Warten auf Isegrim: Wolf polarisiert schon jetzt im Vogtland

Wellen schlagen hoch, wenn das Thema auf den Wolf kommt. Wie jetzt bei einem Vortragsabend in Oberlauterbach. Der Wolf ist in der Region zu Besuch. Noch.

Oberlauterbach.

Mit den meisten Wildtieren, die gerade ins Vogtland zurückkehren, durchziehen oder einwandern, egal ob Biber, Waschbär, Luchs oder Wildkatze kann sich die Mehrzahl der Vogtländer arrangieren. Kommt die Rede aber auf den Wolf, dann scheiden sich die Geister. Die einen lieben ihn, andere hassen ihn, so mancher steht dem Raubtier zumindest skeptisch gegenüber. Karin Hohl ist Leiterin des Umweltzentrums Oberlauterbach und Wolfsbeauftragte im Kreis. Wohlwissend, dass ihre Gäste am Reizthema längere Zeit verweilen würden, setzte sie Freitagabend den Wolf an den Schluss ihres Vortrages über tierische Rückkehrer, Einwanderer und Transitreisende.

Das Vogtland wird in Fachkreisen aufgrund der gut geeigneten Bedingungen für die Spezies als "Wolferwartungsland" eingeordnet. Noch leben im Vogtland keine Wolfsrudel, aber einzelne Wölfe auf der Durchreise sind nachgewiesen. 60 bis 80 Kilometer legen die Tiere an einem Tag zurück. Einmal tappte ein Wolf im März 2017 im Grünbacher Wald in eine Fotofalle von Sachsenforst, das andere Mal löste eine Kamera im Waldgebiet südöstlich von Muldenhammer aus. Das war erst im April diesen Jahres. Zudem erhielten in der Region bereits zwei Tierhalter Entschädigungen, weil Weidetiere gerissen worden waren. Ob es Wölfe waren, konnte letztlich zumindest nicht völlig ausgeschlossen werden. Viel Wirbel gab es um ein Handy-Foto, berichtete Karin Hohl. "Früh gegen vier Uhr hat man mich aus dem Bett geholt. Ein Foto zeigte einen vermeintlichen Wolf auf einem Reiterhof." Noch bevor die Behörden klären konnten, welches Tier dort abgebildet ist, machte die Nachricht in den sozialen Netzwerken die Runde. "Und am Ende stellte sich heraus, dass das Tier auf dem Foto ein junger Husky war", erinnert sich Hohl an die ganze Aufregung.


Zum Thema Wolf entwickelte sich am Ende der Veranstaltung auch in Oberlauterbach intensiver Meinungsaustausch, den vor allem Friedhelm Taubert, Landwirt aus Obermylau, in Gang setzte. Ihm war es wichtig, die Probleme der Weidetierhalter zu schildern, die sich mit der Rückkehr des Wolfes ergeben. Er stellte die Zuverlässigkeit der Elektronetze in Frage. "Erst waren es 90 Zentimeter hohe Zäune, die zuverlässig vor dem Wolf schützen sollten, jetzt sind wir schon bei 1,20 Meter. Die körperliche Belastung beim Tragen der schweren Netze wird immer höher." Viele Betriebe seien personell und finanziell gar nicht mehr in der Lage, den zusätzlichen Aufwand zum Schutz vor dem Wolf zu stemmen.

Karin Hohl hielt sich an die Fakten. Diese besagen zum einen, dass der Wolf streng geschützt ist. Zum anderen, dass Nutztiere wichtig sind für die genetische Vielfalt und dass man die Probleme der Weidetierhalter ernst nehmen müsse. Zu diesem Schluss komme auch die Politik. Gerade wieder sei Bewegung in die staatliche Unterstützung bei vom Wolf verursachten Schäden gekommen. Gab es bisher eine 80-prozentige Förderung für den Kauf von Weidezäunen und anderem Equipment - bis hin zur Anschaffung eines mehrere Tausend Euro teuren Herdenschutzhundes, so beraten derzeit Politiker darüber, Weidetierhalter mit 100 Prozent an Zuschüssen zu unterstützen und für Folgeschäden aufzukommen. Diese bestehen laut Taubert unter anderem in Tierarztkosten für die Behandlung verletzter Tiere, Futterkosten für Herdenschutzhunde oder in der Nachsuche von Tieren, die bei Wolfsangriffen in Panik flüchten würden. Auch Totgeburten, die mit dem Stress der Weidetiere durch einen Wolfsangriff in Zusammenhang stünden, gehören zu diesen Folgeerscheinungen.

Doch das Thema Wolf hat mehr Facetten. Er gilt als Bereicherung für die heimische Fauna, er reguliert den Wildbestand seines Revieres, indem er kranke und schwache Tiere zuerst erbeutet. Er ernährt sich hierzulande zum Großteil von Rehen, gefolgt von Rothirschen, erklärte Karin Hohl. Muffelwild, also frei lebende Wildschafe, stehen auch auf der Speisekarte. "Diese Tierart rottet er dort, wo er auf sie trifft, aus", erklärte die Fachfrau. Allerdings zählen die von der Insel Korsika stammenden Wildschafe nicht zu den heimischen Wildtierarten. Der Wolf indes schon.

Der Nachweis voriges Frühjahr war die erste gesicherte Begegnung mit dem Wolf im Vogtland. Doch Hinweise von Bürgern oder im Internet kursierende Bilder gab es in der Vergangenheit immer wieder. Karin Hohl sprach schon Anfang dieses Jahres von mehr als 82 Hinweisen aus der vogtländischen Bevölkerung - von Heulen über Spuren bis zu vermeintlichen Sichtungen. (mit tb)

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