Wasserturm-Lokal: Start vor 90 Jahren

Reichenbachs Wahrzeichen kennt viele Geschichten. Ein Wasserwerker hat der Stadt 1945 einen großen Dienst geleistet.

Reichenbach.

Vor 90 Jahren: Neue Gaststätte in der Ringstraße 19. Verwundert fragt man sich, wo war denn diese Gaststätte? Das ist die Postadresse der noch heute beliebten Gaststätte im Wasserturm. Das heutige Wahrzeichen von Reichenbach nahm seinen Betrieb für die Wasserversorgung bereits am 1. Dezember 1926 auf. 1928 war das Bauwerk komplett mit der Einweihung einer Gaststätte, einer Jugendherberge und der Aussichtsplattform fertiggestellt. Am 12. Juli 1928 - also vor genau 90 Jahren - gab es die Einweihungsfeier mit Oberbürgermeisters Karl Kühn (SPD).

Die Stadt Reichenbach warb nun mit einem in der Druckerei Carl Werner hergestellten Faltblatt mit Wasserturm und dem Zusatz "Reichenbach - die Eingangspforte zum grünen Vogtland". Mit dem Blick von der Aussichtsplattform konnte man nun die Höhenzüge von Vogtland und Erzgebirge, Kuhberg, Werdauer Wald, Burg Schönfels und Kahmersche Höhe erkennen.

Die Gaststätte war im Stil der neuen Sachlichkeit eingerichtet und entsprach damit dem Gesamtanliegen des Architekten Rudolf Ladewig. Er hat bekanntlich seine Spuren im Baugeschehen der Stadt hinterlassen. Am Betriebseingang befindet sich heute auf Initiative des SPD-Ortsvereins eine Gedenktafel für Rudolf Ladewig. Erster Pächter der Gastwirtschaft war Familie Bley, deren Sohn bei einer Hausgeburt im Wasserturm auf die Welt kam. Aufgeführt im Gaststättenverzeichnis von damals ist das Lokal als Gartenwirtschaft. Das war es nicht ohne Grund, denn es gab bereits eine Terrasse mit Tischen, Stühlen und Sonnenschirmen. Die Ausstattung im Inneren war schlicht und funktional gehalten. Lediglich an den Wänden hatte der Reichenbacher Kunstmaler und Architekt Hans Volkenborn für Hingucker gesorgt. Im Gastraum war eine Skatrunde zu sehen und im Vereinszimmer eine Jagdszene. Beides gibt's nicht mehr.

In der Etage über der Gaststätte wurde eine Jugendherberge in bescheidener Ausstattung eingerichtet und im Zweiten Weltkrieg wieder geschlossen. Heute befinden sich dort eine ständige Ausstellung zur Geschichte des Wasserturms sowie ein Beratungsraum. In den letzten Kriegstagen 1945 wurde kurz vor Einmarsch der amerikanischen Truppen auf der Plattform des Turmes die weiße Fahne als Zeichen für die kampflose Übergabe der Stadt gehisst. Es war das wagemutige Verhalten des Wasserwerkers Max Helbig, der ausgebombt mit seiner Familie im Wasserturm eine Notunterkunft erhalten hatte. (wori)

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