Ortschaftsräte bleiben sichere Bank

In Mülsen und Lunzenau werden die Gremien der Ortsteile abgeschafft. In Glauchau hingegen wäre so etwas derzeit undenkbar. Und das hat seine Gründe.

Glauchau.

Jedes Mal, wenn Glauchaus Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) die Sitzungen der Ortschaftsräte besucht, ist der Raum voll. Und häufig wird er mit Dauerbrennern konfrontiert, die die Bewohner in den einzelnen Ortschaften bewegen. Sei es in Niederlungwitz der Hochwasserschutz am Lungwitzbach, seien es die Probleme, die Jerisauer mit dem Lärm aus dem Gewerbegebiet haben, sei es der Straßenbau am Höckendorfer Weg. Übernächste Woche ist das Stadtoberhaupt in Wernsdorf und stellt sich dort den Fragen der Einwohner. Dabei wird es wohl auch um die Verkehrssicherheit entlang der Mülsener Straße gehen, wie so oft in der Vergangenheit, denn das Problem der Raserei ist noch nicht gelöst. So vielfältig die Glauchauer Ortsteile sind, sind auch ihre Probleme.

In anderen Orten, etwa in Mülsen oder in Lunzenau (Mittelsachsen), werden die Ortschaftsräte abgeschafft. Droht das in Glauchau auch? "Dafür sehe ich keine Veranlassung", sagt Oberbürgermeister Peter Dresler. Immerhin lebt mehr als ein Drittel der Glauchauer Einwohner in den Ortsteilen. Die Dörfer und ihre Ortschaftsräte seien ein wichtiger Bestandteil der Glauchauer Kommunalpolitik. Die gewählten Räte und die Ortsvorsteher seien vor Ort die Ansprechpartner für die Einwohner. Damit würden sie wichtige politische und gesellschaftliche Aufgaben erfüllen. Hinzu komme, dass sich das System der Budgetierung der Ortschaften bewährt habe. Jeder Ort bekommt pro Einwohner 5 Euro im Jahr. Über die Verwendung des Geldes in ihrem Dorf können die Ortschaftsräte selbst entscheiden.

Um die Position der Ortschaften in der Politik zu stärken, haben sich am Donnerstag mehrere Ortsvorsteher, vornehmlich aus der westsächsischen Region, getroffen und Zusammenarbeit vereinbart. Die Bezeichnung "erster Prellbock" wurde im Laufe des Abends mehrfach genannt, denn diejenigen, die Kommunalpolitik im Kleinen und nah an den Menschen machen, sehen sich auch als die, die so manchen Unmut und größere Probleme verhindern können. "Als Ortsvorsteher muss man aktiv sein", betonte Dietmar Röder aus Wüstenbrand. Er sieht die Arbeit als eine Säule der Demokratie. "Wir müssen lauter und energischer kommunizieren", sagte Torsten Gruner, Ortsvorsteher von Reinholdshain. Prompt folgte die Einladung von Ines Springer, CDU-Landtagsabgeordnete, in den Glauchauer Stadtrat, in dem sie ebenfalls sitzt. Die Veranstaltung, die auf Initiative von Annett Richter, Ortsvorsteherin von Heinrichsort, zustande kam, soll künftig regelmäßig stattfinden und weiter ausgebaut werden.

"Solche Treffen sind wichtig", sagte Andreas Winkler, Ortsvorsteher von Wernsdorf. Vielleicht könnte sich daraus so etwas wie ein Sprachrohr entwickeln, ähnlich wie es der Städte- und Gemeindetag ist. Denn es gebe große Probleme in den Dörfern, die sich ähneln, die man gemeinsam anpacken könnte. Dazu zählt Winkler neben der Infrastruktur wie schnelles Internet und ordentliche Straßen auch Dinge wie Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichen Nahverkehr. (mit mpf)

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