Meerane schrumpft weiter

Die neue Seniorenbeauftragte der Stadt will nicht nur Probleme der älteren Einwohner aufspüren. Sie will auch helfen, Wünsche zu erfüllen.

Meerane.

Jasmin Wellner ist das Gespräch auf der Straße ebenso wichtig wie die Beratung im Rathaus. Mit der Bestellung der 34-Jährigen zur neuen Seniorenbeauftragten während der Sitzung des Stadtrates versprach Rathauschef Lothar Ungerer (parteilos) ein neues Zeitalter im Umgang mit dem demografischen Wandel. Denn zum Unwohlsein des Gremiums warf er überraschend in die Runde, dass die Stadt voraussichtlich schon zum Jahresende unter die 14.000-Einwohner-Marke rutscht. Mithilfe der Seniorenbeauftragten sollen daher künftig alle Probleme und Bedürfnisse der Rentner erfasst werden.

"Ich bin quasi ein Bindeglied zwischen den älteren Leuten und der Verwaltung", so Wellner, die die bisherige Beauftragte Gisela Tegler ablöst. Die Vorgängerin hatte 2014 das Amt niedergelegt. Da niemand für diese Aufgabe gefunden wurde, hatte eine Mitarbeiterin der Verwaltung das Amt kommissarisch übernommen. Wellner indes freut sich auf die Aufgabe, da die Rathausmitarbeiterin seit Jahren im sozialen Bereich tätig ist. "Ich mag die Arbeit mit Menschen, mit ihren Schwächen und Stärken", verriet sie. Zwar ist sie künftig ebenso in das 2020 beginnende Projekt "Ein Quadratkilometer Bildung" involviert, das gleiche Chancen für Kinder in Schulen ermöglichen soll, die Arbeit mit den älteren Menschen liegt ihr aber auch am Herzen. Denn neben dem bisherigen Engagement in der Migrationsarbeit ist Wellner klar, dass das Altern der Bevölkerung ein zentrales gesellschaftliches Problem der Zukunft darstellt. "Daher ist es ja so wichtig, jenen älteren Leuten, die zum Beispiel mit Einsamkeit nicht klar kommen, die passenden Angebote zu vermitteln", sagte Wellner. Nach der Wende hätten vor allem junge Menschen die Region verlassen. Daher seien auch in Meerane ältere Leute auf die eine oder andere Weise auf sich gestellt. An dem Punkt will die Seniorenbeauftragte ansetzen. Diskussionsbedarf gibt es genügend: Der Anteil älterer Menschen steigt, und damit auch der Bedarf an altersgerechtem Wohnraum und passenden Freizeitmöglichkeiten. Zudem müsse der Umbau zur barrierefreien Innenstadt forciert werden. Der Demografie-Wandel bedeute auch, dass immer weniger jüngere Menschen immer mehr Senioren versorgen müssen.

Das sieht der Rathauschef ähnlich: "Das Durchschnittsalter steigt. Der Pflegebedarf nimmt zu." So hatte er in der Vergangenheit mehrfach erklärt, diese Entwicklung ernst zu nehmen. Die Kommune müsse auf den Schrumpfungsprozess ausgerichtet werden. So wird der Bertelsmann-Stiftung zufolge Deutschland bis 2030 um mehr als eine halbe Million Einwohner schrumpfen. Dann geht Meerane von 12.900 Einwohnern aus. In diesem Zusammenhang sagte Stiftungsmitarbeiter Carsten Große-Starmann, dass die Zukunft der Kommunen entscheidend von der Art und Weise abhängt, wie sie auf die Herausforderungen des Demografie-Wandels reagieren. "Jede Kommune ist anders, aber handeln können alle", sagte der Fachmann, der eine zukunftsorientierte Seniorenpolitik anmahnt. Dabei sollen quartiersnahe und generationenübergreifende Wohn- und Versorgungsformen in den Fokus rücken.


Kommentar: Offene Ohren

Die neue Seniorenbeauftragte der Stadt Meerane muss vor allem gut zuhören können. Denn die Probleme und Hinweise der älteren Menschen werden mit Sicherheit komplexer Natur sein. Das fängt bei der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung in der Region an, geht über den Wohnungsmarkt und die Stadtentwicklung, und hört bei der Digitalisierung auf. Gerade letztere bietet der schrumpfenden Stadt große Chancen. So dürfte mit dem jetzt begonnenen Glasfaserausbau bald jeder Turbo-Internet erhalten. Und das ermöglicht spezielle internetbasierte Dienstleistungen, die den älteren Menschen das Leben spürbar leichter machen können.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...