Bewährungsstrafe nach Gewalt gegen Freundin

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Schläge gehören bei einem Paar aus Glauchau zum Alltag. Jetzt landete der Fall häuslicher Gewalt vor Gericht.

Glauchau.

Die Fotos von den Würgemalen am Hals der 30-jährigen Frau aus Glauchau belegen, was Staatsanwalt Martin Bierlein dem 39-jährigen Angeklagten vorwirft. Es stimmt mit dem überein, was das Opfer im September bei der Polizei protokollieren ließ. An dem Abend des 25. September soll der Angeklagte die Frau in ihrer Wohnung mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Damit sie die Polizei nicht rufen kann, habe er außerdem die Telefonleitung abgerissen, sie der Frau um den Hals gelegt und zugezogen - daher die Würgemale.

Dass blaue Flecken in der Beziehung Alltag waren, bemerkten auch die Nachbarn und rieten ihr dringend zur Anzeige. Eigentlich waren beide seit zwei Jahren ein Paar, wohnten allerdings nicht zusammen. Prügel wie an besagtem Abend hatte das Opfer nicht zum ersten Mal bezogen. Anzeigen bei der Polizei zog sie allerdings immer wieder zurück. Der Angeklagte schien das inzwischen für ganz normal zu halten. Bei dem Fall im September ließ sich die Polizei nicht wieder darauf ein. Immerhin: 14 Vorstrafen hat der Angeklagte bereits in seinem Bundeszentralregister angehäuft, davon mehrere Haftstrafen, einige auch abgesessen. Die längste waren vier Jahre wegen Körperverletzung.

Das Motiv der Gewalttätigkeiten gegen die Freundin? "Wenn er zuviel Alkohol trinkt, rastet er aus", sagt das Opfer. Gemeinsam tranken sie fast täglich 10 bis 15 Flaschen Bier - wohl bemerkt jeder von beiden. Das war am Tattag nicht anders. Eigentlich wollte sie den "Freund" nicht mehr in die Wohnung lassen. Er habe ihr aber den Schlüssel entrissen und sich Zutritt verschafft. Warum sich die Frau immer wieder auf den Mann einlässt, wollte Richter Weber wissen. "Irgendwie zieht es mich immer zu schrägen Typen hin", räumte die Zeugin ein. Dann überrascht sie auch noch mit der Aussage: "Eigentlich will ich gar nicht, dass er bestraft wird." Der Staatsanwalt traute seinen Ohren kaum, als sie hinsichtlich der regelmäßigen Prügelattacken ergänzte: "So schlimm finde ich das gar nicht. Man gewöhnt sich dran." Richter Weber: "Hatten Sie denn keine Todesangst?" Das wisse sie nicht mehr. Als sie am Boden liegend wieder zu sich kam, habe sie die Würgemale am Hals entdeckt und sich das nur mit dem Telefonkabel erklären können. Das Opfer ist seit zwei Monaten trocken. Dass auch der Angeklagte Alkoholiker ist, will er nicht wahrhaben. Die Schläge räumte er ein, Schuld daran sei aber die Zeugin.

Richter Weber hielt eine dreimonatige Haftstrafe für angemessen. Die ist für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. "Die Strafe soll Ihnen wieder einmal bewusst machen, dass noch viel mehr passieren kann. So wie Sie unter Alkohol ausrasten, kann irgendwann auch einmal das Schlimmste geschehen."Außerdem muss der Angeklagte eine Suchtberatungsstelle aufsuchen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    08393
    12.02.2021

    Urteil wo einem die Worte fehlen.

    Unabhängig davon, ob die Partnerin das schlimm findet oder nicht. Auch ob er Alkoholiker ist oder nicht...

    Der Mensch gehört in ein Gefängnis und nicht auf Bewährung! Der ist eine Gefahr für die Menschheit wenn er ständig ausrastet. Dann noch in der Begründung des Richter " ihm soll Bewusst werden, dass auch Schlimmeres passieren kann"!
    Muss es denn erst soweit kommen?

    Wenn ich jemand ein Telefonkabel um den Hals lege und zuziehen, ist das eine versuchte Tötung! Nicht mehr und nicht weniger. Und dafür 3 Monate auf Bewährung? Herzlichen Glückwunsch deute Rechtssprechung!