Wenn das Z-Huhn Amok läuft

Das Theater Sonni Maier gastierte am Mittwoch in Reichenbach. Es wandte sich mit "Schutzengel" an die schweigende Mehrheit.

Reichenbach.

Blaulicht, Schüsse und Schreie im Reichenbacher Ratssaal: Ein packender Theater-Thriller gegen M0bbing, Gewalt und Amokläufe an Schulen ist dort am Dienstag in drei Aufführungen zu erleben gewesen. Das Theater Sonni Maier aus Witten bei Dortmund spielte, finanziert vom Vogtlandkreis, das Stück "Schutzengel".

Das Szenario: An einer Schule hat ein Amoklauf stattgefunden. Unter den Opfern ist die 16-jährige Mia (Sonni Maier). Im Jenseits erhält sie eine zweite Chance: Sie darf zurück auf die Erde, 24 Stunden vor dem Amoklauf. Schafft sie es, ihn zu verhindern? Doch sie hat keine Erinnerung mehr. Wer wird der Täter sein? Ist es der schwarz gekleidete Heavy-Metal-Fan Hendrik (Tobias Vorberg), der Ballerspiele mag? Oder Hülya (Stefanie Linnenberg), die Türkin aus dem Problemviertel, die oft die Fäuste fliegen lässt? Dass es ihr Banknachbar Sandro (Elias Engels) sein wird, ein schüchterner Außenseiter, den alle mobben, erkennt sie fast zu spät. Zwar kann sie ihn von der Tat abhalten, wird am Ende aber selbst von der Polizei erschossen.

Außenseiter gibt es überall. Das ist wie auf dem Hühnerhof. Ganz unten in der Rangordnung steht dort das Z-Huhn, auf dem alle anderen herumhacken dürfen. "In meiner Schulzeit war ich das Z-Huhn", bekannte Sonni Maier mittags im Nachgespräch mit Schülern der Weinhold-Oberschule und des Goethe-Gymnasiums. Sie habe sich hässlich und ungeliebt gefühlt. Aber es gebe immer ein paar ganz unten und ein paar ganz oben, während die schweigende Mehrheit wegschaue. Was könne man tun? "Dazwischengehen und den Streit schlichten." "Ins Gesicht sagen, dass Mobben scheiße ist." "Zum Getretenen gehen und sich mit ihm solidarisieren." So lauteten einige der Antworten der Schüler. "Ja, das hätte ich mir damals gewünscht", entgegnete Sonni Maier. Man könne sich auch Hilfe holen bei Lehrern und Schulsozialarbeitern; die wüssten oft ja gar nicht, was abgeht.

Die Idee zum Stück hatte Sonni Maier nach dem Amoklauf 1999 an der Columbine High School in den USA. "Das war total krass. Die Frage war: Könnte so etwas auch bei uns passieren?", erklärte sie. "Lerne zu sehen", heißt der Untertitel des Stückes. Er mahnt, besser auf den anderen neben uns zu achten.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...