Zwei Psychotherapeuten schließen Versorgungslücke

Bis zu neun Monate müssen psychisch kranke Kinder und Jugendliche der Region derzeit auf einen Termin für ambulante Behandlung warten. Zwei Auerbacher wollen das bald ändern.

Auerbach.

Konkurrenz hatten Ken Bleyer (31) und Alexander Ziegler (48) für ihre geplante Praxiseröffnung nicht. "Seit Januar war die Kinder- und Jugendpsychotherapie für Auerbach ausgeschrieben", sagt Ziegler. "Wir haben uns im Mai beworben, waren damit die ersten und bekamen den Zuschlag."

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hatte für die Stadt eine Unterversorgung im Kinder- und Jugendbereich festgestellt - die beiden Auerbacher wollen diese Lücke schnell schließen. Im Gebäude Altmarkt 10, zweiter Stock, werden die Räume für ihre Praxisgemeinschaft gerade ausgebaut; wenn alles nach Plan läuft, ist Anfang November Eröffnung. Jeder der beiden Psychotherapeuten hat seine eigene Praxis, einige Räume werden gemeinsam genutzt. "Außerdem ist die Hebamme auf unserer Etage", erläutert Ziegler. Es gebe einen Fahrstuhl, und die Verkehrsanbindung sei "grandios".

Wie groß der Bedarf ist, spürt das Duo: Schon jetzt gebe es etliche Anmeldungen, berichten sie. Darunter seien Kinder und Jugendliche aus Auerbach, die bisher zur Therapie nach Zwickau, Crimmitschau oder noch weiter weg müssten. "Derzeit muss man sechs bis neun Monate auf einen Termin warten - das ist normal, darf aber eigentlich nicht sein", meint Ken Bleyer. "Viele pendeln hundert Kilometer weit, um einen Termin wahrzunehmen."

Ihre Patienten sind theoretisch zwischen 0 und 21 Jahre alt, die allermeisten sind Schüler. Deren psychische Probleme würden oft vom Leistungsdruck verursacht, der die Freude am Leben nehme. Außerdem bereite die Identitätsfindung Schwierigkeiten. "Angst macht zunehmend die Digitalisierung", schildert Ken Bleyer. "Dann höre ich zum Beispiel: Lernen bringt doch eh nichts, bald machen alles die Roboter." Oder Kinder fragen sich, warum sie später auf Arbeit gehen sollen: "Ihre Eltern machten das und seien deswegen nur noch traurig und gestresst."

Der Medienkonsum überfordere viele: "Wenn man 9 Jahre alt ist und früh 40 neue Nachrichten auf Whatsapp hat, kann man das nicht verarbeiten." Auch der Drogenkonsum spiele bei einigen Patienten eine Rolle, wobei Cannabis inzwischen wichtiger sei als Crystal. Ein Kernproblem ist aus Sicht der Psychotherapeuten, dass Eltern viel zu wenig gemeinsame Zeit mit ihren Kindern verbringen - da hapere es sehr häufig.

Die berühmte Couch gibt es bei den Therapeuten übrigens nicht, statt dessen eine Spielecke. Und Puppen seien für die Arbeit mit kleineren Kindern unentbehrlich, berichten die Experten.

Bleyer und Ziegler haben lange in Rodewisch-Untergöltzsch zusammengearbeitet, anschließend wechselten beide in die Kinder- und Jugendpsychiatrie des HBK in Zwickau, wo sie bis heute angestellt sind. Eigentlich sei der Plan gewesen, die Praxisgemeinschaft parallel laufen zu lassen, sagt Bleyer. "Aber so, wie der Andrang sich entwickelt, wird das wohl nichts."

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