Anstehen für eine Erinnerung

Carl Hahn und Peter Kirchberg haben im Horchmuseum ihr Buch über Hahns Vater vorgestellt. Die Geschichte und der Geschichtenerzähler hinterließen großen Eindruck.

Zwickau.

Keiner schimpft. Solange Carl Hahn mit seinen 90 Lenzen an seinem Tisch sitzt und Buch um Buch signiert, solange Peter Kirchberg neben ihm sitzt und Frage um Frage beantwortet, solange kann man in der Warteschlange nicht ungeduldig werden.

Rund 130 Menschen sind am Dienstag im August-Horch-Museum der Einladung zur Signierstunde gefolgt. Deutlich mehr als 130 Bücher über die Geschichte von DKW und mithin des Automobilbaus in Zwickau, Chemnitz, Zschopau sind verkauft worden. Mehr als gedacht. "Wir haben noch sämtliche Exemplare aus allen Kofferräumen zusammengekratzt", sagt Museumssprecherin Annett Kannhäuser halb im Scherz. Und sie alle signiert Carl Hahn, ehemaliger Manager und VW-Vorstandsvorsitzender, mit einer Engelsgeduld und einem freundlichen Lächeln für jeden Extrawunsch. Derweil finden sich in der Schlange Menschen, die sich über ihre Zeit an der Zwickauer Hoch- oder Ingenieurschule unterhalten oder über ihre aktuellen Bemühungen, ein altes Auto aufzu- polieren. Man kennt sich, und man kennt auch die beiden Buchautoren.


Überwiegend Herren jenseits der 50 versammeln sich an diesem Abend. Nicht untypisch, wenn es um das Thema Automobilgeschichte geht. Zwischen all den kurzärmeligen, meist einfarbigen Hemden, sticht ein Sommerkleid heraus. Es gehört Anett Kammel, die mehrere gute Gründe hat, den Abend im Museum zu verbringen. Zum einen ist sie die Enkelin des ersten Audi-Werkdirektors in Zwickau nach dem Krieg. Das, was Carl Hahn über sein Buch und damit seine Geschichte erzählt hat, hat sie berührt. "Es beeindruckt mich, was die Menschen in dieser Zeit geleistet haben." Die Dresdnerin hat sich außerdem bei dieser Gelegenheit die Erlaubnis aller Beteiligten geholt, das eben erschienene Buch als Hörbuch zu veröffentlichen, um so der Geschichte auch eine Stimme zu geben.

Michael Ernst Linke hat in gewisser Weise auch das Glück anderer Leute im Sinn, als er sich bei Hahn und Kirchberg anstellt. Er lässt gleich mehrere Bücher signieren - als Geschenk seines Unternehmens an gute Partner. Der überzeugte Ferrari-Fan hat selbst bei den Kfz-Technikern an der Hochschule unterrichtet. Und nicht nur das: Er weiß Carl Hahn auch als Auto-fahrer zu schätzen. "Ich bin schon gegen ihn bei der Sachsen-Klassik gefahren." Am Ende lag damals Linke einen Platz vor Hahn. Aber das ist eigentlich nicht wichtig. Im Leben geht es um andere Ding. Das ist vielen im Rückblick klar geworden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...