Was Kinder sich wünschen

Frieden: Das wollen Kinder. Was noch? Sie haben das Recht, etwas zu sagen zur großen und kleinen Politik. Nun hat sie mal jemand dazu befragt. Zwei Frauen aus der SPD sammeln Kinder-Wünsche.

Plauen.

Die Wartberg-Grundschule ist nicht die schönste Schule, die es gibt. Aus den Wasserhähnen für die Kinder fließt kaltes Wasser. Manchmal ist es zu warm in den Klassenzimmern und manchmal zu kalt. Vieles riecht nach DDR, und Schulleiterin Heike Bertram wünscht sich, dass es hier bald gemütlicher wird.

In diesem Stückchen von Plauen, mitten im Chrieschwitzer Hang, wurde nun Politik gemacht. Es ist Kinderkonferenz in der Grundschule. 36 Mädchen und Jungen dürfen sagen, wie sie sich die Welt vorstellen. Die Jüngsten in der Runde sind acht, die Ältesten zehn. Keiner hat ihnen angeordnet, dass sie nachmittags hier mitgrübeln müssen. Luca, Lucia, Liv und Yuna haben sich freiwillig gemeldet.

Am Ende dürfen sie ihre Herzenswünsche auf recycelte Riesenblätter schreiben. Einen Teil davon wollen sich zwei junge Politikerinnen im Kopf abspeichern. "Wir machen Familienpolitik, ohne die Kinder anzuhören", sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Susann Rüthrich, 39. Zusammen mit ihrer Plauener Parteigenossin Juliane Pfeil-Zabel, 29, die im Landtag sitzt, hat sie die Konferenz organisiert. Rüthrich ist Mitglied der Kinderkommission im Bundestag. Die existiert seit 28 Jahren und soll die Interessen der Kinder vertreten. Deshalb gibt es Kinderkonferenzen. Pfeil-Zabel und Rüthrich hatten mehrere Plauener Schulen gefragt, ob sie mitmachen wollen. Die Resonanz sei mager gewesen. "Viele wussten nicht, wie sie den Termin nachmittags organisieren sollen", sagt Juliane Pfeil-Zabel.

Die Kinder aus der Grundschule im Chrieschwitzer Hang haben viele Wünsche. Da ist Luca, der zehn ist und sich wünscht, dass seine Mama mehr Zeit für ihn hat. Aber Mama hat oft Spätschicht, sagt er. Und Papa sei ja dann da. Was bei den Politikerinnen davon hängen bleibt, ist der Wunsch nach mehr Zeit mit den Eltern. "Dass alles nicht so teuer ist", schreibt ein Mädchen auf. Der Eintritt ins Kino oder in Vergnügungsparks müsste gratis sein für Kinder, sagt sie. Ein anderes Kind hätte gerne mehr Clowns auf dieser Welt. Es sollte zwischen Nordpol und Südpol mehr zu Lachen geben.

Das sind Wünsche, die Politiker überfordern dürften. Sie scheitern an den Hürden der Gesellschaft. Nicht zuletzt daran, weil Vergnügungsparks nicht vom Staat betrieben werden. "Kinder wissen in dem Alter, dass es Wünsche gibt, die ein Wunsch bleiben", sagt Susann Rüthrich.

Suche die Politikerinnen waren. "Zurzeit wird das Schulgesetz novelliert", sagt Juliane Pfeil-Zabel. Weil die Schule nicht die schönste ist, zählten die Kinder auf, was sie sich für ihre Schule wünschen: warmes Wasser zum Händewaschen und eine neue Heizung. "Unsere geht nur kalt und warm", sagt Evangeline. Für draußen wünschen sich viele nichts sehnlicher als eine große Spielwiese. In der Schulkantine soll es Döner geben statt Nudeln mit Broccoli-Soße. Und hätte sie einer gefragt, was auf den Plauener Spielplätzen stehen soll, müssten manche Plätze komplett umgekrempelt werden.

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