Nachbarn fürchten sich vor neuer Notunterkunft

Das Meeraner Obdachlosenhaus geht nach der Insolvenz des Betreibers und den Renovierungsarbeiten wieder in Betrieb. Doch diesmal soll es anders werden.

Meerane.

Bei Kuno Scharf kommen die Erinnerungen an noch nicht allzu lang vergangene Zeiten zurück. "Das war nicht spaßig", sagte er und meint damit den Ärger der Anwohner an der Friedhofstraße in Meerane mit dem Treiben der in der dortigen Notunterkunft lebenden zeitweisen Nachbarn. "Autoreifen wurden zerstochen, Polzisten und Ordnungskräfte angegriffen", erinnerte sich Scharf. Sein Bruder Christian sprach von nächtlichem Lärm, der den Nachbarn den Schlaf raubte. Und jetzt soll alles wieder von vorn beginnen?

Im Jahr 2018 musste der damalige Betreiber der Notunterkunft, der Chemnitzer Verein "Projekt Zukunft", Insolvenz anmelden. Danach sei im Grunde Ruhe gewesen, sagen die Nachbarn. Nun befürchten sie ähnliche Zustände, wenn das Haus, das derzeit renoviert wird, wieder als solche Unterkunft betrieben wird. Es gebe da Gerüchte, die für Unruhe sorgen würden. Deshalb nutzten die Nachbarn die Möglichkeit, während der Meeraner Stadtratssitzung Anfragen an die Stadtverwaltung zu richten. "Wir haben ja nichts gegen die Notunterkunft an sich, wir wollen nur, dass es dort gesittet zugeht und keiner in der Nachbarschaft Angst haben muss", sagte Christian Scharf.


Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) sagte den Anwohnern, dass voraussichtlich am 1. Oktober die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind und unter Regie der Stadt die Notunterkunft weiter betrieben wird - allerdings nach sehr strengen Regeln. Das Haus selbst gehört der städtischen Wohnungsgesellschaft. Deren Geschäftsführer Marko Würker bestätigte den 1. Oktober als voraussichtlichen Termin.

Zustände wie in der Vergangenheit wird es in dem Haus an der Friedhofstraße 20 nicht mehr geben, sagte Bürgermeister Ungerer. Den Verein gebe es nicht mehr. Mithilfe von Einrichtungen in Glauchau und Zwickau konnten nach der Insolvenz die betroffenen Leute anderweitig untergebracht werden. Mit einem neuen Betreiber würde derzeit verhandelt. Die Ergebnisse werden dem Stadtrat zur Bestätigung vorgelegt. Vorgesehen sei eine nächtliche Unterbringung bis 8 Uhr. Es sollen nur Männer untergebracht werden. Für Frauen werde eine andere Möglichkeit gesucht.

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2Kommentare
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  • 7
    0
    Pedaleur
    30.08.2019

    @Barthi: Ich kenne mich in Meerane nicht aus, vermutlich hat es aber ordnungsrechtliche Hintergründe.
    Die Gemeinden und Kommunen sind dafür verantwortlich und verpflichtet, Notunterkünfte bereitzustellen. Dabei geht es nicht nur um Einwohner der Gemeinde/ Kommune, sondern um Menschen, die sich tatsächlich und aktuell dort aufhalten. Sie haben einen Rechtsanspruch gegenüber der Gemeinde/ Kommune auf (menschenwürdige) Unterbringung. Insofern müssten Sie die Stadträte oder Stadtverwaltung fragen, ob entsprechende Kenntnisse/ Zahlen/ Statistiken vorliegen.

  • 8
    1
    Barthi
    30.08.2019

    Gegen eine nächtliche Unterbringungsmöglichkeit gestrandeter, wohnungsloser Menschen ist rein gar nichts einzuwenden, man kennt das ja aus Großstädten.
    Meine Frage wäre, ob dies in unserer 14000 Seelen-Stadt überhaupt notwendig ist.
    Man sieht zwar immer einmal paar Leute tagsüber bei einem Bierchen zusammen stehen, die kennt man meist sogar persönlich.
    Aber, dass sich jemand ein Nachtlager irgendwo draussen einrichtet, habe ich zumindest noch nicht bemerkt.
    Nicht falsch verstehen, Notunterkunft ja, aber brauchen wir das in Meerane (schon)?
    Wenn möglich, hätte ich darauf gern eine Antwort.



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