Das Ei als Kunstwerk

Viele Westsachsen gehen ungewöhnlichen Freizeitbeschäftigungen nach. "Freie Presse" stellt die Liebhabereien in einer Serie vor. Heute: Hannelore Stiebitz' Bastelleidenschaft

Langenchursdorf.

Reichlich zehn Jahre ist es her, da weckte ein Besuch einer Ausstellung mit kunstvoll gestalteten Eiern in Dorfchemnitz die besondere Bastelleidenschaft von Hannelore Stiebitz aus dem Callenberger Ortsteil Langenchursdorf. "Da war ich so fasziniert, das hat mich nicht mehr losgelassen", erinnert sich die 71-Jährige, die wenig später nach nicht allzu teuren Möglichkeiten suchte, Eier zu verzieren.

Plastikeier aus dem Baumarkt sowie Perlen und Leim aus der Bastelabteilung fanden sich wenig später, und dann konnte es auch schon losgehen. Zunächst wurden einfachere Muster gestaltet, doch wie so oft wurde die ganze Sache mit der Zeit aufwendiger und komplizierter. Mit den berühmten Fabergé-Eiern kann und will Hannelore Stiebitz zwar nicht konkurrieren, aber Edelsteinimitate oder Teile von altem Schmuck hat sie dennoch schon auf die Eier gezaubert. "Ich zeichne nichts vor. Es kommt aufs Augenmaß an", erzählt sie. Ab und zu hat sie sich auch schon ein wenig vertan, doch mittlerweile ist genug Erfahrung vorhanden, um aufwendige und oftmals streng symmetrische Muster zu gestalten. Da die Perlen nach dem Aufkleben nicht sofort ganz fest sind, können auch kleine Korrekturen erfolgen. Neben einer ruhigen Hand und guten Augen ist vor allem Geduld gefragt. Denn oftmals sind es viele Hundert Perlen, die auf ein Ei kommen. Ihr persönlicher Rekordhalter ist ein "Orientalisches Ei", das komplett mit blauen und goldenen Perlen bedeckt ist. Etwa 1300 sind es laut Hannelore Stiebitz, die weiterhin vorrangig mit Plastikeiern arbeitet. Denn die gehen nicht so leicht kaputt, und selbst wenn mal eins runterfällt und Perlen davonkullern, können sie wieder angeklebt werden.

Doch auch Eier aus Holz und echte Hühnereier wurden schon verziert, und irgendwann gab es noch größere Ideen. Mit Straußeneiern konnten sie umgesetzt werden - etliche dieser Kunstwerke zieren die Vitrine der Langenchursdorferin, die gelernte Weberin ist, aber vor allem durch ihre Arbeit in der Poststelle im Dorf bekannt wurde. Durch die große Vielfalt an Perlen, die es beispielsweise in Bastelkatalogen gibt, geht Hannelore Stiebitz das Material nicht aus. Eier wurden auch schon mit Spitzenstoff oder getrockneten Blüten verziert. "Da finden sich immer wieder neue Ideen", sagt die kreative Seniorin, die auch Schatullen, Bilderrahmen, Karten oder kleine Wandbilder gestaltet. Viele davon werden verschenkt; Eier fanden regelmäßig auch schon Käufer, die oft verblüfft waren, wenn Hannelore Stiebitz nur wenige Euro für die Kunstwerke haben wollte, obwohl viele Stunden Arbeit in ihnen stecken. "Ich mache das nicht, um Geld damit zu verdienen. Manchmal ist es einfach schön, etwas zu verschenken und dann die funkelnden Kinderaugen zu sehen", betont die Bastlerin. Etwa 1000 Eier hat sie nach eigener Schätzung bereits gestaltet. Davon besitzt Hannelore Stiebitz, die schon mehrfach ausgestellt hat, noch rund 300.


Ausstellung Anfang Oktober

Hannelore Stiebitz zählt auch zu den Machern der Hobbyausstellung, die es 2013 erstmals im Gasthof in Falken gab. Die nächste Ausstellung wird gerade vorbereitet. Sie soll vom 1. bis 3. Oktober in der Turnhalle in Langenchursdorf stattfinden. Dort werden dann rund 20 Hobbykünstler zeigen, was sie in Handarbeit entstehen lassen.

"Es wird sehr vielseitig. Wir zeigen Sachen für das ganze Jahr", sagt Hannelore Stiebitz. Denn während es zunächst Hobbyausstellungen im Frühjahr und im Herbst gab, soll es nun nur noch eine Veranstaltung sein. Bilder, Textiles, Schnitzereien, Stiebitz' kunstvolle Eier und vieles mehr wird ausgestellt.

Anlass für die Ausstellung war, dass Hannelore Stiebitz etliche Leute kennt, die in Sachen Handarbeit aktiv sind. "Die machen richtig gute Sachen, aber haben sich manchmal einfach nicht in die Öffentlichkeit getraut", sagt sie. Deshalb wurde zusammen mit Frank Haupt, der in Callenberg als Organisationstalent bekannt ist, die Idee der Hobbyausstellung entwickelt und binnen kürzester Zeit realisiert. (mpf)

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