Erinnerungsstücke kommen in die Bronzekapseln

Ein besonderer Moment bei der Dorfkirchen- Sanierung: Kugel und Wetterfahne befinden sich wieder auf dem Dach.

Niederschindmaas.

Architektin Elisabeth Scholz hat gestern Vormittag gemeinsam mit Handwerkern die Turmkugel und die Wetterfahne auf dem Dach der Dorfkirche im Dennheritzer Ortsteil Niederschindmaas in einer Höhe von rund 32 Metern befestigt. Im Anschluss wurde ein Teil des Gerüstes abgebaut.

"Die Kugel wird bestimmt erst in 40 bis 60 Jahren wieder einmal geöffnet", sagte Pfarrer Matthias Franke, der den festlichen Moment gemeinsam mit Bürgermeister Frank Taubert (Freie Wähler) und weiteren Ehrengästen verfolgte.

Zuvor haben Verantwortliche der Kirchgemeinde zahlreiche Erinnerungsstücke in zwei 35 Zentimeter lange Bronzekapseln, die in die Turmkugel gekommen sind, gesteckt. Die erste Kapsel wurde mit aktuellen Dingen gefüllt. Dazu gehörten eine Liste mit den beauftragten Handwerksunternehmen, neun verschiedene Euro-Münzen, eine Broschüre von den Feierlichkeiten "775 Jahre Niederschindmaas" und eine aktuelle Ausgabe der "Freien Presse". In die zweite Kapsel kamen Kopien von historischen Dokumenten. Diese Dinge wurden zu Beginn der Sanierung in der Turmkugel gefunden. "Das älteste Dokument ist ein Schriftstück aus dem Jahr 1872", sagte Kirchenvorstand-Chef Friedbert Weise.

Matthias Franke wirbt auch im Internet-Zeitalter für die Tradition der Turmkugel. "Das ist wichtig für die Nachwelt, die sich dadurch später einen Eindruck von der heutigen Zeit verschaffen kann", sagte er.

Die Sanierungsarbeiten an der Dorfkirche kosten rund 350.000 Euro. Im Frühjahr ging es los. Nach der Montage von Turmkugel und Wetterfahne gibt es in den nächsten Wochen noch Einiges zu tun. Dazu gehören Ausbesserungsarbeiten am Putz und der Einbau von einzelnen Teilen der Kassettendecke. Zudem muss ein Großteil der Dachfläche mit altdeutschem Naturschiefer gedeckt werden. "Die Arbeiten werden bestimmt noch sieben bis acht Wochen dauern", sagt Elisabeth Scholz.

Der Zeitplan hängt dabei auch von der Witterung ab. "Wir brauchen einen trockenen Dezember", sagt Elisabeth Scholz, die in der Vergangenheit in Westsachsen schon verschiedene Turmkugeln von Kirchendächern holen und öffnen durfte.

Die Turmkugel auf Kirchen wird seit Jahrhunderten als besonderer Aufbewahrungsort genutzt. "Dinge, die sich darin befinden, sind vor Diebstahl und normalerweise auch vor Feuer geschützt", sagt sie. Die ältesten Dokumente fand sie bei einem Bauvorhaben in Niederlungwitz. "Das waren Schriftstücke aus dem Ende des 16. Jahrhunderts."

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