Glauchaus Innenstadt ist wieder um ein Geschäft ärmer

Den traditionellen Schreibwarenladen am Zwinger gibt es nicht mehr. Nur einmal noch öffnen sich die Türen.

Glauchau.

Nach 167 Jahren ist Schluss: Die Buchbinderei Wunderlich samt des Schreibwarengeschäftes am Zwinger in Glauchau gibt es nicht mehr. Die Türen des traditionsreichen Ladens sind seit wenigen Tagen geschlossen. "Ein gut laufendes Geschäft in Glauchau zu betreiben, ist sehr schwierig. Man muss ja auch davon leben können, und das war in den vergangenen Jahren nur schwer möglich", sagt Iris Sander. Die 52-Jährige ist seit rund 25 Jahren die Inhaberin des Schreibwarenladens mit der angegliederten Buchbinderei. Um die hat sich bis vor wenigen Tagen noch ihr Vater, Bernd Wunderlich gekümmert. Besondere Aufträge waren seine Spezialität, wie historische Dokumente mit einem neuen und auch ansprechenden Einband versehen, Doktor- und Diplomarbeiten binden.

Die Buchbinderei am Zwinger war 1850 von Oswin Kasten gegründet worden. 1936 übernahm Wunderlichs Großvater das Geschäft, 24 Jahre später Vater Walter Wunderlich. Jahrzehnte danach stieg Bernd Wunderlich in diesen Bereich ein. Dessen Tochter Iris Sander eröffnete Anfang der 1990-er den Schreibwarenladen. Ihre Eltern sind ihr bis jetzt regelmäßig eine Stütze gewesen. Inzwischen sind beide weit über 70 Jahre alt. "Sie sollen endlich ihr Rentnerdasein genießen und sich nicht täglich ums Geschäft sorgen müssen", sagt Iris Sander. Den Laden allein betreiben, das hätte sie nicht stemmen können. Und eine attraktive Bezahlung eines Mitarbeiters war aufgrund des niedrigen Umsatzes nicht möglich. "Die Entscheidung, mein Geschäft zu schließen, ist mir sehr schwer gefallen. Aber eine andere Lösung gab es, auch aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr", erklärt die Geschäftsfrau. Als die Schließung vor wenigen Wochen die Runde machte, konnte sie sich vor Kundschaft nahezu gar nicht mehr retten. "Hätte ich den Umsatz der vergangenen Wochen in all den Jahren gemacht, wäre die Lage eine ganz andere", sagt Iris Sander. Die Leute hätten gekauft wie nie und vielen seien zudem mit Präsenten und Blumen in den Laden am Rande der Innenstadt gekommen. "Das war Wahnsinn", zeigt sich Iris Sander noch immer beeindruckt.


Und: Sie hat ihr Schreibwarengeschäft sowohl mit einem lachenden als auch mit einem weinenden Auge aufgegeben. Denn während diese Tür zuging, tat sich in der Zwischenzeit eine andere auf. Ein Glauchauer Büroausstatter bot ihr eine Stelle als Fachberaterin an. "Da musste ich nicht lange überlegen", gibt Iris Sander zu. Und Ute Schenker, ihre neue Chefin, ist froh, jemanden wie Iris Sander gefunden zu haben. "Sie ist fachlich kompetent. Wir kennen uns seit Jahren und haben uns auch bei einigen Gelegenheiten unterstützt", so Ute Schenker. Eine gemeinsame Aktion der beiden Frauen ist für den 19. Mai geplant. Da werden sich die Türen des Schreibwarenladens Wunderlich am Zwinger 15 noch einmal öffnen - zur Händleraktion "Sekt in the City".

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