Warum Napoleons Brücke noch lange eine Ruine bleibt

Seit 2013 ist das Bauwerk über die Göltzsch gesperrt. Wann es saniert wird, steht noch völlig in den Sternen. Aber es wird vermutlich sehr teuer. Lohnt das wirklich?

Reichenbach.

Karl-Heinz Groschopf hat den perfekten Blick auf die marode und deshalb gesperrte Egersche Brücke. Sein Haus steht direkt an der Kreuzung, an der die Straße aus Reichenbach auf die Straße Richtung Mylau trifft. Über die Egersche Brücke ist sogar schon der französische Kaiser Napoleon geritten. Das macht für Groschopf die Sache aber nicht besser. "Die Brücke sollte abgerissen werden", findet er. "Sie ist doch eh nur für Radfahrer und Fußgänger gedacht. Da tut es eine Holzbrücke auch. Und die ist viel billiger."

Diese Meinung teilen beileibe nicht alle im Reichenbacher Ortsteil Rotschau. Eine Bürgerinitiative hat vor zwei Jahren sogar rund 2000 Unterschriften für den Erhalt des Bauwerks gesammelt. Passiert ist seither allerdings nicht viel. Bei der jüngsten Sprechstunde von Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) in Rotschau berichtete der Rathauschef, warum das so ist: Einer der Anwohner der Brücke verlange einen besseren Hochwasserschutz für die Egersche Brücke. Dies müsse nun mit einer sogenannten Machbarkeitsstudie geprüft werden. Doch selbst wenn das erledigt ist, dürfen die Bauarbeiter noch lange nicht anrücken. Vorher müsse ein Planfeststellungsverfahren stattfinden.

Bei so etwas müssen alle angehört werden, die vielleicht etwas gegen das Projekt einwenden könnten. Das fängt bei Anwohnern an und hört bei Ämtern aller Art, Feuerwehr, Polizei und Naturschutzverbänden noch lange nicht auf. Über jede Anmerkung und jeden Einwand muss in einem aufwendigen Verfahren abgewogen werden. So etwas dauert Jahre. "Vier Jahre mindestens", sagt Kürzinger. Und das ist wohl eher eine optimistische Schätzung.

Aber nicht nur hinter dem Baubeginn steht ein dickes Fragezeichen. Auch bei den Kosten mag sich keiner festlegen. "Erst nach Abschluss der Machbarkeitsstudie können erste Aussagen zu den voraussichtlichen Sanierungskosten getroffen werden", teilt Franz Grossmann vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr mit. Allerdings war vom Wirtschaftsministerium zu einem früheren Zeitpunkt bereits die Summe von 1,5Millionen Euro in den Raum geworfen worden. Billig wird es also wohl eher nicht.

Das ist der Grund, warum Brückennachbar Groschopf für eine Holzbrücke plädiert. Ralf-Dieter Roth von der nahe gelegenen Schäferei ist das Material eigentlich egal. Er ist jener Anwohner, der einen besseren Hochwasserschutz fordert. "Bei der Flut 2013 staute sich dort alles, und meine Gebäude standen unter Wasser", so Roth. "Das soll einfach nicht mehr passieren."

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Tauchsieder
    25.09.2019

    Richtig, diese Brücke stellt ein Abflusshindernis dar. Nur ist dieses Hindernis von Menschen gemacht besser gesagt von Menschen verursacht. Die Egersche Brücke hatte zwei weitere in Fließrichtung gesehene Durchlässe links neben der eigentlichen Brücke. Die wurden beim Bau der unmittelbar daneben liegenden neuen Brücke und deren Zufahrt verschlossen/zu gemauert. Somit wirkt dieser Straßendamm wie eine Talsperre. Die oberhalb der Brücke liegende Schäferei wird auch in Zukunft immer wieder absaufen. Dieses müsste eigentlich dem Besitzer der Schäferei bewusst sein, wer in einem Überschwemmungsgebiet eines Flusses baut, oder gebaut hat, muss auch mit den Konsequenzen leben. Das ganze Dilemma wird auch noch verstärkt von der direkt unterhalb der Egerschen Brücke liegenden Wehranlage der WKA "Mühlwand". Dort befindet sich das nächste Abflusshindernis. Somit wird diese alte Brücke von zwei Seiten in die "Zange" genommen. Dieses wiederum hätte aber vermieden werden können, hätte da nicht erst kürzlich das LRA dem Besitzer der WKA eine Genehmigung erteilt, obwohl er nicht im Besitz eines alten Wasserrechtes war. Ich glaube, wollte man dieses zur Zufriedenheit aller richten, würde dies wahrscheinlich "Schweine" - teuer.



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