Wer die Königin der Instrumente erschafft

Die Dauer der Ausstellung zur Orgelbauer-Familie Jehmlich im Schloss Netzschkau wurde verlängert. Recherchen zu historischen Fakten erschienen wie ein Krimi.

Netzschkau.

Der Förderverein des Schlosses Netzschkau hatte jüngst zur Sonderausstellung "Jehmlich - eine Orgelbauerfamilie" einen Fachmann eingeladen, der einen Vortrag zu Leben und Werk der Orgelbauer hielt. Siegfried Meyer berichtete dabei von Recherchen, die manchmal wie ein Krimi anmuteten, weshalb die Ausstellung und sein dazu in Arbeit befindliches Buch auch gut zu den Krimi-Literaturtagen Vogtland passen, in dessen Rahmen die Ausstellung zu sehen ist. Bis zum 1. Juli wurde nun die Ausstellungsdauer verlängert, das teilten gestern die Veranstalter mit.

Meyer berichtete in seinem Vortrag, manchmal habe es bei der Recherche zum Thema Ergebnisse gegeben, mit denen keiner gerechnet habe, zum Beispiel falsche Schilder und verschiedene Aufzeichnungen zu einem Fakt. Für das Auffinden von Dokumenten und Fotos sei detektivischer Spürsinn notwendig gewesen. Und Geduld, denn nicht überall sei das Interesse gleich hoch gewesen.

Carry Reuther aus Auma sagte dazu: "Mein Sohn schreibt mit einer Gruppe eine Seminararbeit über Orgeln und hat dabei das Thema Jehmlich ausgewählt. Über die Orgeln haben wir etwas gefunden, aber nichts über die Familie. Das scheint ein weißer Fleck zu sein. Gut, dass sich Herr Meyer des Themas angenommen hat." Sie hatte sich mit ihrem Sohn die Ausstellung angeschaut und kam speziell wegen der Veranstaltung noch einmal ins Schloss. Ihr Sohn Marcus fragte derweil Siegfried Meyer aus, dessen Buch noch immer nicht erschienen ist, weil ständig neue Erkenntnisse auftauchen und verarbeitet werden wollen.

"Das ist wie eine Sucht", gestand der Autor, der die Jehmlich-Forschungen mit der Aufarbeitung des losen Archivs seines Männerchores Liederkranz Zwickau begonnen hatte. In diesem Zusammenhang stieß er auf verschiedene Persönlichkeiten, darunter auch auf Carl Gottlieb Jehmlich und dessen Sohn Wilhelm Fürchtegott. Jehmlichs bauten in Zwickau Orgeln, bevor ein Sohn die Werkstatt des Onkels in Dresden übernahm und dann zum königlich-sächsischer Hoforgelbauer wurde. 29 der Jehmlich-Orgeln sind der Zwickauer Zeit zuzuordnen, darunter die Instrumente in Rodewisch, Lengenfeld oder Wernesgrün. "Heute gibt es mehr als 1000 Jehmlich-Orgeln in aller Welt, gebaut von sechs Generationen", erzählte der Heimatforscher dazu. "Mir ist erst hier in der Ausstellung bewusst geworden, dass es auch Jehmlich-Orgeln aus Zwickau gibt. Ich hatte immer nur etwas von Dresden gehört", so Carry Reuther.

Meyer zeigte sich froh, dass ihn der Förderverein eingeladen hatte, seine Forschungen im Schloss zu präsentieren. Er erklärte nach dem Vortrag die einzelnen Schautafeln in der Ausstellung, meist mit einer Anekdote zur Orgel oder zu den Recherchen. Die Sonderschau mit seinen Texten und Bildern ist ergänzt durch Orgelpfeifen und andere Teile vom Vogtländischen Orgelbau Thomas Wolf in Limbach. Der Heimatforscher möchte die Schau noch an weiteren Orten zeigen und nannte die Kirchgemeinde Auerbach als möglichen Interessenten.

Geöffnet ist die Ausstellung vorerst bis zum 1. Juli während der Schlossöffnungszeiten samstags und sonntags, jeweils 13 bis 17 Uhr, sowie zu Veranstaltungen.

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