78 Sarferts gratulieren zum Stadtjubiläum

Die Familie ist bereits seit gut 550 Jahren in der Region nachweisbar. Am Wochenende waren Vertreter aus ganz Deutschland und Übersee nach Zwickau gekommen, um sich in der 900 Jahre alten Stadt auf die Spur der Ahnen zu begeben.

Zwickau.

Als 1989 die Mauer fiel und sich die Grenzen zum Osten Deutschlands öffneten, da reifte in Harald Sarfert aus Brome in Niedersachsen der Entschluss, in Sachsen nach seinen Wurzeln zu suchen. Die hat er gefunden und noch dazu weitere 1263 Sarferts.

Der heute 63-Jährige hat viel Zeit in die Familienforschung gesteckt. "Die ist so spannend, dass sie mich in all den Jahren nicht losgelassen hat", sagte er am Wochenende, als er mit weiteren 78Sarferts zum inzwischen achten Familientreffen nach Zwickau gereist war. Das erste hatte vor 20 Jahren in Werdau stattgefunden. Der Mann, der als Banker arbeitet, hatte herausgefunden, dass es in der Kleinstadt und in Zwickau 1889 schon mal Banker in der Familie gegeben hat, die damals die Privatbank Sarfert & Co. gründeten, die 42 Jahre lang bestand.

Weitere Treffen haben Vertreter des Sarfert-Clans - die aus dem Saarland, Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin, Niedersachsen, den USA, Brasilien und ganz Sachsen kommen - in Dresden, Freiberg, Plauen, Leipzig sowie Bautzen gehabt. Zwickau war jetzt schon zum zweiten Mal nach 2003 Reiseziel. "Wenn die Stadt ihr 900-jähriges Bestehen feiert, dann wollen wir Sarferts, die die Geschichte hier mit geprägt haben, natürlich gratulieren. Am Freitagabend haben wir uns mit Oberbürgermeisterin Pia Findeiß getroffen und das getan", erzählte Harald Sarfert am Sonntag nach dem Gottesdienst im Dom. Am Samstag haben die Sarferts das Herrenhaus in Vielau besucht. In dem Ort war immerhin ein Andreas Sarfert von 1676 bis 1679 und ein Johann Michael Sarfert von 1743 bis 1746 Pächter des Rittergutes. Auch dem Robert-Schumann-Haus stattete der Clan einen Besuch ab. Und als abends die Reinsdorfer Bergsänger ein Programm boten, da stimmten die Sarferts in das Steigerlied ein, dass viele von ihnen textsicher beherrschen.

Harald Sarfert hat einen weit verzweigten Familienstammbaum erstellt. Es gibt einen älteren Ast mit einem Schönauer, einem Höckendorfer, einem Reinsdorfer, einem Werdau-Reinholdshainer, einem älteren und einem jüngeren Bockwaer und einem Oberlungwitzer Zweig sowie einem jüngeren Ast mit einem Pölbitzer, einem Reichenbacher, einem Niederplanitzer, einem Treuener und einem Elsterberger Zweig. Noch nicht genealogisch zuordnen lassen sich der Crossener, der Planitzer, der Dresdner, der Königswalder, der Thüringer, der Zwickauer und der amerikanische Zweig sowie einige einzelne Sarferts. Doch Harald Sarfert, der mit seiner Frau Marion, den Kindern Daria und David sowie den Enkeln Constantin und Mariella angereist war, bleibt dran.

Den weitesten Weg zum Treffen hatte Richard Sarfert, der mit seiner Frau sowie den beiden Kindern aus den USA, der Stadt Boalsburg in Pennsylvania, eingeflogen war. Er war bereits das siebte Mal dabei, freut sich immer auf die Treffen mit den anderen Sarferts und hofft, das er irgendwann einmal seine Wurzeln in Deutschland finden kann.

Egal welchem Zweig die Sarferts angehören: Die Treffen, zu denen auch schon mal mehr als 100 Leute kommen, zeigen, dass sie sich alle prächtig verstehen. "Sonst würden wir das nicht machen", sagte Organisator Harald Sarfert, der berichtete, dass diesmal Aurelius aus Bautzen mit einem halben Jahr der jüngste und Karlheinz aus Chemnitz mit 89 Jahren der älteste angereiste Sarfert war.


Blick in die Familienchronik

Die Spuren der Sarferts führen bis ins Jahr 1460 zurück. Aus dem Terminierbuch der Zwickauer Franziskanermönche geht hervor, dass damals ein Heinrich Sarbart aus Weißbach für sein Seelenheil den Bettelmönchen spendete.

Den Außenbereich des Zwickauer Doms mit Statuen zu verschönern ermöglichte 1891 Landgerichtsrat Ferdinand Sarfert durch eine groß- zügige Spende.

Der Bau des Rittergutes in Thurm geht auf Richard Sarfert aus Bockwa zurück. Der Besitzer ergiebiger Kohlegruben hatte 1878 das 250 Hektar große Gut erworben und brachte den landwirtschaftlichen Betrieb wieder zur Blüte. Der letzte Besitzer, Fritz Sarfert, wurde Ende des II. Weltkrieges von der Roten Armee vertrieben. Das Rittergut verfällt zusehends.

Die Rittergutsbrauerei Vielau hatte im 17. Jahrhundert ein Andreas Sarfert in Pacht.

Die Privatbank Sarfert & Co. gab es über 42 Jahre in Werdau. Gründer waren 1889 der Fabrikant Ernst-Georg Sarfert aus Werdau, sein Onkel, der Bergwerksbesitzer Heinrich Moritz Sarfert aus Zwickau, und sein Schwager, der Guts- und Kohlenwerksbesitzer Heinrich Würker aus Bockwa (Ehemann von Johanne Christiane Rosine Sarfert).

Dem Leipziger Thomanerchor gehörte der 1950 in Leubnitz geborene Bernd Sarfert für neun Jahre an. 1975 zählte er zu den Gründern der bekannten DDR-Rockgruppe Winni II.

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