Wenn negativ sein als positiv gilt

Die Vogtländische Literaturgesellschaft hatte auf- gerufen, Erfahrungen und Erlebnisse in Verbindung mit der Coronapandemie zu Papier zu bringen. Die Resonanz ist groß.

Reichenbach.

Negativ, ein Wort das traditionell alles andere als positiv besetzt ist, werde plötzlich zum Besten, was der Menschheit passieren kann. Das schreibt die Autorin Beate Werner aus Reichenbach in ihrem Beitrag "Bleibt schön negativ" über die positiven Seiten eines negativ ausgefallenen Coronatests.

"Eine einzige winzig kleine organische Struktur schafft binnen kurzer Zeit für zwei Worte, die bisher eine eindeutige Bedeutung hatten, neue Zusammenhänge und wandelt auf wundersame Weise die Zuordnung zu Schwarz und Weiß. Positiv, eigentlich Zustimmung, erfreulich oder vorteilhaft, Bejahung ausdrückend, wirft schlagartig den ganzen gewohnten Rhythmus über den Haufen. Der Positive wird aus der Bahn geschleudert. Quarantäne, häusliche Isolation, soziale Distanzierung werden zur unheimlichen Realität", sind ihre Erfahrung aus den vergangenen Monaten.

Beate Werner gehört zu den Autorinnen und Autoren, die sich an der von der Vogtländischen Literaturgesellschaft "Julius Mosen" organisierten Aktion beteiligt haben, und deren Texte auf der Internetseite gelesen werden können - zwölf sind es derzeit. Die Aktion läuft bis Ende Februar. "So wie ein einzelner Buchstabe bereits einen ganzen Satz verändert, so vermag auch ein einzelnes Wort ein ganzes Land zu spalten", heißt es im Beitrag "Kein schönes Land in dieser Zeit" von Christian Volland aus Schöneck. "Das Corona-Virus will der Menschheit etwas sagen. Aber die hat ein Wahrnehmungsproblem", heißt es in den Aphorismen von Claus-Peter Franke aus Markneukirchen, der auch ahnt: "Ja, aus dieser Pandemie können wir lernen. Nein, merken werden wir uns das Gelernte eher nicht."

Eine Busreise führte die Reichenbacherin Regina Möller noch im März 2020 nach Kroatien, Istrien - interessante Gegend am Meer unweit von Italien. Am zweiten Abend hieß es: "Koffer packen. Es wird ernst, Corona hat Europa erreicht, vor allem Italien." Also nichts wie weg hier und nach Hause, war die einhellige Reaktion.

In "Glück auf - Corona zum Trotz", schreibt Siegfried Martin aus Neustadt über die Adventszeit allein im Haus: "Der Bergmann, der wiedermal vom Spitzboden in die Vorweihnachtszeit reingeholt wurde, freut sich, dass wir zwei alten Männer einige Wochen zusammen sind." In "Musik als Zuflucht" beschreibt Marvin Schaarschmidt aus Plauen die Situation, als nach dem Lockdown im Frühjahr 2020 das Leben in Gang gesetzt wurde: "Wie selig war ich, Gruppen durch die historische Altstadt führen zu können. Mit meiner Musikalischen Stadtführung setzte ich genau dort ein, woran es uns allen gefehlt hatte: An Kultur".

Jörg M. Pönnighaus aus Fröbersgrün schildert in "Allein I" das Schicksal eines Ehepaars. Beide sind über 80 Jahre alt und kommen, erkrankt an Corona, ins Krankenhaus. Eine Gelegenheit zu einem Abschied voneinander bleibt ihnen nicht. Als der Mann erfährt, dass seine Frau gestorben ist, liegt auch er am nächsten Morgen tot im Bett.

Alle Texte sind im Internet nachlesbar. www.literaturgesellschaft-vogt- land.de

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