Ist die Palla für Glauchau eine Nummer zu groß?

Die Stadträte wollen an das Thema nicht richtig heran. Doch sie kommen nicht umhin, sich mit der Industriebrache weiter zu beschäftigen.

Glauchau.

Andreas Salzwedel hat offenbar resigniert. "Das Wahlergebnis hat es gezeigt, wir sind eine abgehängte Region im ländlichen Raum", sagte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Glauchauer Stadtrat im Zuge des Debatte um die Zukunft der Palla-Brache. Seit 20 Jahre sitze er im Stadtrat, ebenso lange beschäftige sich das Gremium mit der Palla. Viele Ideen und Vorschläge habe es gegeben, aber es sei niemand genannt worden, der als Investor infrage kommt.

Doch ist die Palla für Glauchau wirklich eine Nummer zu groß, wie es nach der Diskussion im Petitionsausschuss scheint? Der Ausschus , dem auch Andreas Salzwedel angehört, hat in seiner Sitzung am Mittwochabend einstimmig abgelehnt, dass der Stadtrat einen Palla-Abrissbeschluss aus dem Jahr 2012 aufhebt. Dafür hatten sich mit der Petition 1400 Unterzeichner ausgesprochen. Das bedeutet, dass der Abriss der denkmalgeschützten Industriebrache weiter droht. Voraussetzung ist nach jetzigem Stand der Dinge allerdings, dass die Stadt ihren Fördermittelantrag, den sie im Mai gestellt hat, auch bewilligt bekommt. Das wiederum setzt voraus, dass die Denkmalbehörde den Abriss überhaupt genehmigt. So jedenfalls schilderte Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) es während der Sitzung des Petitionsausschuss. Das Thema komme ohnehin noch einmal auf den Tisch der Stadträte.

Für die Initiatoren der Petition, das sind der Glauchauer Denkmalverein und die Initiative "Industriekultur Ost", ist die Palla für Glauchau nicht zu groß. "Wir können uns eine multifunktionale Nutzung des Komplexes vorstellen", sagte Monika Hanns, Vorsitzende des Denkmalvereins. Potenziale seien durchaus vorhanden. Sie sprach von Wohnungen, Büros, von Kultur und sozialen Einrichtungen. Seitens der Stadt, Eigentümerin der Palla, gebe es aber keinen Plan, wie man mit den Komplex umgehen will. "Statt eine Vortrag darüber zu hören, wie teuer ein Komplettumbau in Wohnungen ist, hätte ich mir gewünscht, dass die Stadt verschiedene Nutzungsmöglichkeiten den Mitgliedern des Petitionsausschusses aufzählt, die aus ihrer Sicht möglich sind", sagte Hanns zur "Freien Presse". Und weiter: "Wenn man etwas nicht will, redet man negativ."

Enttäuscht über die Diskussion im Petitionsausschuss zeigte sich auch Künstler Frithjof Hermann. "Ich habe den Eindruck, dass den Stadträten an der Attraktivität von Glauchau nicht viel liegt", sagte er. Hermann habe schon mehrfach vorgeschlagen, Teile des Komplexes für die Aufbewahrung von Künstlernachlässen zu nutzen. Ein Abriss der Palla würde das Ortsbild am Scherberg verschandeln.

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