Glauchaus Schlossvorplatz: Fluch, Segen oder beides?

Für 800.000 Euro hat sich die Stadt das umstrittene Areal vor dem malerischen Schloss geleistet. Doch nur mit Mühe kann sie die Fläche auch in Ordnung halten.

Glauchau.

Zuerst haben es die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes mit heißem Wasser probiert, später mussten sie dann buchstäblich Hand anlegen, um aus den Fugenritzen des neuen Schlossvorplatzes in Glauchau das Unkraut zu kratzen, den Kehricht zusammenzufegen und zu entsorgen. Am Freitag haben Mitarbeiter einer Grünpflegefirma die 34 Pflanzkübel gesäubert.

Der 800.000 Euro teure Schlossvorplatz, den die Stadt letztes Jahr bauen ließ, erfordert erheblichen Pflegeaufwand. Und am Zustand hat es jede Menge Kritik gegeben - selbst auf kommunalpolitischer Ebene, nämlich im Stadtrat. Andreas Weber (Freie Wähler) und Ralph Engler (SPD) fragten angesichts der zugewachsenen "Ritzen" auf dem Areal, ob der Bauhof überlastet sei. Und Felix Weise sagte, dass er selbst Hand anlegen musste, als er mit seiner Veranstaltungsfirma einen Hochzeitsempfang auf dem Schlossvorplatz ausrichtete. "Das sah dort nicht gerade einladend aus", sagte Weise. Auch die Pflanzen in den Kübeln seien vertrocknet gewesen.

Der Schlossvorplatz ist im Grunde genommen Fluch und Segen zugleich. Segen, weil damit eine ebene Fläche für die Eisbahn im Winter geschaffen wurde. Fluch, weil er in puncto Aussehen und Kosten unter den Glauchauern umstritten ist.

Heike Joppe, stellvertretende Fachbereichsleiterin für Planen und Bauen, sagte, dass die Fugen nötig seien, um Wasser durchsickern zu lassen. Mit der Zeit sei dort Samen zum Liegen gekommen, der schließlich angewachsen sei. Oberbürgermeister Peter Dresler hat den Stadträten recht gegeben: Ja, der Bauhof habe derzeit personelle Probleme. Im Sommer hätten elf Leute wegen Krankheit oder Urlaub gefehlt. Das wirke sich, angesichts der Fülle der Aufgaben, die der Bauhof zu bewältigen hat, auf den Zustand der Grünanlagen und öffentlichen Flächen aus. Auf den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln verzichte die Stadt.

In der Stadt Glauchau wurden nach Angaben aus dem Rathaus im Jahr 2017 noch etwa 1000 Liter Glyphosat angewandt, allerdings nur auf genehmigten, unbefestigten Flächen und durch ausgebildete Mitarbeiter. Im Jahr 2018 kamen bis Monat Mai etwa 140 Liter zum Einsatz. Seit dem 15. Mai 2018 aber wird durch den Baubetriebshof kein Pflanzenschutzmittel mehr ausgebracht.


Späte Diskussion

Die öffentliche Debatte um den Schlossvorplatz begann erst, nachdem alles schon beschlossen war. Anfang 2018 wuchs die öffentliche Kritik an dem Vorhaben, als bekannt wurde, wie der Platz aussehen soll. Dabei haben sich Stadt und Stadträte schon weitaus länger damit beschäftigt. Von Ende Oktober 2015 bis zum 26. Oktober 2017 habender Stadtrat und der technische Ausschuss insgesamt 24-mal das Thema behandelt - nur in drei Fällen davon öffentlich. Das war am 22. Juni 2017, am 10. Oktober und am 26. Oktober, als der Stadtrat in öffentlicher Sitzung das Bauprogramm mehrheitlich beschloss. (sto)

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