Radfahren auf der B 175: erlaubt, aber gefährlich

Nach dem tödlichen Unfall eines Radlers auf der vierspurigen Bundesstraße wird die Frage diskutiert, wieso man da überhaupt Radfahren darf. Das Problem hat Geschichte.

Glauchau.

Matthias Melzer ist betroffen, seit er von dem tragischen Unfall eines Radfahrers auf der B 175 in Glauchau gehört hat. Er selbst ist leidenschaftlicher Radler, kennt in Glauchau und Umgebung die gefährlichen Stellen und hat schon etliche Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit gemacht. "Auf die Gefahr für Radfahrer auf der B 175 haben wir schon lange hingewiesen", sagt Melzer. Sehr häufig seien Radler auf der Bundesstraße anzutreffen, die sich in Gefahr begeben, seien es Radrennfahrer, die trainieren, oder Radtouristen, die den kürzesten Weg suchen und auf der Bundesstraße landen. Matthias Melzer räumt aber ein, dass der Unfall, bei dem ein Radler an einer Ampelkreuzung beim Zusammenprall mit einem Auto zu Tode kam, auch an anderer Stelle hätte passieren können. Dennoch bleibe für ihn die die Frage, wieso überhaupt auf der vierspurigen Bundesstraße Rad gefahren werden darf, zumal auf dem Abschnitt zwischen dem Abzweig nach Reinholdshain und der Autobahnauffahrt Glauchau Ost Tempo 100 gilt.

Dazu lohnt ein Blick in die Geschichte. Als Anfang der 2000erJahre die Pläne für den Neubau der vierspurigen B 175 bekannt wurden, machten Bewohner von Jerisau und Reinholdshain darauf aufmerksam, dass es für Radfahrer und Fußgänger keine sicheren Übergänge gebe. Und das ist im Grunde bis heute so. Lediglich an der Ampel Waldenburger Straße/Hochuferstraße können Radler und Fußgänger die B 175 überqueren. Wer zum Beispiel mit dem Rad von Reinholdshain ins Kaufland nach Jerisau will, muss entweder durch die Stadt Glauchau fahren, oder er benutzt die vierspurige Bundesstraße, auf der das Radfahren erlaubt ist.

Und es wird auch erlaubt bleiben. Die Stadt sieht keine Notwendigkeit, das Radfahren auf der B 175 zu verbieten. "Beschränkungen und Verbote im fließenden Verkehr können nur angeordnet werden, wo auf Grund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht", teilt der Bereich Sicherheit/ Ordnung/Verkehr im Rathaus mit. Der Unfall auf der B 175 ist sehr tragisch, heißt es weiter, sei aber wegen der Missachtung der Rotlichts an der Ampel aus Richtung Reinholdshain passiert. Der vierspurige Abschnitt der B 175 werde regelmäßig auf Unfallauffälligkeiten bezüglich Beteiligungen mit Radfahrern überprüft. 2017 und bis dato 2018 sei es auf der B 175 zu keinen Verkehrsunfällen mit Radfahrern gekommen.

Das Problem an der Bundesstraße 175 bestehe gegenwärtig auch darin, dass im unmittelbaren Umkreis der Bundesstraße keine ausreichenden benutzungspflichtigen Radwege vorhanden sind. Selbst wenn ein Verbot für Radfahrer auf der Bundesstraße notwendig werden würde, "für Radfahrer bleiben die Konfliktpunkte an den Kreuzungen über die B 175", teilt die Stadtverwaltung weiter mit.


Nördlich von Mosel wird es anders geregelt

Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) dürfen Radfahrer auf der Straße fahren, wenn kein beschilderter Radweg vorhanden ist. Es gelte das Rechtsfahrgebot. Die Empfehlung des ADFC: Der Abstand zwischen rechtem Lenkergriff und Straßenrand sollte etwa 80 Zentimeter betragen. Fährt man an parkenden Autos vorbei, sollte man einen Meter Anstand einhalten.

Werden vierspurige Kraftfahrstraßen mit einem Schild gekennzeichnet, das ein weißes Auto auf blauem Grund zeigt, ist das Radfahren grundsätzlich verboten.

Wenn die neue vierspurige B 175 nördlich von Mosel fertig gestellt ist, wird dort ebenfalls das Radfahren verboten sein. Das hat Isabel Siebert vom sächsischen Landesamt für

Straßenbau und Verkehr angekündigt. Der Grund: Radfahrer werden separat über die neu anzulegenden Radwege und Radwegbrücken

geführt. In Teilen ist laut Siebert

diese Radverkehrsanlage bereits

gebaut, aber noch nicht durchgängig nutzbar. (sto)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...