitangebote, die über QR-Codes abrufbar sind, regen an, sich mit der Macht von Gefühlen in Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen. Erarbeitet haben die Ausstellung für die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Ute und Bettina Frevert. Ute Frevert ist Historikerin und Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin. Bettina Frevert hat in Heidelberg Geschichte und Politik studiert.

"Gefühle waren und sind ebenso Motor von Reform- und Demokratisierungsprozessen wie Gegenstand politischer Instrumentalisierung und Manipulation", schreibt Bundesaußenminister Heiko Maas als Schirmherr. Die Ausstellung zeige, "was es in der gegenwärtigen politischen Debatte braucht: weniger Wut und Angst, s0ndern mehr Leidenschaft für die Demokratie".

Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) ist froh, dass die Ausstellung in Reichenbach Station macht. Er hat alle Schulen der Stadt und der umliegenden Orte zu einem Besuch eingeladen und auch das Schulamt in Zwickau informiert. Die Schau sei "das ideale Medium, um in Schulen dafür zu werben, sich Herausforderungen der Gegenwart geschichtsbewusst, mutig und besonnen zu stellen". Umfangreiches didaktisches Material unterstütze die Lehrkräfte.

Die Ausstellung ist bis 28. März während der Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.


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