Bauschäden: Düstere Aussichten für den Bismarckturm

Ein Dilemma für die Stadt Glauchau. Sie muss für ihr Wahrzeichen wohl viel tiefer in die Tasche greifen als bislang angenommen.

Glauchau.

Udo Böttiger hat eine ernste Mine aufgesetzt und goss den Glauchauern reinen Wein ein. "Die Lage ist schon bedenklich", sagte der Sachverständige. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Leipziger Planungsbüros HJW und seit geraumer Zeit mit dem Bismarckturm in Glauchau befasst. Und das, was er am Donnerstagabend den Stadträten sagte, hat gesessen. Denn die Schäden am Bauwerk sind weit größer als bislang gedacht. Das Wahrzeichen der Stadt Glauchau ist nur mit erheblich mehr Aufwand zu retten. Konkrete Kosten nannten weder er noch die Verantwortlichen im Rathaus öffentlich.

Damit steht die Stadt vor einem, Dilemma. Bislang sind für die Sanierung im ersten Bauabschnitt um die 230.000 Euro eingeplant. Damit sollten das Gerüst gestellt, die Brüstung der Aussichtsplattform instand gesetzt und in der Rotunde die Betondecke saniert werden. Der Betrag reicht schon jetzt nicht mehr, denn die Stadt muss für das Gerüst zu den bislang 68.000 Euro weitere 24.500 Euro drauflegen, sagte Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos). Und das hat mit der neuen Situation zu tun. Bei den Untersuchungen ist festgestellt worden, dass es mit der Reparatur der Brüstung nicht getan ist, sondern die vier kleinen Ecktürme der Aussichtsplattform müssen laut Sachverständigem komplett weg und neu aufgemauert werden. Deshalb gab es Mehrarbeiten am Gerüst.

Doch das ist längst nicht alles. Das Drama am Turm geht weiter. "Wir haben an der Fassade jeden einzelnen Verblendstein untersucht und festgesellt, dass etwa 90 Steine extrem locker sind und ausgetauscht werden müssen", sagt Udo Böttiger. Dabei handelt es sich genau um die Stellen, an denen während der Baus der Turms 1910 das damalige Gerüst im Mauerwerk verankert war. Die 90 Verblendsteine seien derart locker, dass sie jederzeit herausfallen könnten. So kommt zu den geplanten Arbeiten an der Aussichtsplattform und in der Rotunde der Austausch der 90 lockeren Steine hinzu.

Es gibt aber noch ein drittes riesiges Problem, nämlich die Fugen an der gesamten Fassade. Es handelt sich dabei um insgesamt 5,2 Kilometer. An vielen Stellen sind laut Böttiger die Fugen gar nicht mehr vorhanden oder brüchig. Die festen Verbindungen zwischen Fugen, Verblendsteinen und Mauerziegeln seien häufig nicht mehr vorhanden. Feuchtigkeit dringe ein und setze dem Mauerwerk erheblich zu. Eigentlich müssten sämtliche Fugen erneuert werden, dann könnte man den Prozess für etwa 40 Jahre aufhalten. "Aber, das Budget ist derzeit begrenzt", sagt Böttiger.

CDU-Stadtrat und Kreishandwerksmeister Lothar Winter spricht sich für die Komplettvariante aus. Der Turm müsse dringend saniert werden. "Wenn wir es jetzt machen, sollten wir es richtig tun. Das Geld müssen wir sowieso ausgeben."

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