Bürgerverein erinnert in Schule an Persönlichkeit der Region

Die neue Gedenktafel in Gesau hält das Wirken des Politikers Wilhelm Stolle wach. Die Heimatfreunde wollen zudem junge Leute für Geschichte begeistern.

Gesau/Glauchau.

Für die Mitglieder des "Bürgervereins für Gesau, Höckendorf und Schönbörnchen" ist der Name Wilhelm Stolle eng mit der Region verbunden. Und das soll auch so bleiben. "In den Köpfen der hier lebenden Menschen", fügt Vereinsmitglied Rolf Littmann an, der deshalb jüngst zusammen mit Ortsvorsteher Jörg Billing in der ehemaligen Wilhelm-Stolle-Schule in Gesau eine Gedenktafel angebracht hat. In dem Haus herrscht seit dem Frühjahr wieder Leben: Weil die Grundschule in der Sachsenallee saniert wird, sind die Jungen und Mädchen vorübergehend nach Gesau umgezogen.

Letzteres sei zu einem großen Teil Auslöser gewesen, diese Aktion umzusetzen. "Der Ortschaftsrat von Gesau, Höckendorf und Schönbörnchen hatte überlegt, wie das Andenken an Wilhelm Stollen wachgehalten werden kann", erinnert sich Littmann. So sei relativ rasch die Idee aufgekommen, eine Erinnerungstafel in der ehemaligen Schule anzubringen, wo derzeit wieder auf bestimmte Zeit unterrichtet wird. "So gerät der ehemalige Name der Schule bei den Kindern nicht in Vergessenheit", ist der 73-jährige Senior überzeugt. Das sieht seine Ehefrau Annelore ähnlich, die in den vergangenen Jahren nicht nur zu Stolle viel recherchiert hat. Auch zur Historie der Ortschaften Gesau, Höckendorf und Schönbörnchen hat die 72-Jährige zusammen mit anderen fleißigen Hobby-Chronisten viel aufgearbeitet. Daraus resultiert eine Schriftreihe, die auf große Resonanz stößt.

Der Bürgerverein kümmert sich neben dem Grab von Stolle auch um den Gesauer Wasserturm und das Radfahrerdenkmal. Als damals die Schule in Gesau geschlossen wurde, übernahm der Verein die Turnhalle in Eigenregie, brachte sie auf Vordermann. "Der Wunsch nach einer sinnvollen Nachnutzung für die Schule ist groß", so Rolf Littmann.

1. Advent am Wasserturm in Gesau: Laut Bürgerverein kann von 14 bis 19 Uhr der Turm kostenlos bestiegen werden. Es gibt Ausstellungen, 15 Uhr tritt Richard-Röber-Chor auf.


Ein Mensch und Politiker, der die Ortsgeschichte prägte

Wilhelm Stolle, 1842 im Crimmitschauer Ortsteil Frankenhausen geboren, engagierte sich ab seinem 18. Lebensjahr in der Arbeiterbewegung, war Mitglied der SDAP und trat 1875 der SPD bei. Seit 1880 bewirtschaftete er den "Schönburger Hof" in Gesau, war Gemeinderatsmitglied, Abgeordneter im Sächsischen Landtag und zwischen 1881 und 1918 Reichstagsmitglied. Während des Ersten Weltkrieges stimmte er gegen die Bewilligung von Kriegskrediten und wurde aus der SPD ausgeschlossen. 1918 verstarb er und wurde auf dem Friedhof in Gesau beerdigt.

In diesem Jahr wurde auf Initiative des Ortschaftsrats für Gesau, Höckendorf und Schönbörnchen eine Festveranstaltung anlässlich des 100. Todestages durchgeführt. In einer Broschüre des Bürgervereins wurde das Wirken von Stolle dargestellt.

Die Schüler der Grundschule pflegten seit 1973 die Grabstätte. 1979 erhielt die Schule den Ehrennamen "Wilhelm-Stolle-Schule". 2002 schloss die Schule, diente bis 2016 als Museum. Da die Sachsenallee-Schule saniert wird, werden deren Schüler vorübergehend in Gesau unterrichtet. (jwa)

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