Ein Verein kommt nicht zur Ruhe

Nicht nur der Vorsitzende im Meeraner Kunstverein hat gewechselt, auch die Galerieleiterin nimmt demnächst ihren Hut.

Meerane.

Der Meeraner Kunstverein muss sich erneut eine Galerieleiterin suchen. Claudia Peters, die erst im Februar 2018 ihre Tätigkeit aufgenommen hatte, hat zum 31. Oktober gekündigt. Das bestätigte der neue Vorsitzende Hans-Gottfried Hempel, der sein Amt erst vor einer Woche angetreten hat. Die Galerieleiterin trenne sich vom Verein jedoch nicht im Unfrieden, sondern aus privaten Gründen. Sie wolle zu ihrem Partner nach Berlin ziehen, sagte Hempel. Claudia Peters selbst war aus familiären Gründen nicht zu sprechen.

Damit hat der Kunstverein das nächste Personalproblem zu lösen. Derer gab es zuletzt mehrere. Nachdem der vorherige Vorstand um Birgit Salzbrenner im Streit zurückgetreten war und Galerieleiterin Marjana Knoll gekündigt hatte, übernahm ein neuer Vorstand um den Meeraner Unternehmer Thomas Fiek. Die Galerie im Stadtzentrum betreute der Vorstand zeitweilig selbst, bis die ehemalige Opernsängerin Friederike Alb übernahm. Von ihr trennte man sich allerdings schon nach wenigen Monaten zum Jahresende 2017 wieder. Eine offizielle Begründung gab es seinerzeit nicht. Der neue Vorsitzende Hempel sagt inzwischen, Alb sei immer nur als Vertretung eingeplant gewesen. "Sie war als Sängerin immer Einzelkämpferin. Hier musste sie dann mit Leuten klarkommen, und das war recht schwierig", sagt Hempel. Inzwischen würden fünf Bewerbungen auf die ab 1. November freie Stelle vorliegen, darunter welche aus Leipzig und Frankfurt am Main.

Der erst in der vergangenen Woche als Vorsitzender offiziell abgelöste Thomas Fiek sieht das kritisch. Es bestehe die Gefahr, dass Bewerber von außerhalb die Stelle nur als Übergangsstation betrachten würden, sagt er. Fiek (51), der von den anderen Vorstandsmitgliedern gebeten worden war, sein Amt aufzugeben, glaubt an einen Generationenkonflikt im Kunstverein. So seien seine Ideen bei den älteren Vorstandsmitgliedern schlecht angekommen. "Ich hatte wohl zu viele Ideen und wollte zu viel machen", sagt er und nennt Filmabende, Konzerte und Comic-Ausstellungen als Beispiele. "Wahrscheinlich war ich zu aktiv. Es gibt eben Menschen, die haben Angst vor Neuem. Ich habe Ideen. Ich wage etwas." Einfach Bilder an die Wand zu hängen, sei ihm als zu wenig erschienen. Stattdessen habe er den Kunstverein zum Dreh- und Angelpunkt der Kultur in Meerane machen wollen.

Hempel (71) bestreitet nicht, dass ein Generationenkonflikt Auslöser des Streits im Vorstand gewesen sei, weist aber die anderen Vorwürfe zurück. "Im Wesentlichen hatten wir Bedenken, dass sein Führungsstil zu autoritär wurde", sagt Hempel. "Er ist Unternehmer und gewöhnt, Dinge allein zu entscheiden. Wir im Vorstand sind aber gewohnt, im Team zu arbeiten."

Den jüngsten Querelen seien einige Austritte gefolgt. Derzeit zähle der Kunstverein 95 Mitglieder. "Wir haben Streitfälle aus der Vergangenheit. Es gibt Leute, die nicht mehr miteinander reden können", sagt Hempel. Dass der Verein so zerstritten ist, habe er bei seiner Wahl in den Vorstand nicht erwartet.

Fiek ist nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand weiter Vereinsmitglied geblieben. Er habe den Gedanken an einen Austritt verworfen, sagt er. "Weil ich Interesse an der Kunst und der Gemeinschaft habe." Einer Gemeinschaft, die sich längst in mehrere Lager teilt.


Kommentar von Michael Stellner: Alles eine Frage des Stils

Wer den Meeraner Kunstverein seit Jahren kennt, fühlt sich manchmal an einen Handwerker erinnert, der seinen Betrieb zwar an den Sohn übergibt, aber nicht aufhören kann, ihm reinzureden. Haben wir früher alles anders gemacht, mein Kind, und es lief gar nicht schlechter.

Jahrelang schwelte der Konflikt zwischen dem damaligen Vorstand und dem Ehrenvorsitzenden, später äußerten Ex-Vorstandsmitglieder öffentliche Kritik an ihren Nachfolgern, jetzt hat sich der neue Vorstand untereinander zerstritten. Keine Frage, Kritik kann man immer äußern, nur ist die Art und Weise eine Frage des Stils. Man hätte auch dem Vorsitzenden Thomas Fiek einen stilvolleren Abgang ermöglichen können, wenn man das gewollt hätte. Auch der gepflegte Streit kann eine Kunstform sein, nur beherrscht man sie im Meeraner Kunstverein denkbar schlecht.

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