Ideen aus Papier und Pappe werden mit Preis belohnt

Zum ersten Mal ist der Westsächsische Verpackungspreis vergeben worden. Schüler aus fünf Schulen brachten ihre Ideen ein. Den Wettbewerb hat eine Wüstenbrander Firma ausgeschrieben - nicht ganz uneigennützig.

Meerane/Gersdorf.

Fiona Zöllner zeigt eine silberne Schachtel in der Form eines geschliffenen Diamanten. Hinter dem dekorativen Design verbirgt sich ein Rasier-Set. "Es sollte schick aussehen und nachgenutzt werden können", erklärt sie. Die 13-jährige Oberlungwitzerin ist Schülerin der Klasse 8a der Pestalozzi-Oberschule in Oberlungwitz. Ihre 14-jährige Klassenkameradin Josephine Kirste hat eine sechseckige Schachtel für Malfarben entworfen und Annalena Matthes eine hohe, viereckige Schachtel, die sich beim Abnehmen des Deckels entfaltet.

Die 19 Schüler der 8a haben sich mit ihren Design-Ideen am Wettbewerb um den 1. Westsächsischen Verpackungspreis für Schulen beteiligt und den dritten Platz sowie 125Euro abgesahnt. Sieger wurde die Klasse 9 der Internationalen Oberschule in Meerane, die damit ihre Klassenkasse um 500 Euro aufgebessert hat. Den zweiten Platz und 250 Euro sicherte sich die Klasse 8a der Evangelischen Oberschule in Gersdorf. 250 Euro gab es für ihr Sparschwein.


Hinter dem Wettbewerb steht eine pfiffige Idee. "Man kann als Unternehmer händeringend auf Bewerber für Ausbildungsplätze warten - oder in die Offensive gehen", sagt Ulli Mugler, Geschäftsführer der Mugler Masterpack in Wüstenbrand. Er hat sich fürs Agieren entschieden und dem Fachkräftemangel den Kampf angesagt. Seine Firma hat 260 Mitarbeiter, davon 150 am Wüstenbrander Standort. Die Firma entwirft und produziert Verpackungen für viele verschiedene Produkte. Aufträge kommen aus der gesamten Republik, sogar aus Frankreich. "Verpackungen aus Papier und Pappe sind eine Wachstumsbranche", sagt Mugler. "Aber es wird immer schwerer, guten Nachwuchs zu finden", sagt der 38-Jährige. Er suchte einen neuen Weg zur Nachwuchsgewinnung, lobte den Wettbewerb aus und schrieb 50 Schulen an. 20 reagierten, am Ende beteiligten sich acht Klassen aus fünf Schulen. Nach einem Rundgang durch den Betrieb in Wüstenbrand bekamen die Schüler einen Karton mit Alltagsprodukten der Mugler-Geschäftspartner und verschiedenen Karton- und Papiersorten. Die Aufgabe: Eine Verpackung entwerfen für ein Rasier-Set, Unterwäsche von Bruno Banani, Räucherkerzen, Industriefilter, Malfarben oder Duschgel. Die Schüler konnten es sich aussuchen.

Christian Barsch von der Gersdorfer 8a und seine Mitstreiter entwarfen ein großzügige Luxusverpackung für die Pflegedusche "Dresdner Essenz", das Team von Ophelia Wirth gab ihr eine platzsparende Schachtel in Tubenform mit Sichtfenster. Die Unterwäsche von Bruno Banani ließen Til Brandt und Co. in einer schicke Kuvert-Schachtel verschwinden. Fabian Dörfler fand die Räucherkerzen am besten in einer Schachtel im Räucherhaus-Design optisch wirkungsvoll aufgehoben.

Was die Schüler produzierten, bewertete ein Fachjury nach sechs Kriterien mit Punkten. Lehrer René Hoppe, der das Projekt der Gersdorfer betreute, hat den pädagogischen Effekt auf Anhieb erkannt. "Sie entwickeln dabei Kreativität und lernen, was Funktionalität bedeutet", sagt er. Alle erkannten, wie viel Mühe in einer Verpackung steckt, die am Ende oft achtlos weggeworfen wird. "Ich hoffe, dass der eine oder andre ein Schülerpraktikum bei uns absolviert oder sich sogar für eine Lehre als Medientechnologe Druck, Verpackungsmittelmechaniker oder Mediengestalter im Unternehmen entscheidet", erklärt Ulli Mugler. Das sieht Stine Kazzer, Chefin der Internationalen Oberschule in Meerane, ähnlich. "Ich denke, die junge Leute nehmen das Angebot, in der Firma Schülerpraktika zu absolvieren oder während der Ferien zu arbeiten, gern an", sagt Kazzer, die natürlich stolz auf den Sieg ihrer Schützlinge ist. Der Erfolg der Gymnasiasten bei dem Wettbewerb sei aber auch ein Ergebnis des Praxisorientieren Unterrichts (PU), in der sich Schüler ab Klasse 5 zwei Stunden wöchentlich mit "technischen und handwerklichen Dingen des Alltags" beschäftigen. PU-Lehrer Holger Dörr hatte die Kinder bei dem Projekt betreut. (mit jwa)

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