Bildung: Stiftung hilft Meeraner Stadtteil

Das Ziel der Akteure ist klar: Gleiche Chancen für Kinder und Jugendliche in der Schule. Sollte das Programm "Ein Quadratkilometer Bildung" 2020 starten, könnten so jährlich 50.000 Euro fließen.

Meerane.

Wird die Schule von den Eltern als Partnerin wahrgenommen? Gehen Mutter und Vater zu Elternabenden, die sie speziell betreffen? Helfen die Eltern bei den Hausaufgaben oder ist das Kind sich selbst überlassen? Wie viele Jahre haben Mädchen und Jungen vor der Grundschule den Kindergarten besucht? Gibt es zusätzliche kostenfreie und leicht zugängliche Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und deren Eltern? Mit diesen und ähnlichen Fragen setzt sich das von der Freudenberg-Stiftung im Meeraner Stadtteil Oststraße/Remser Weg geförderte Programm "Ein Quadratkilometer Bildung" auseinander. Der Meeraner Stadtrat hat das Vorhaben bereits mit einem Grundsatzbeschluss bestätigt.

Wie die Sozialarbeiterin Jasmin Wellner erklärt, sollen mithilfe des Projekts auch für Kinder und Jugendliche in "sozial benachteiligten Stadtteilen" umfassende Bildungschancen geschaffen werden. Aus ihrer Arbeit weiß die 34-Jährige gut, dass es Eltern gibt, die "ihre Kinder aufgrund ihrer Lebenslage nicht in dem Maße unterstützen, wie es nötig wäre". Und genau hier will das Projekt, das ab Schuljahr 2020/21 starten soll und für einen Zeitraum von zehn Jahren angelegt ist, ansetzen. Wie das praktisch umgesetzt werden soll, dazu wollen sich Wellner zufolge alle Beteiligten während eines Workshops am 26. Juni verständigen. Ziel sei ein Fahrplan für die nächsten zehn Jahre. Neben der Stadtverwaltung sitzen Vertreter der staatlichen Schulen, des Pflegeheims "Kursana Domizil - Haus Ost", der beiden Großvermieter und des Jugendcafés mit im Boot. Hierfür sammelt gerade die Stadtverwaltung die erforderlichen Daten wie beispielsweise Anzahl der Haushalte mit und ohne Kinder. Ebenso fließen Infos der Agentur für Arbeit und des Jugendamtes ein, so die Sozialarbeiterin. "Letztlich aber spiele Elternarbeit eine große Rolle", betont die Expertin. So sei in dem Zusammenhang bereits die Idee, ein Elterntreff oder Elterncafé in dem mehr als 1350 Einwohner zählenden Stadtteil einzurichten, diskutiert worden.


Damit könnte sich auch Marko Würker, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft, anfreunden. "Wir unterstützen alles, das das Leben in dem Wohngebiet verbessert", sagt Würker. Daran ist auch Annette Pohle, Chefin der in dem Wohngebiet befindlichen Lindenschule gelegen. "Noch wichtiger ist mir, dass wirklich etwas für die Grundschüler herausspringt", sagt Pohle. Es müsse klar dargelegt werden, wie die personelle Untersetzung und Finanzierung erfolgen. Letzteres soll bis zum Start des Projektes im nächsten Jahr feststehen, versprach Pia Gerber, Geschäftsführerin der im baden-württembergischen Weinheim an der Bergstraße ansässigen Freudenberg-Stiftung. So würden Kleinstädte mit jährlich etwa 50.000 Euro bezuschusst. Vorausgesetzt, es klinken sich auch Stadt und Freistaat ein. "Größere Stadtteile wie Berlin-Neukölln erhalten jährlich mehr, etwa 120.000 Euro", sagt Gerber, die auf Meerane im Zusammenhang mit der Auszeichnung des dortigen Helferkreises aufmerksam wurde. "In Meerane ist so viel Energie, die Leute wollen etwas bewegen."


Stärke der Zivilgesellschaft steht im Vordergrund - Förderprojekt gibt es bundesweit bereits in elf Stadtteilen

Die Freudenberg-Stiftung wurde 1984 von der Firma Freudenberg & Co. KG als unabhängige zivilgesellschaftliche Organisation für Bildung und friedliches Zusammenleben gegründet. "Wir bauen auf die Stärke der Zivilgesellschaft. Wir glauben daran, dass sie die Welt zu einem demokratischeren Ort für alle machen kann, ohne dass Gruppen ausgrenzt werden. Die Freudenberg-Stiftung unterstützt gemeinnützige Organisationen, die das Potenzial haben, langfristig sozialen Zusammenhalt und demokratische Kultur voranzubringen", heißt es auf der Internetseite.

"Kein Kind, kein Jugendlicher geht verloren", lautet das Leitziel des Projekts "Ein Quadratkilometer Bildung". Es entsteht in ausgewählten Stadtteilen und Kommunen, die unter besonderem sozialen Druck stehen, in denen Bildungschancen ungleich verteilt sind. An jedem Ort entwickelt das Team der Pädagogischen Werkstatt mit Akteuren und Eltern Praxislösungen. Bisher gibt's das Projekt in Berlin-Moabit, Berlin-Neukölln, Bernsdorf, Brandenburg an der Havel, Dortmund, Fürstenwalde, Herten, Hoyerswerda, Mannheim, Neubrandenburg und Wuppertal. (jwa)


Kommentar: Richtig und notwendig

Eltern und Schule - ich denke, darüber kann jeder etwas erzählen. Fakt ist, es gibt Kinder, die in ihre Grundschulzeit nicht mit den Voraussetzungen starten, die sie benötigen, um die Grundschule erfolgreich zu absolvieren. Grund: Eltern können ihre Kinder aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in dem Maße unterstützen, wie es nötig wäre. Lernschwierigkeiten beim Lesen, Rechnen und Schreiben sind die Folge. Die Chancen, in dem von der Stiftung für das Programm "Ein Quadratkilometer Bildung" ausgewählten Meeraner Stadtteil tatsächlich etwas zu verbessern, stehen nicht schlecht. Daran glaubt nicht nur die Sozialarbeiterin Jasmin Wellner, die das Projekt für richtig, wichtig und notwendig hält. Gleichwohl wird eine Frage für den Erfolg des Projekts von Bedeutung sein: Wie gelingt es den Akteuren, die Eltern ins Boot zu holen?

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