Wirbel um Erdaushub im Landschaftsschutzgebiet

Ein Baubetrieb hat Material in Irfersgrün abgelagert, ohne das vorab mit dem Landkreisamt zu klären. Das Besondere: Der Kreis ist gleichzeitig auch der Auftraggeber.

Irfersgrün.

Etliche Tonnen Erdaushub im Landschaftsschutzgebiet Plohnbachaue in Irfersgrün an den Kleingärten sorgen derzeit für Unmut und Gesprächsstoff. Abgekippt hat den Erdaushub die Firma Loebel Bau GmbH aus Heinsdorfergrund. Deren technische und kaufmännische Leiterin Kati Lenk gibt an, dass es sich um eine Zwischenlagerung handelt, die wieder beräumt wird. Ob dafür auch eine Genehmigung vorliegt, konnte sie nicht sagen.

Die Ablagerungen stehen in Zusammenhang mit den Baumaßnahmen auf der Stangengrüner Straße. Bauherr ist das Landratsamt.

Die Kreisbehörde hat inzwischen von den Erdablagerungen erfahren. Behördensprecher Uwe Heinl teilt auf Anfrage mit: "Die Ablagerung erfolgte ohne Wissen des Auftraggebers. Bei den abgelagerten Massen handelt es sich um unbelasteten Bodenaushub. Eine Anhörung zum Verwaltungsverfahren läuft."

Erdaushub in einem Landschaftsschutzgebiet abzulagern, ohne das Landratsamt einzubinden, entspricht nicht der erforderlichen Vorgehensweise. Wie die aussieht, das erläutert Karin Bernhardt, Pressesprecherin des Landesamtes für Umwelt Landwirtschaft und Geologie in Dresden: "Das Landratsamt, insbesondere die Untere Naturschutzbehörde, hätte in jedem Fall einbezogen werden müssen." Zu jedem Landschaftsschutzgebiet gebe es eine Verordnung, die der zuständige Landkreis erlassen habe. Darin sei genau geregelt, was erlaubt ist und was nicht. Es sei auch gar nicht auszuschließen, dass vielleicht eine temporäre Ablagerung möglich ist. Die Behörde jedoch zu übergehen, sei nicht erlaubt. Die Besitzverhältnisse der Fläche hingegen spielen bei der Beurteilung des Vorgangs keine Rolle, so Bernhardt.

Beschwert über die Erdablagerung hat sich unter anderem Hanna Flechsig. Die Seniorin ist Besitzerin einer angrenzenden Fläche. Das Areal ist sehr feucht. Sie fürchtet nun, dass sich in ihrem Grundstück Wasser ansammelt, weil es nicht nach unten abfließen kann. "Der Untergrund besteht aus Leberfelsen. Das Wasser versickert dort schlecht", so Hanna Flechsig. Sie hat versucht, in den Ämtern eine Auskunft zu erhalten. "Im Umweltamt des Landratsamtes hat man mir gesagt, dass es für diese Erdablagerung keine Genehmigung gibt", so die Besitzerin der Nachbarfläche. Hanna Flechsig bezweifelt, dass nur reiner Erdaushub dort liegt: "Es ist auch Bauschutt dabei, Fliesen, Straßenbelag und Betonbrocken", meint die Seniorin. Diese Bestandteile würde man jetzt nur nicht mehr sehen, weil sie mit Erde bedeckt sind.

Aufgefallen ist die Erdablagerung auch dem Lengenfelder Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld), der sich darüber wundert, dass in einem Landschaftsschutzgebiet derartige Aufschüttungen erfolgen. "Ich versuche, den Sachverhalt zu klären", so der Stadtchef.

Auch Ortsvorsteherin Mandy Zisowsky ist nicht entgangen, dass sich in Zusammenhang mit den Bauarbeiten auf der Stangengrüner Straße unübliche Dinge im Schutzgebiet abspielen. "Eine Ablagerung im Landschaftsschutzgebiet halte ich für bedenklich." Die Ortsvorsteherin erklärt weiter, dass es in den Bauprotokollen einen Vermerk über die Erdablagerungen gibt. "Ich habe beim zuständigen Bauleiter nachgefragt. Er hat mir erklärt, dass es sich um eine Zwischenlagerung handelt", hat die Ortsvorsteherin in Erfahrung gebracht.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    0
    Tauchsieder
    02.08.2018

    Und schon wieder ist die UNB des LRA gefordert. Erst dieser Tage bei der Tsp. Pirk und jetzt hier.
    Erfolgte bei der Pirk eine OWIG-Anzeige seitens der UNB und was gedenkt die UNB hier zu tun, es besteht Gefahr im Verzug, also Handlungsbedarf?
    Bleiben sie am Ball Fr. Kölbel!



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...