Liebe zur Stadt in Musik festgehalten

Der Waldenburger Komponist Kurt Franze hat seinerzeit einen achtteiligen Klavierzyklus mit dem Namen "Waldenburgianer" geschaffen. 65 Jahre nach der Uraufführung wagen sich Schüler und Lehrer an den schweren Stoff.

Waldenburg.

Gudrun Friedrich kann sich noch gut an den Mann erinnern. "Er war der Klavierlehrer meines großen Bruders", sagt die Vorstandsvorsitzende des Fördervereins Europäisches Gymnasium. Als Kind durfte sie mit ihrem Bruder immer mit, wenn er bei Kurt Franze Unterricht hatte. "Es gibt einige in Waldenburger, die den Musikpädagogen und ehemaligen Kantor noch kannten", sagt Gudrun Friedrich.

Franze, geboren im Jahr 1883 in der Oberlausitz, wirkte nach seinem Studium am Leipziger Konservatorium viele Jahre als Musiklehrer und Kantor in der St.-Bartholomäus-Kirche in Waldenburg. Seine Liebe zur Töpferstadt ging so weit, dass er ihr ein musikalisches Denkmal setzte, den Klavierzyklus "Waldenburgianer". Und nachdem die insgesamt acht Klavierstücke im Jahr 1954, anlässlich des 700-jährigen Bestehens der Stadt Waldenburg und des 110-jährigen Bestehens der Oberschule, in der Aula aufgeführt wurde, wiederholt sich dies,nach 65 Jahren am gleichen Ort und am gleichen Flügel. Nur der Anlass ist ein etwas anderer. Diesmal feiert das Europäische Gymnasium sein 25-jähriges Bestehen.

Die "Waldenburgianer" werden also noch einmal erklingen, und Gudrun Friedrich hat viel dafür getan. Sie nahm Kontakt zur Enkelin von Kurt Franze auf und fragte, ob sie noch Noten ihres Opas habe. Und so bekam Gudrun Friedrich von Iris Schürer, geborene Hofmann, Kopien der "Waldenburgianer". Nach den Worten von Gert Stiehler, Geschäftsführer des Trägervereins des Gymnasium und langjähriger, ehemaliger Leiter der Jugendkunstschule sind die acht Klavierstücke eine Herausforderung für jeden Pianisten. Die Musik sei schwer zu spielen. Außerdem gibt es keine Aufnahmen von der Musik. Unter Anleitung von Klavierlehrer Tilo Kittel studierten ab Frühjahr zwei Schüler die Musik von Kurt Franz ein. Einer hat zwischenzeitlich sein Abitur abgelegt. Übrig geblieben ist Rahel Doege, die am Mittwochabend den Klavierpart übernimmt. Weitere Ausführende sind die Lehrer Irmtraut Friedrich, Dagmar Hanf und Tilo Kittel.

Jedes der acht Stücke hat einen besonderen Bezug zu Waldenburg und ist mit Titeln wie zum Beispiel "Grünfelder Parkserenade" oder "Abendstimmung auf dem Rotheberg" überschrieben. Von der Enkelin des Komponisten, der im Jahr 1959 in Waldenburg starb, bekam Gudrun Friedrich die von Franze auf Schreibmaschine festgehaltenen Aufzeichnungen, die die Stimmungen der einzelnen Klavierstücke erklären. Im Programmheft für das jetzige Konzert, das Gudrun Friedrich, gestaltet hat, finden sich Fotos und Gedanken zu den Einzeltiteln. Bei der Uraufführung 1954 standen zwischen den einzelnen Klavierstücken Lieder auf dem Programm, um dem Konzert mehr Kontrast zu verleihen. Diese Idee wird bei der kommenden Aufführung wieder aufgenommen.

Die Wiederaufführung der "Waldenburgianer" findet am Mittwoch um 19 Uhr in der Aula des Europäischen Gymnasium Waldenburg statt.

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