Wenn unterwegs zu Hause ist: Zwischen Salto und Schulbank

Der Spielspaß-Parcours macht Station in Reichenbach: der Ferienspaß für viele Kinder. Die Schaustellerfamile Schmidt lässt in ihr Leben blicken - und verrät, wie man Ferien macht, wenn man ständig unterwegs ist.

Reichenbach.

Während die Reichenbacher über die Hitze stöhnen, sitzen Santana (11) und Orlando (8) entspannt am oberen Ende der aufgeblasenen Rutsche und bewegen sich fröhlich kreischend in Richtung Pool. Noch haben die beiden Schausteller-Kinder den Spielspaß-Parcours im Park der Generationen für sich, doch bald öffnet das Angebot mit rund 25 Attraktionen um Hüpfburg und Co. Dann kommen auch gute Bekannte in den Park, denn die beiden ziehen andere Kinder magisch an.

"Manchmal reisen uns Familien nach, weil die Kinder mit unseren spielen wollen", sagt Vater Roman Schmidt. In Reichenbach konnte er Gäste aus Neustadt/Orla begrüßen, die sie in Schleiz kennengelernt hatten. "Die Kinder kommen schnell mit anderen in Kontakt. Orlando ist dann der Chef", erzählt der Papa. Der Junge beherrscht allerlei Kunststückchen. Wenn er einen Salto macht, dann wollen sich andere Kinder ausprobieren, mit ihm messen. "In dieser Woche waren zwei Cheerleaderinnen hier, die waren richtig gut", sagt Roman Schmidt. Orlando lerne das von selbst.

Selbst lernen ist ein Stichwort, das den Familienalltag vor allem außerhalb der Ferien beherrscht. "Mit der Schule ist es bei unseren Kindern genau wie bei anderen. Es geht mal besser, mal schlechter", sagt Sabrina Schmidt. Die Kinder haben Fernunterricht und einen sogenannten Bereichslehrer, der ein oder zwei Mal pro Woche vorbeischaut. Den Rest müssen sie selbst erledigen. Santana, die nach den Ferien die fünfte Klasse beginnt, arbeitet viel am Computer und im Internet. "Uns gefällt das freie W-Lan hier im Park sehr gut", verrät Roman Schmidt. Der Lehrer für die Schmidt-Kinder reist aus Bamberg an. "Wir sind damals noch in die Schulen vor Ort gegangen. Aber das ist schwierig, denn überall gibt es andere Lehrbücher und Lehrpläne", so die Mutter. Ein einheitliches Schulsystem würde helfen. Oder eine Regelung wie die in Nordrhein-Westfalen: Dort holt ein Lehrer jeden Tag Schausteller- und Zirkuskinder ab und erteilt mobilen Unterricht. Doch die Familie, die aus München stammt und außerhalb der Gastspielzeiten ihren Wohnsitz in Zeitz hat, ist meist in anderen Bundesländern oder in der Schweiz und Österreich unterwegs: von April bis Oktober im Freien, im Winter in Hallen.

Orlando und Santana sind täglich aufs Neue gespannt, wer denn so alles hereinschneit, wenn das Gelände öffnet. "Oft rufen Kinder schon am Zaun nach unseren", sagt die Mutti. Sie erzählt aber auch, dass ihr Nachwuchs manchmal gar keine Lust auf das hat, was für Besucherkinder eine Attraktion ist. Sie sind wie die Eltern in dieses Leben hineingeboren, in dem man täglich 24 Stunden lang zusammen ist. Manchmal sitzen sie lieber vor dem Fernseher oder machen Ausflüge mit einem Elternteil. "Wir waren in Greiz im Kino und im Freizeitpark Plohn. Das Freibad soll auch sehr schön sein", so Sabrina Schmidt. Eine weitere Option sind Ferien bei den Großeltern. "Für uns ist schon ein Ausflug wie Urlaub. Eine Woche Spanien oder Andalusien - das wäre schon was. Aber das müssen wir wohl auf den Ruhestand verschieben", meint Roman Schmidt, denn die Kosten für das Unternehmen sind hoch, zwei Wochen schlechtes Wetter können es an den Rand des Ruins treiben.

Und während er redet, dirigiert er schon die Mitarbeiter hin und her und fragt ab, ob alles erledigt ist, von der Toilettenreinigung bis zur Behandlung des Wassers im Pool. Ein Teil der Mitarbeiter ist unterwegs, um Werbung zu verteilen und neue Gastspielorte zu erkunden.

Die Spiel-Spaß-Anlage im Park der Generationen ist noch bis zum 5. August geöffnet, an Wochentagen von 14 bis 19 Uhr und am Wochenende von 12 bis 19 Uhr. Vom 10. August bis 2. September machen Schmidts im Rowi-Park an der Feuerwehr in Rodewisch Station. Dort erwarten sie auch wieder einige der Besucher, die sie hier getroffen haben.

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