Gemälde oder Fotografie - das Spiel mit der Wahrnehmung

Janina Simone Kulcsar zeigt derzeit ihre Werke in Glauchau. Sie mag es, die Betrachter zu überraschen und fortlaufend zu experimentieren.

Glauchau.

Auf den ersten Blick könnte man die Arbeiten von Janina Simone Kulcsar für abstrakte Gemälde halten. "Dass es sich aber um Fotografien handelt, davon war bereits so manch ein Betrachter überrascht", sagt die Künstlerin aus Konstanz (Baden-Württemberg).

Die Fotografie ist für die Fotografin ein Experimentierfeld. Was sich in ihren Arbeiten als ungewöhnlich darstellt, kommt ganz ohne digitale Nachbearbeitung aus. Kulcsar spielt mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, Tiefenschärfen, Lichteinfällen und Kamerabewegungen. "Den Entstehungsprozess überlasse ich dem Zufall", betont die Fotografin. Eine Serie mit dem Titel "Aufruhr" entstand in einem dunklen Kiefernwald - mit punktuellem Lichteinfall. Hier hat Kulcsar die Kamera bewegt und im Nachhinein die Bilder in ihr Negativ verkehrt: Die Lichtspuren sind nun schwarz, die Flächen hell. Daneben experimentiert die 40-Jährige mit unterschiedlichen Materialien wie Milchglas, Seidenpapier und Stoffen, die sie vor die Kameralinse schiebt. In der Serie "In meiner Haut" zeigt sie in Zeitschriften veröffentlichte Models, allerdings auf zerknülltem Papier, sodass sich ihre Schönheit nur erahnen lässt.


Das Ergebnis: Undeutliche und verschleierte Bildstrukturen, die mystisch erscheinen. Als wäre das zu Sehende nicht real. Ihre Motive - oft profaner, alltäglicher Natur -, die ihr bei Spaziergängen begegnen, verweigern sich einer oberflächlichen Betrachtung. Ein verlassener Stuhl, ein Globus und ein Wohnwagen sind so inszeniert, dass sie dem Betrachter eine stille Plattform für Träume und Assoziationen bieten und in fiktive Welten entführen.

Ihre Objekte sind in der Lage, Geschichten auszulösen. "Ich möchte mit normalen Sehgewohnheiten brechen und Assoziationen auslösen", erläutert die Fotokünstlerin. Inmitten der medialen Massenware fordern die Bilderserien von Kulcsar den Betrachter vor allem zum Innehalten auf. Ihre Fotografien bilden allerdings die Welt nicht einfach nur ab, sondern mischen ihr etwas Besonderes bei.

Kulcsar wurde 1978 in Bonn geboren. Sie hat an der Hochschule für Gestaltung und Kunst im hessischen Offenbach Design studiert. Seit ihrem Auslandsstudium in den USA im Jahr 2004 widmet sie sich ganz der Fotografie.

Die Ausstellung "Fotografische Serien" der Fotografin Janina Simone Kulcsar zeigt einen Querschnitt der vergangenen acht Jahren entstandenen Werken. Die Schau kann noch bis zum 22. September in der Galerie "Art Gluchowe" in Glauchau besucht werden.

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