Windrad-Dino an A 72 soll größerer Anlage Platz machen

Das Wahrzeichen des Gewerbegebiets steht seit knapp 20 Jahren. Das Unternehmen Windstromer will dort künftig bis zu zehnmal mehr Energie ernten - mit nur einer Anlage und trotz Gegenwinds aus der Politik.

Unterheinsdorf.

Das Gewerbegebiet an der A-72-Anschlussstelle Reichenbach könnte mittelfristig ein neues Wahrzeichen bekommen. Wie das Unternehmen Windstromer als Besitzer und Betreiber der dort 2002 ans Netz gegangenen Anlage auf Anfrage informiert, ist der Bau eines deutlich größeren Windrads vorgesehen. "Die neue Anlage bringt im Vergleich das Acht- bis Zehnfache an Ertrag. Wir erarbeiten gerade die Antragsunterlagen dazu", sagt Windstromer-Projektkoordinatorin Dagmar Bergert.

Vorgesehen ist der Bau einer Enercon-Anlage mit einer Nabenhöhe von 160 Metern und einem Rotordurchmesser von 138 Metern. Zum Vergleich: Die alte Windanlage hat eine Nabenhöhe von 70 und einen Rotordurchmesser von 58 Metern. Das Landratsamt bestätigt, dass für einen solchen "Ersatzneubau ein Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung" vorliegt. Wann mit dem Bau der Anlage zu rechnen sei, darüber könne das Unternehmen derzeit keine Aussage treffen.

In dem Genehmigungsverfahren - wozu die öffentliche Auslage der Pläne gehört - spielen auch die jüngst auf Bundes- und Länderebene diskutierten Pläne einer Abstandsregel von 1000 Metern zu Wohnsiedlungen eine Rolle. Im jetzt von CDU, Grünen und SPD vorgelegten sächsischen Koalitionsvertrag ist dieser Mindestabstand festgeschrieben. Das Neubauprojekt im Industriegebiet auf Unterheinsdorfer Flur wäre davon betroffen, da die nächste Wohnbebauung in Schneidenbach in diese Regel fällt. Dennoch treibt Windstromer die Planungen an der A 72 voran. "Wir erleben ja diesbezüglich in den letzten Jahren ein ständiges Auf und Ab. Und es bleibt auch hier abzuwarten, wie sich die Pläne der drei Parteien ausformuliert lesen", sagt Dagmar Bergert.

Schließlich habe die Koalition auch vor, den Klimaschutz zum Staatsziel zu machen und den Anteil erneuerbarer Energien insbesondere aus der Windverstromung zu steigern. "Was wir im Gewerbegebiet produzieren, das ist reinster grüner Strom. Dort, wo er gebraucht wird, geht er direkt und ohne irgendwelche Trassen ins Netz. Wo, wenn nicht dort", sagt die Koordinatorin mit Verweis auf positive Ergebnisse einer bereits abgeschlossenen artenschutzrechtlichen Begutachtung.

Gebaut werden soll die neue Anlage aufgrund ihrer deutlich besseren Effizienz und da der Betrieb der alten in absehbarer Zeit weniger Gewinn verspricht. In zwei Jahren läuft die beim Bau des alten Windrads für 20 Jahre zugesicherte EEG-Vergütung aus. Dann müsste der dort produzierte Strom ohne diese Förderung vermarktet werden. "Und davon müsste dann noch die Wartung der in die Jahre gekommenen Anlage bestritten werden."

In der Gemeinde Heinsdorfergrund sieht man die Baupläne offenbar eher gelassen. Bürgermeisterin Marion Dick hatte das Vorhaben im Hinblick auf mögliche Ausgleichspflanzungen auf Gemeindegrund jüngst im Rat kurz vorgestellt. Kommentiert wurde das Vorhaben dabei nicht. "Ich denke, einen solchen Aufschrei wie bei den Plänen am Brändel wird es auch nicht geben", sagt Marion Dick. Gleichwohl wird sich auch der Gemeinderat noch zu den Plänen positionieren.

4Kommentare
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  • 4
    5
    quatschkopf
    04.12.2019

    Schwupps werden die Kampfbegriffe rausgeholt. Windmonster? Was soll das sein? Schneidet es ihnen denn Kopf ab mit seinen messerscharfen Flügeln?
    Die Windkraftgegner benehmen sich wie kleine Kinder. Schreien rum und erfinden neue gruselige Wörter für eigendlich unspektakuläre Dinge. Begriffe die möglichst bedrohlich klingen und ein Szenario aufbauen das dem Kampf gegen böse Riesen oder außerirdische Angreifer aufbaut.
    Anstatt Dinge selbst in die Hand zu nehmen und genossenschaftlich selbst Windräder zu bauen und sich damit unabhängiger von den Konzernen zu machen geht man in die Defensive und überlässt den großen das Geschäft.
    Aber klar. So ein Kohle-Tagebau ist weit weg, das Öl das im Meer daneben läuft sieht keiner von Strand aus und die Chemikalien für Frakinggas sind tief in der Erde versteckt. Ach und Atommüll Endlager gibt es ja, bestimmt, irgendwo, nur nicht bei uns.
    Ja, eventuell gibt es irgendwann Reaktoren die so arbeiten das sie kaum Atommüll produzieren und sehr sehr sicher sind. Oder Fusionsreaktoren, wer weiß. Aber noch ist es nicht soweit. Diese "Strom, ja bitte aber nicht bei mir vor der Haustür" Mentalität nervt und zeigt den Egoismus und die Ignoranz der Menschen gegenüber den Mitmenschen und der Natur.

  • 1
    2
    Tauchsieder
    04.12.2019

    Ich glaube aber kaum, dass bei einem entsprechenden Widerstand und Verfahrensdauer sich im Vorfeld jemand drüber wegsetzt.

  • 2
    2
    Haecker
    03.12.2019

    Die Abstandsregelungen von 1.000 m sind noch nicht Gesetz, weder im Bund, noch im Freistaat Sachsen.

  • 6
    9
    Tauchsieder
    03.12.2019

    Die alte Betriebserlaubnis läuft aus, eine neue muss beantragt werden. Da sich mittlerweile der Wind gedreht hat, wird dies nicht so einfach werden. Mittlerweile ist eine Abstandsreglung zu beachten. Die Genehmigungen, die vor 20 Jahren oder länger ausgereicht wurden, sind so nicht mehr möglich. Da hat sich im Genehmigungsverfahren einiges geändert, vor allem wenn ein Windrad gegen ein Windmonster ausgetauscht werden soll.



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