Gefängnis: Eine eigene Welt

280 Menschen hatten sich angemeldet, um die Zwickauer Justizvollzugsanstalt zu besuchen. Ein Ort, an dem nicht nur Insassen etwas dazulernen.

Zwickau.

Viele, die noch nie im Zwickauer Gefängnis waren, reagierten mindestens mit Verwunderung auf den Anblick einer Zelle. 7,8 Quadratmeter Fläche stehen den Inhaftierten meistens zur Verfügung. In der Regel teilen sich zwei Männer einen Raum. Das ist alles andere als komfortabel.

Dieses Staunen breitete sich am Samstag über den gesamten Tag der offenen Tür in der Justizvollzugsanstalt am Rande der Zwickauer Innenstadt aus. 280 Menschen hatten sich für die Führungen durchs Haus angemeldet - mehr hätten nicht hinter die dicken Mauern gelassen werden können. Ihnen wurde ein Blick in die Zellen gewährt, aber auch in die Arbeitsräume sowie in den Besuchsbereich. Häftlinge jedoch bekamen die Besucher nicht zu Gesicht: Einige der Inhaftierten zogen für diesen einen Tag um, damit die Gäste Zutritt bekommen.

Insgesamt finden in dem denkmalgeschützten Gebäude 165 Häftlinge Platz. Derzeit sitzen an der Schillerstraße jedoch nur knapp 130Männer ein. Viele von ihnen befinden sich zunächst lediglich in Untersuchungshaft. Das heißt, sie warten noch auf den Abschluss der Ermittlungen oder auf ihren Gerichtsprozess. Seit rund zwei Jahren leben in der Vollzugsanstalt aber auch Straftäter, die bereits von den Amtsgerichten Plauen und Auerbach verurteilt wurden. Für Zwickauer selbst ist in Sachsens kleinster Anstalt kein Platz. Das ändert sich erst, wenn das neue Gefängnis in Marienthal seinen Betrieb aufnimmt. 2024 soll es so weit sein.

Derzeit schätzt Andreas May, Leiter der Einrichtung, den Anteil ausländischer Gefangener auf 30 Prozent, vor fünf Jahren lag der Anteil noch bei rund 13 Prozent. Hauptsächlich sitzen die Männer wegen Drogendelikten, Körperverletzungen, Schwarzfahrens, Diebstahls oder Raubes ein. "Das ist bei deutschen Häftlingen ganz ähnlich", sagt May. Dennoch gab es noch vor wenigen Jahren deutliche Unterschiede. "Mit dem Flüchtlingsstrom hat der Strafvollzug sehr gelitten. Vor allem Gefangene aus Nordafrika waren hochproblematisch, was den Umgang mit den Bediensteten angeht, aber auch Körperverletzungen untereinander." Auch Selbstverletzungen, um Hafterleichterungen zu erzwingen, gab es häufiger. Alles Dinge, mit denen die Bediensteten erst umgehen lernen mussten. Inzwischen gibt es in Sachsen entsprechende Weiterbildungen, die auch fremde Religionen, Kulturen und Mentalitäten umfassen. "Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt", schätzt May ein.

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