Zwei neue Frauen führen das Neuberin-Museum in die Zukunft

Martina Bundszus und Grit Otto haben ihre Arbeit in Reichenbach aufgenommen. Sie wollen neue Zielgruppen erschließen und moderne Medien nutzen.

Reichenbach.

Das Neuberin-Museum Reichenbach startet unter neuer Führung durch. Neue Museums- und Kulturchefin ist Martina Bundszus. Sie trat die Nachfolge von Marion Schulz an, die in den Ruhestand ging. Ihr zur Seite steht Grit Otto, die Jacqueline Heidel nachfolgt, die in die Jürgen-Fuchs-Bibliothek gewechselt ist. Den beiden Neulingen steht als altgediente Mitarbeiterin Katrin Ehlig zur Seite.

Martina Bundszus (53), die in Plauen lebt, setzte sich bei der Neubesetzung der Stelle gegen 37 weitere Bewerber durch, darunter aus Österreich und Griechenland. Sie stammt aus Hamburg und hat in Bamberg und Kiel Mittelalter-Archäologie, Geschichte und Baugeschichte studiert. 1994 bis 1997 war sie in Plauen für das Landesamt für Archäologie tätig. In diese Zeit fielen Grabungen am Roten Turm beim Konventsgebäude und auf dem einstigen Vowetex-Areal. Die folgende Aufarbeitung der Funde der einstigen Wasserburg Göltzsch, die 1937 bis 1939 zu Tage gekommen waren, führten Martina Bundszus zur nächsten beruflichen Station. 2004 bis 2017 leitete sie das Museum Göltzsch in Rodewisch. Dann schloss die Stadt das Museum, begründet mit Bauarbeiten. Bundszus nutzte die Zeit für einen Abschluss als Medienfachwirtin Print und bewarb sich in Reichenbach.


Die neue Museumsmitarbeiterin Grit Otto (32) hat ihre Wurzeln in Jena, war zuletzt in der Nähe von Koblenz tätig und zieht jetzt nach Reichenbach. Die studierte Archäologin, Historikerin und Anthropologin freut sich darauf, künftig bei Veranstaltungen, Ausstellungen und in der Museumspädagogik mit Menschen zu arbeiten. Bislang hatte sie einen reinen Verwaltungsjob. Sie ist musisch begabt, spielt Akkordeon, schreibt Geschichten und zeichnet.

Die beiden Frauen können nach eigener Aussage gut miteinander. Sie seien "auf einer Wellenlänge". Das liege wohl daran, dass beide Geschichte studierten.

"Das Reichenbacher Museum ist ein großes Juwel. Das Alleinstellungsmerkmal Neuberin verdient ein eigenes Museum", sagt Martina Bundszus. Zur großen deutschen Reformatorin, in deren Geburtshaus sich die Einrichtung befindet, sei schon viel geforscht und gesammelt worden. Das wolle man ausbauen. Hinzu kommen Sammlungen zur Stadt- und Industriegeschichte sowie die Kunstsammlung mit über 3500 Werken. Das Steckenpferd, das sie besonders reiten wolle, sei die Reichenbacher Stadtgeschichte. Hier liege noch viel im Dunkeln. "Durch die vielen Stadtbrände haben wir eine sehr schlechte Quellenlage", erklärt sie.

"Das Museum ist zugleich das Gedächtnis der Stadt. Wir können eine Menge Wissen vermitteln. Aus dem Verständnis für die Vergangenheit wachsen Lehren für die Zukunft", steht für Martina Bundszus fest. "Wir wollen daher unsere museumspädagogische Arbeit ausbauen und neue Zielgruppen erschließen, zum Beispiel Kinder, Schüler und Senioren." Grit Otto ergänzt: "In Hinblick auf Inklusion wollen wir Kontakte zu Menschen mit Handicap knüpfen."

Barrierefreiheit sei ebenso ein Thema, so Bundszus, ohne sofort an einen Fahrstuhl zu denken. Aber man könne etwas für Sehbehinderte und Hörgeschädigte beim Museumsbesuch tun. "Das fängt bei Lupen an." Auch moderne Medien wolle man künftig nutzen. "Facebook", sagt Grit Otto.

Das Neuberin-Museum Reichenbach, Johannisplatz 3, hat Dienstag bis Freitag, 10 bis 16 Uhr sowie Sonntag, 13 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet.


Nächste Ausstellungen

28. Juni bis 8. September: Uta Polenz, Plauen. Sie war früher Musterentwerferin für die Plauener Gardine.

13. September bis 4. November: Joachim Lautenschläger, Neustrelitz. Lautenschläger verbrachte seine Kindheit und Jugend in Netzschkau im Vogtland.

ab 29. November: Weihnachtsausstellung.

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