Bauhaus trifft Weihnachtsengel

Das Museum für Keramik und angewandte Kunst in Waldenburg präsentiert neben traditioneller auch ausgefallene bergmännische Volkskunst im Bauhaus-Design.

Waldenburg.

Man muss schon ein bisschen Fantasie mitbringen, um in der Weihnachtsfigur, die die Kunsthistorikerin Sabine Tauscher in ihren Händen hält, einen Engel und gleichzeitig einen Bergmann zu erkennen. Je nachdem, welche Seite nach vorn und ob das Dreieck nach oben oder unten zeigt, wechselt die Figur ihre Bedeutung. Im Sinne der Bauhaus-Idee, welche das Spiel mit geometrischen Formen wie Dreieck, Quadrat und Halbkreis zur Perfektion trieb, hat der 59-Jährige Kunsthandwerker Wolfgang Braun aus dem erzgebirgischen Deutschneudorfer Ortsteil Oberlochmühle die Holzfigur entwickelt. Eines seiner Stücke - die kürzlich vom Branchenverband der Kunsthandwerker ausgezeichnet wurden - hat der Erzgebirger dem im Juni eröffneten Museum Forum für Kunst an der Töpferstraße in Waldenburg als Ausstellungsobjekt für seine erste Weihnachtsausstellung ausgeliehen.

"Mit der Schau wollen wir zeigen, dass das Bauhaus damals wie heute das Kunsthandwerk im Erzgebirge beeinflusst", sagt Tauscher. Neben aktueller Volkskunst können Fans erzgebirgischer Erzeugnisse in den neu gestalteten Räumen der ehemaligen Töpferei, die sich der Präsentation von Keramik und Kunst widmet, auch ältere Exponate bestaunen. Beispielsweise zählt zu der Schau ein Weihnachtskerzenständer im Art-Déco-Stil aus den 1920er- Jahren. Auch hier sei wieder die sachliche Form des Bauhauses zu spüren, so Tauscher. Der Großteil der Exponate stammt von dem Verein Grünhainichen aus dem Erzgebirge, der dem kleinen Waldenburger Museum die unverkäuflichen Musterstücke von Gestaltern und Schnitzern aus Grünhainichen für die Ausstellungsdauer überlassen hat.

Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung neben kleinfigürlichem Geschnitzten, Lichterengeln und Bergmännern auch drei erzgebirgische Räuchermännchen in Schneemann-Form, die bis zu hundert Jahre alt sind. "Vor der Industrialisierung hat man die Figuren noch aus Brot geformt. Mit Beginn der Industrialisierung änderte sich das. Die Figuren wurden zunehmend aus Holz gefertigt. Anhand der Schneemannfiguren, die wir nebeneinander platziert haben, sind deutlich die Entwicklungssprünge in der Volkskunst erkennbar", sagt die Waldenburgerin.

Die Kunstexpertin hofft, mit der Weihnachtsausstellung Besucher auf eine Zeitreise in die traditionsreiche Geschichte erzgebirgischer Volkskunst nehmen zu können. "Die Sammlung ist ein kleines Abbild erzgebirgischer Volkskunstschätze von den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts bis zum heute gepflegten Holzkunsthandwerk", sagt Tauscher.

Die Weihnachtsausstellung können Liebhaber sächsischer Volkskunst bei Führungen im Museum für Keramik und angewandte Kunst in Waldenburg erkunden. Aufgrund begrenzter Teilnehmenzahl wird um einen Anmeldung unter 037206/3255 gebeten.

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