Kinder bewirtschaften Kleingarten

Das gibt es in Westsachsen nicht oft: In Fraureuth arbeiten eine Gartensparte und eine örtliche Kita bei einem Projekt Hand in Hand. Mit Erfolg.

Fraureuth.

Wann dürfen die Tomaten im Gewächshaus geerntet werden? "Wenn sie richtig schön rot sind", weiß die fünfjährige Clara. Stolz pflückt die Kleine zwei Früchte ab und legt sie behutsam in einen Eimer. Ein paar Meter weiter kontrolliert Jasmin, ebenfalls fünf Jahre alt, den Reifegrad der Erdbeeren, bevor sie mit einer Kanne vorsichtig die Pflanzen gießt.

Die beiden Mädchen aus der Kindertagesstätte "Regenbogen" in Fraureuth gehören zu einem Team, das eine Parzelle im Kleingartenverein "Erholung" bewirtschaftet. Einmal in der Woche begeben sich bis zu 15 Mädchen und Jungen aus der großen Gruppe gemeinsam mit der Leiterin der Einrichtung, Elke Ansorge, auf den Weg in den Kleingartenverein und kümmern sich zwei Stunden lang um ihre Parzelle. Die Früchte und das Gemüse, das die Kinder ernten, werden gemeinsam mit den anderen Mädchen und Jungen in der Kita verspeist. "Die Erträge kommen in der Obstpause oder zum Frühstück auf den Tisch", sagt Elke Ansorge. Das Projekt von Kita und dem Kleingartenverein wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen. "Die Idee dazu hatte Angela Wenig, die sich damals bei uns innerhalb ihres Bundesfreiwilligendienstes um leerstehende Parzellen kümmerte und inzwischen Hauptkassiererin bei uns im Verein ist. Wir haben 2015 einen nicht vermieteten Garten an die Kita übergeben und gemeinsam das Projekt ,Wo kommen die Erdbeeren her' gegründet", sagt der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Bernd Kretzschmar.

Er hob die Aktion dieses Jahr auf eine neue Stufe. Der Verein bewarb sich Anfang des Jahres an einer Aktion der Firma Substral, einem der führenden Hersteller von Pflanzen-, Blumen- und Rasendünger. Das Unternehmen suchte bundesweit 15 Kindergruppen, die sich beim Gärtner ausprobieren wollten. Bernd Kretzschmar hatte Glück. "Wir sind der einzige Vertreter in den östlichen Bundesländern, der ausgewählt wurde." Substral stellte Samen, Dünger und Erde zur Verfügung. Bis zum Ende der Aktion in einem Monat muss der Verein die Ergebnisse dokumentieren und bei der Firma einschicken. Im September wird der Gewinner ermittelt.

"Wegen der klimatischen Bedingungen sind wir gegenüber Teilnehmern im Süden von Deutschland oder in der Rheinregion benachteiligt und mussten uns etwas einfallen lassen, um reichlich Ernte erzielen zu können", sagt Bernd Kretzschmar. Er begab sich auf Sponsorensuche für den Kauf von zwei Hochbeeten. Die Resonanz überraschte den 64-Jährigen. "Wir bekamen so viel Geld zusammen, dass wir neben den Hochbeeten noch eine kleine Gartenlaube kaufen konnten", sagt der stellvertretende Vereinschef erfreut. Um das Fundament und den Aufbau der Laube kümmerten sich Vereinsmitglieder. Am Mittwochabend fand in Anwesenheit der Sponsoren die Einweihung statt.

Freude auch bei den Kindern, die am Donnerstagmorgen erstmals die Laube in Augenschein nehmen konnten. In dem kleinen Häuschen, ausgestattet mit Sitzgelegenheiten, verbringen die Mädchen und Jungen nun ihre Pause während der Gartenarbeiten. Die alte Laube stammte aus den 1950er-Jahren, war alt und viel zu klein. "Jetzt macht das Arbeiten hier noch mehr Spaß", lautete das Urteil von Elke Ansorge.


Das wurde bisher geerntet

Bis Ende Juli haben die Mädchen und Jungen aus der Kindertagesstätte "Regenbogen" in Fraureuth auf ihrer kleinen Parzelle im Gartenverein "Erholung" reichlich Ernte eingefahren. Zu den Erträgen gehören unter anderem:

15 Köpfe Salat

3 Bund Radieschen

84 Salatgurken

10 Zucchini

3 Kisten Erdbeeren

1 Korb weiße Johannisbeeren

5 Stiegen Tomaten

2 Körbchen Sauerkirschen

3 Bund Möhren

sowie zahlreiche Kräuter und Pflanzen

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...