Immer mehr Schrebergärten warten auf einen neuen Pächter

Der Regionalverband beklagt einen Schwund der Kleingärtner. In der Region stehen derzeit 1055 von 6944 Parzellen leer.

Meerane.

Die Kleingartenanlage "Obst- und Gartenbau" in Meerane stemmt sich bisher gegen einen Anstieg des Leerstandes - vor allem durch einen Standortvorteil. Sie befindet sich in zentraler Lage unmittelbar neben dem Wilhelm-Wunderlich-Park. "Durch die gut besuchte Gaststätte, die sich mitten in der Kleingartenanlage befindet, kommen viele Leute vorbei. Bei dem einen oder anderen konnte dadurch das Interesse an einem Kleingarten geweckt werden", sagt Vorstandsmitglied Andreas Wolf. Er berichtet, dass man seit August 2017 für vier Parzellen neue Nutzer finden konnten. In der Kleingartenanlage sind momentan sieben von 95 Gärten nicht verpachtet. Das entspricht einem Leerstand von 7,4 Prozent.

Damit steht die Kleingartenanlage in Meerane im Vergleich zur Gesamtsituation im Regionalverband Werdau/Glauchau der Gartenfreunde noch relativ gut da. Der Verband kümmert sich um 171 Kleingartenanlagen - zwischen dem Limbach-Oberfrohnaer Ortsteil Wolkenburg im Norden und Fraureuth im Süden. Zu Beginn des Jahres standen 1055 von 6944 Kleingärten leer - das sind 15,2 Prozent. "Die Altersstruktur macht uns zu schaffen. Uns fehlt quasi eine Generation an Kleingärtnern, weil nach der Wende viele Menschen die Region verlassen haben", sagt Regionalverband-Geschäftsführer Uwe Jakobeit. Mancherorts wurden bereits Flächen, die bisher von den Laubenpiepern genutzt worden sind, an die Städte zurückgegeben. Zum Vergleich: 2010 wurden noch in mehr als 7000 Parzellen das Obst und Gemüse geerntet.

Allerdings: Die Situation in den Kleingartenanlagen kann nicht über einen Kamm geschoren werden. Immerhin 31 Vereine melden gar keinen Leerstand. "Da handelt es sich vor allem um die kleinen und mittleren Anlagen", sagt Jakobeit. In größeren Kleingartenanlagen sind dagegen etliche Parzellen verwaist: In der Kleingartenanlage "Auf der Höhe" in Werdau stehen 22 von 87 Parzellen leer, in der Kleingartenanlage "Heimaterde" in Crimmitschau waren es 40 von 145. In der Kleingartenanlage "Adlerwiese" in Glauchau steht mittlerweile fast jede dritte von den 260 Parzellen leer. Das stellt die Vereine vor riesige Herausforderungen. "Sie haben einen erhöhten Pflegeaufwand und weniger Pachteinnahmen", sagt Uwe Jakobeit und verweist noch auf einen zusätzlichen Aspekt: "Wir müssen uns nichts vormachen: Viele leer stehende Gärten schrecken neue Interessenten auch ab."

Wie kann - vor allem bei jüngeren Leuten - die Lust am Gärtnern geweckt werden? In einigen Kleingartenanlagen - wie zum Beispiel im "Obst- und Gartenbau" - gibt es die Möglichkeit in Schnuppergärten für einen befristeten Zeitraum das Hobby auszuprobieren. "Wir müssen den Erholungsfaktor und die Vorzüge von frischem Obst- und Gemüse, was garantiert unbehandelt ist, in den Vordergrund rücken", sagt Uwe Jakobeit. Er berichtet, dass es oftmals zu Kettenreaktionen kommt. "Dort, wo jüngere Leute einmal Fuß gefasst haben, klopfen weitere an die Tür", sagt der Geschäftsführer.

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