"Die Frage ist doch: Wie viel Feuerwehr braucht Glauchau?"

Stadtwehrleiter René Michehl über die aktuelle Lage und künftige Erfordernisse für die Brandschützer

Glauchau.

Ein sperriges Wort, aber dahinter steckt viel Brisanz. In Glauchau ist der Brandschutzbedarfsplan aktualisiert worden. Darin steht, wie es mit der Feuerwehr in der Stadt technisch und personell weiter gehen soll. Stefan Stolp hat mit dem Stadtwehrleiter René Michehl über die Herausforderungen gesprochen. Und da gibt es einige.

Freie Presse: Herr Michehl, der Stadtrat hat den Brandschutzbedarfsplan beschlossen. Was bedeutet das für die Glauchauer?

René Michehl: Dass sie sich auch künftig auf die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr verlassen können. Die Frage ist doch: Wieviel Feuerwehr braucht die Stadt Glauchau?

Und wie lautet die Antwort?

Soviel, um mit der notwendigen Qualität die Gefahren und Risiken in der Stadt Glauchau zu beherrschen. Dabei spielen Bereiche wie Wohn- und Sozialstruktur genauso eine Rolle wie Gewerbe, Industrie und Verkehr. Nicht zu vergessen, die witterungs- und umweltbedingten Risiken. Dies alles ist analysiert und daraus abgeleitet, was die Wehr an Technik und Personal braucht.

Wie ist die Glauchauer Wehr denn derzeit technisch aufgestellt?

Mit der derzeitigen technischen Ausstattung an Einsatzfahrzeugen, Geräten und Aggregaten können zwar die anstehenden Herausforderungen bewältigt werden, aber eine Verjüngung des Fuhrparks ist unumgänglich. Einzelne Fahrzeuge sind älter als 30 Jahre, viele älter als 20 Jahre. Das hat zur Folge, dass der Instandhaltungs- und Reparaturbedarf immer größer wird. Auch macht der technische Fortschritt in der technischen Hilfe und Brandbekämpfung vor der Feuerwehr Glauchau nicht halt. Dies spiegelt sich in geänderten Vorschriften und Normen wider, welche einzuhalten sind.

Wie sieht die Fahrzeugflotte derzeit aus?

Die Stadtteilfeuerwehr Oberstadt ist aufgrund ihrer zentralen Lage und der Größe des Gerätehauses als sogenannte Zugwache mit mindestens einem Löschfahrzeug, einem Tanklöschfahrzeug, einer Drehleiter und einem Führungsfahrzeug ausgestattet. Alle anderen fünf Standorte sind Gruppenwachen mit einem Löschfahrzeug als Erstangreifer. Die meisten Standorte haben noch Zusatzaufgaben mit den dazugehörigen Sonderfahrzeugen.

Geplant ist unter anderem, dass die Standorte in den nächsten Jahren je einen Mannschaftstransportwagen bekommen. Warum ist das notwendig?

Damit soll zum einen sichergestellt werden, dass zusätzlich an der Einsatzstelle benötigte Kameraden mit einem Feuerwehrfahrzeug die Einsatzstelle anfahren können und nicht, wie bisher oft, mit dem Privat-Pkw. Zum anderen müssen im Ausbildungs- und Schulungsdienst mehr Kameraden transportiert werden, als auf den großen Einsatzfahrzeugen Platz haben. Und die Jugendfeuerwehren sollen künftig an allen Standorten ihren Dienst absolvieren.

Womit wir beim Personal wären. Das spielt in den strategischen Überlegungen eine wichtige Rolle. Wie ist die personelle Situation?

Die personelle Aufstellung der Feuerwehr Glauchau kann sich im Vergleich mit anderen Regionen und Städten sehen lassen. Die anstehenden Aufgaben können entsprechend abgearbeitet werden. Es gibt aber einige Probleme.

Welche sind das?

Insbesondere tagsüber an den Arbeitstagen können viele Einsätze nur durch gleichzeitige Alarmierung von mehreren Standorten in der erforderlichen Form bewältigt werden. Hier gilt es weiter daran zu arbeiten, gemeinsam mit der Stadtverwaltung aber auch mit Unternehmen der Stadt. Der demografische Wandel macht auch vor der Feuerwehr nicht halt. Die Altersstruktur zeigt, dass auch die Einsatzkräfte durchschnittlich immer älter werden. Derzeit liegt das Durchschnittsalter in der Feuerwehr Glauchau bereits bei über 40 Jahre.

Wie ist der Ausbildungsstand?

Er entspricht aufgrund der Struktur und Aufgaben den Erfordernissen. Aber auch hier müssen wir Führungs- und Sonderaufgaben mit den entsprechenden Aus- und Fortbildungen an die jüngeren Kameraden weitergeben.

Welche Besonderheiten gab es in den letzten Jahren hinsichtlich der Einsätze?

In der Anzahl und Art der Einsätze sind in den letzten Jahren keine signifikanten Änderungen zu verzeichnen gewesen. Im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel hat sich die Anzahl von Einsätzen in den relevanten Bereichen, wie zum Beispiel Türnotöffnung und Unterstützung des Rettungsdienstes, erhöht. Auch sind aufgrund der Erhöhung des Gewerbeaufkommens im Stadtgebiet zum Teil andere Einsätze zu verzeichnen, etwa das Auslösen von Brandmeldeanlagen oder Gefahrguteinsätze. Nach dem Katastropheneinsatz beim Hochwasser 2013 haben in den letzten Jahren andere Wetterunbilden, vor allem Stürme, zu mehr Einsätzen der Feuerwehr geführt.

Der Brandschutzbedarfsplan hat mehr als 160 Seiten. Wer hat die ganze Arbeit gemacht?

Federführend war es der stellvertretende Stadtwehrleiter Thomas Welter in enger Zusammenarbeit mit dem Wehrleitungsmitglied Stephan Hager. Aktiv unterstützt wurde die Arbeit durch die Stadtverwaltung und die Standortleitungen der Orts- und Stadtteilfeuerwehren. Ende 2017 ist mit der Aktualisierung des Bedarfsplanes begonnen worden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...