Schloss Waldenburg öffnet das Billardzimmer des Fürsten

Der Raum, der einst zum Qualmen und Spielen genutzt wurde, ist für die Öffentlichkeit wieder zugänglich. Kann man dort auch wie Fürst Otto Victor II. vor 100 Jahren eine Kugel schieben?

Waldenburg.

Dunkles Hemd, lila Weste, schwarze Fliege. Für einen Haustechniker ist Mario Friedrich etwas zu edel angezogen, selbst wenn man bedenkt, dass sein Arbeitsort das Waldenburger Schloss ist. Aber nun war nicht nur sein Arbeitsbereich als Techniker gefragt, sondern auch sein Know-how als Hobby-Billardspieler. Denn am Donnerstag ist im Schloss das alte Billardzimmer wieder geöffnet worden. Und Friedrich stand als Fachmann parat.

Vorausgegangen war dem eine jahrelange Sanierung und Restaurierung des Zimmers. Kosten: rund 50.000 Euro. Der Raum befindet sich zwischen der Bibliothek und dem ehemaligen fürstlichen Arbeitszimmer im ersten Obergeschoss, das nun von Besuchern als kompletter Rundgang besichtigt werden kann.

Wie aufwendig die Wiederherstellung war, weiß Sylvina Schwarzenberger. Sie leitet das Zentrale Immobilienmanagement des Landkreises, der der Eigentümer des Schlosses ist. "Allein die Imitation der Goldtapete hat viel Zeit gekostet", sagt sie. Weil das Schloss viele Jahre als Krankenhaus diente, wusste niemand, wie die Tapete aussah. Hinter einer Holzvertäfelung fand man jedoch einen Streifen der ursprünglichen Tapete. "Wir haben beim Deutschen Tapetenmuseum nachgefragt, ob sie uns helfen können, eine identische Wandverkleidung zu bekommen", so Schwarzenberger. "Leider ohne Erfolg."

Schließlich stellte man mithilfe eines Plauener Restaurators die Tapete selbst her. Wir standen am Wochenende hier mit den Fachleuten und haben die Wand vermessen", sagt Schwarzenberger und macht keinen Hehl daraus, dass das Schloss unter den Objekten des Landkreises ihr Liebling ist. Neben dem Raum als solchen sind auch Möbel sowie das Ribera-Gemälde restauriert worden. Verantwortlich hierfür war der Wickersdorfer Restaurator Thomas Heinicke. "Die Stücke waren in einem katastrophalen Zustand", sagte er. Nach seiner Arbeit sieht man davon nichts mehr. Nur der Tischbelag der Platte ist nicht im tadellosen Zustand. "Der Tisch wurde zu oft transportiert", meint Techniker und Billardspieler Mario Friedrich. "Ein neuer Belag würde dem Ausstellungsansinnen nicht gerecht." Nach Feierabend noch eine Kugel schieben? "Ne, da nehm ich mit meinem Tisch zu Hause vorlieb", sagt er.

Gespielt wurde damals die Billard-Variante Carambolage, bei der der Tisch keine Löcher hat, erklärt Friedrich. Auch heute wird es noch gespielt, wenngleich ohne viel öffentliche Aufmerksamkeit. "Und mit Kunststoffkugeln, keinen aus Elfenbein. Das gäbe heute Ärger mit dem Tierschutz", so Friedrich schmunzelnd. Für Otto Victor II. von Schönburg-Waldenburg (1882-1914) war das Zimmer ein Rückzugsort. "Billard war bei edlen Herren beliebt. Da wurde viel gequalmt. Kein Zutritt für Damen", sagt Robby Joachim Götze, der bei der Eröffnung anwesend war. Er arbeitet im Glauchauer Schlossmuseum und hat eine Biografie über Fürst Günther verfasst, dem Bruder von Otto Victor. Unter dem eher an Wissenschaft interessierten Günther wurde das Billardzimmer als Erweiterung der Bibliothek genutzt. Die Wiedereröffnung mit dem Tisch in der Mitte hätte Otto Victor also wohl gefallen. Auch wenn ihm mitspielende Haustechniker und Frauen im Raum fremd vorgekommen wären.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...