Kleingärtner vor verschlossener Tür

Die Traditionsgaststätte der Meeraner Anlage "Zur schönen Aussicht" ist dicht - und ein neuer Pächter längst nicht in Sicht.

Meerane.

Die Speisekarte hängt noch immer im Schaukasten am Parkplatz: "Rumpsteak natur" für 18,80 Euro oder "Steak Strindberg" für 13,60 Euro. "Die Küche war wirklich vorzüglich", sagt Matthias Schnabel, der Vorsitzende des Kleingärtnervereins "Zur Schönen Aussicht" am Remser Weg in Meerane. Aber auch daran, als die Kündigung des Pächters, der inzwischen die Gaststätte im Kunsteisstadion in Crimmitschau übernommen hat, auf seinen Tisch flatterte. Immerhin hatte die Vereinsgaststätte seit 1930 durchweg geöffnet. Nun sind aber die Lichter in der insgesamt 74 Sitzplätze zählenden Traditionsgaststätte ausgegangen. Daher suchen die 101 Kleingärtner händeringend einen neuen Pächter.

"In unserem Stadtteil ist das die einzige Gaststätte. Deshalb hätte der neue Pächter keine Konkurrenz. Das wäre ein großer Vorteil für den neuen Gastronom", ergänzte Vorstandsmitglied Klaus Martens. Und nicht nur das: "Hier könnte sich ein junger Mensch, der sein Handwerk versteht und die Branche mag, seinen Traum von der eigenen Existenz verwirklichen", sagt Martens. Denn neben dem normalen Gaststättenbetrieb steht noch ein separater Vereinsraum mit 30 Sitzplätzen zur Verfügung. Dort können Vereinschef Schnabel zufolge auch private Feierlichkeiten stattfinden. "Wir selbst haben dort einmal monatlich unsere Vorstandssitzungen veranstaltet", so Schnabel.

Der Meeraner Schnabel, der nur einen Steinwurf von der Kleingartenanlage entfernt wohnt, weiß sehr gut, dass die klassische Gastronomie zwar arbeitsintensiv ist, dennoch aber wollen er und seine Mitstreiter nicht aufgeben. Das hat gute Gründe: "Die Fenster und die Beleuchtung sind von uns erneuert worden. Auch in das moderne Mobiliar haben wir kräftig investiert", sagt der Vorsitzende, der außerdem mit der Parzellenbelegung zufrieden ist. So zählte der Verein Anfang des Jahres 132 Kleingärten, davon stehen zwölf leer. Und davon wiederum lediglich sieben länger als zwei Jahre. "Unsere Mitglieder bedauern das Aus unserer Traditionsgaststätte sehr, zumal im Sommer der Biergarten beliebt war", so Schnabel. Selbst Rathauschef Lothar Ungerer (parteilos) sei untröstlich. Der Verwaltung seien aber die Hände gebunden. Dieses Problem müssten die Kleingärtner selbst lösen.

Auch Uwe Jakobeit bedauert diese Entwicklung. "Es sind tatsächlich weniger Gaststätten geworden", gibt der Geschäftsführer des Regionalverbandes der Gartenfreunde Werdau/Glauchau zu. Er macht dafür vor allem den demografischen Wandel und Fachkräftemangel verantwortlich. So habe es vor der Wende in Meerane elf Vereinsgaststätten gegeben. Ihm zufolge hat nur noch die Anlage "Sonnige Höhe" eine von Pächtern professionell betriebene Gaststätte. "Eine Gartengaststätte fällt und steigt mit den Ideen und dem Engagement des Betreibers", sagt Jakobeit, der für 171 Mitgliedsvereine zuständig ist.

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