Zauberhaftes eröffnet Konzertsaison

Zum Auftakt bot die Vogtland Philharmonie im Neuberinhaus Reichenbach Bewegendes. Dabei stellte sich manche Frage.

Reichenbach.

Der Start in die neue sinfonische Saison am Mittwoch im Reichenbacher Neuberinhaus war lang, bewegend und bewunderungswürdig. Und auch das Denken kam nicht zu kurz. Was die Vogtland Philharmonie unter ihrem Chefdirigenten David Marlow bot, konnte als eine Art beherztes Diskussionsangebot verstanden werden.

Das Programm war geeignet, sich den Kopf zu zerbrechen. Was ist, was kann Musik? Wie anstrengend darf diese Kunstform sein? Welche Ausprägung sagt mir zu, und wo finde ich mich nicht so schnell hinein? Den Anfang machte mit Richard Wagners "Lohengrin"-Vorspiel ein Abstecher in die Märchen- und Traumwelt einer der größten und seltsamsten Gestalten der Musikgeschichte. Dank der Farbigkeit und Dynamik der Ouvertüre wie der Hingabe der Ausführenden, namentlich der betörend klingenden hohen Streicher, war das wohl die unbeschwerteste Wegstrecke des Abends.

Das Violinkonzert des Letten Peteris Vasks, geschaffen 1997 für die Salzburger Festspiele, brachte die erneute Begegnung mit Wolfgang Hentrich, einem der Konzertmeister der Dresdner Philharmonie. Der gebürtige Radebeuler entfaltete auf seiner 1725 von dem Venezianer Sanctus Seraphin gebauten Geige einen vollen, warmen Ton, verströmte eine magische Kraft des Ausdrucks und stand für eine Eleganz und Kraft vereinende Technik. Die subtil begleitende Philharmonie, souverän geleitet von Marlow, tat ein Übriges, um einem Werk zum Erfolg zu verhelfen, das auf einen solchen nicht unbedingt aus zu sein scheint. Es zeichnet sich weder durch frappierende Vielgestalt noch durch ausgesprochene Originalität oder provokative Grenzgänge aus. Zu erleben ist vielmehr eine behutsame Zwiesprache des Komponisten mit sich selbst, mit dem Publikum, den Instrumenten. Und dabei wird das Entscheidende, Erhellende oft nur angetippt oder bleibt in der Schwebe.

Anton Bruckners nach der Pause folgende 3. Sinfonie brachte das erwartete überwältigende Klangerlebnis.

Marlow leuchtete die gewichtige Partitur meisterhaft aus. Er fand immer wieder mühelos von den markanten Fortissimo-Passagen zu jenen leisen, anmutigen Takten zurück. In diese flossen einträchtig Mozart und alpenländische Volksmusik ein. Das Orchester leistete in Sachen Tonqualität, Durchsichtigkeit des Spiels und Beherrschung der Details Hervorragendes.

Dennoch erreichte die Interpretation noch nicht einen Stand, bei dem alle Zweifel verstummten. Ab und an fragte man sich, ob der Kirchenmusiker Bruckner beim Komponieren vielleicht etwas weniger an die fügsame Orgel hätte denken sollen. Und: Wäre es möglich, dass der Mann bei entsprechend zielgerichteter Planung manche Länge hätte vermeiden können?

Die fällige Ansprache zur Saisoneröffnung übernahm anstelle des verhinderten Reichenbacher Oberbürgermeisters Raphael Kürzinger (CDU) Generalmusikdirektor Stefan Fraas. Das Stadtoberhaupt war auf der anberaumten Bürgerversammlung in Schneidenbach. Der Intendant der Vogtland Philharmonie kündigte eine an Höhepunkten reiche Spielzeit an und bekräftigte die tiefe Verbundenheit des Orchesters mit seinem Publikum.

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