"Wir haben hier etwas Neues gewagt"

Reichenbachs Stadtwerke-Chef Lars Lange spricht im Interview über die Neuausrichtung, über Wachstum und mutige Architektur

Lars Lange (38) war sieben Jahre lang kaufmännischer Leiter und Prokurist der Stadtwerke Reichenbach und wurde 2016 zum Nachfolger von Geschäftsführer Werner Siegert berufen. Ulrich Riedel sprach mit dem Werdauer.

"Freie Presse": Sie sind jetzt gut zwei Jahre als Geschäftsführer im Amt. Wie funktioniert es, die Interessen der Stadt und der privaten Gesellschafter unter einen Hut zu bekommen?

Lars Lange: Die Stadträte im Aufsichtsrat engagieren sich in der Sache. Sie interessieren sich auch für Energie und für die Gesamtprozesse. Envia M und Thüga als private Gesellschafter sind in diesen Zeiten Gold wert. Vieles aus der Politik und an Wissenstransfers läuft im Rahmen der Thüga-Beteiligung.

Die meist klammen Kommunen neigen dazu, mit dem Geld ihrer Tochtergesellschaften Löcher zu stopfen. Werden Sie von der Stadt Reichenbach überfordert? Wie eine Kuh, die immer mehr Milch geben muss?

Nein. Es ist allen Beteiligten klar, dass man eine Kuh nicht nur melken kann, sondern auch dafür sorgen muss, dass es ihr gut geht. Oder anders ausgedrückt, es muss genügend Raum für Investitionen bleiben, damit wir uns als Stadtwerke weiterentwickeln können - und den bekommen wir.

Wie würden Sie die Rolle der Stadtwerke beschreiben? Wie sind Sie aufgestellt?

Wir erleben gerade einen Wandel vom Stromlieferanten zum Energiedienstleister. Wir bauen die regenerativen Energien aus, dabei verweise ich auf die Projekte mit der Agrargenossenschaft als Biogas-Lieferant. Dabei stärken wir auch die Infrastruktur. Zugleich erschließen wir neue Geschäftsfelder. Dazu gehört eine Biogas-Kraftwerk-Investition als Einstieg in den Regelenergiemarkt. Dort geht es um die Stabilität des 50-Hertz-Netzes. Das ist für die Stadtwerke lukrativ und stärkt zugleich langfristig die Energieversorgung nach Atom- und Kohlestrom.

Welche Rolle spielen die Stadtwerke Reichenbach auf dem deutschen Energiemarkt?

Die Stadtwerke sind im Wettbewerb grundsätzlich gut aufgestellt. Es gibt bundesweit 800 Energieanbieter, davon allein in unserem Netz 180. Wir haben schon viele Insolvenzen erlebt, aber die Kunden kann ich beruhigen: Wir sind in solchen Fällen für die Ersatzversorgung zuständig, und diesem Auftrag werden wir gerecht. Wir sind übrigens im siebenten Jahr preisstabil. Das heißt: Unter Berücksichtigung der Teuerungsrate ist Strom bei uns billiger geworden.

Wieso haben Sie eigentlich den Anbau errichtet, dieses "Raumschiff" am Roßplatz?

Wir sind gewachsen auf jetzt 50 Mitarbeiter. 13 neue Arbeitsplätze sind entstanden, weil wir neben der klassischen Energielieferung auch Dienstleistungen für andere Stadtwerke anbieten und für weitere Geschäftsfelder offen bleiben wollen. Dafür haben wir Platz gebraucht.

Der Anbau ist architektonisch durchaus mutig. Nach außen drang keine Kritik, wie sah das Feedback bei Ihnen aus?

Wir haben hier etwas Neues gewagt, das auch polarisiert. Es ist offenbar gelungen. Bei Veranstaltungen stehen die Reichenbacher Schlange, um sich das Gebäude auch innen anzusehen. Teilweise besuchten uns die Mitarbeiter der verschiedenen Firmen, die am Bau tätig waren, um ihren Familien das Ergebnis zu zeigen, an dem sie beteiligt waren. Es gab viel Lob, und das freut uns.

Auch im Inneren ist das ja sehr modern: mit Glas und Metall als Werkstoffen.

Wir wollen mit den gläsernen Büros Transparenz demonstrieren. Das ist einer unserer Grundsätze.

Manche meinen, es sei ein Prestigebau der Stadtwerke.

Wir haben den Anbau ohne Fördermittel und mit regionalen Firmen errichtet. Er erwirtschaftet sich aus den bereits erwähnten Dienstleistungen für andere Unternehmen, beispielsweise für die Stadtwerke Aue. Damit sind wir breiter aufgestellt. Der Anbau ist nicht mit den Gebühren der Stadtwerke-Kunden finanziert worden.

Es gab vor längerer Zeit bei den Stadtwerken Reichenbach einen Geschäftsführer, der nach innen und außen polternd agierte, dann folgte von 2007 bis 2016 Werner Siegert, der mit ruhiger Hand das Unternehmen wieder auf Kurs brachte. Wie führen Sie eigentlich?

Ich bin ein Geschäftsführer, der offen kommuniziert und teamorientiert führt. Das stärkt die Mitarbeiter und hilft dabei, eine positive Ausstrahlung zu erreichen.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem früheren Chef Werner Siegert?

Wir hatten früher ein gutes Verhältnis und haben das auch heute. Er interessiert sich für die Stadtwerke und kann uns mit dem klassischen alten Technik-Wissen helfen.

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2Kommentare
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    0
    Interessierte
    24.08.2018

    Tolles Gebäude , sieht aus wie die Beine der Sitzmöbel oder der Nierentische aus den 50-ern ....

  • 0
    3
    aussaugerges
    24.08.2018

    Reihenbach kassiert die höchsten Stromgrundgebühren.
    Sie leben sehr gut vom russ. Gas wie überall in Deutschland.
    Ist eben eine Bürgerkassier Verein.



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