Schulhof wird zur Konzertbühne

Abrocken statt Unterricht. Für die Oberschüler am Sachsenring eine schöne Abwechslung. Doch es ging nicht nur um Spaß.

Hohenstein-Ernstthal.

Festivalstimmung auf dem Schulhof - das gab es gestern früh an der Oberschule am Sachsenring - zumindest fast. Was fehlte, waren die Massen an Smartphones im Publikum - denn die sind auf dem Schulgelände verboten, auch, wenn Party angesagt ist. "Ich glaube, deswegen konnten sich die Leute freimachen und richtig abgehen", sagt René Podesser nach dem Konzert mit einem Augenzwinkern.

Mit Schlagzeuger Christian Herbst und Bassist Tom Lugger legte der Frontmann der österreichischen Pop-Rock-Band Solarjet einen gelungenen Auftritt vor mehreren hundert Schülern hin. Solarjet schafften es, ihre nachdenklichen deutschen Texte mit rockigen Gitarrenriffs und treibendem Schlagzeug in Szene zu setzen. Mit den Worten "Die haben gesagt, dass ist voll die Partyschule" schaffte es Podesser spätestens beim zweiten Song, die Reihen zum Springen zu bringen.

Enttäuscht im besten Sinne zeigt sich Lena Sue Weinhold aus der 9c. "Das Konzert war mit sechs Liedern viel zu kurz." Die 15-Jährige fand es auch schade, dass sie und ihre Freundinnen nicht an einer Gesprächsrunde mit den Musikern teilnehmen konnten- denn die war den 13 Religionsschülern der 8. Klasse vorbehalten. "Bei 460 Schülern müssen wir eine Auswahl treffen", sagt Dagmar Hamann, Lehrerin und Mitorganisatorin des Konzerts.

Neben dem Auftritt führte eine weitere Mission die Musiker nach Hohenstein-Ernstthal. "Wir möchten, dass die Schüler über Probleme mit dem Heranwachen und Zukunftsängste erzählen", sagt Podesser. Der Endzwanziger, der in seiner Jugend den Suizid des Vaters und eine schwere Essstörung erleben musste, weiß, wovon er spricht. Und er weiß, dass Schüler nicht gerne im Klassenzimmer über solche Dinge sprechen - im Internet aber schon. Genau dort setzt das Social-Media-Projekt "#Ohne Makeup" an, das die Band ins Leben gerufen hat. Auch die Schultour mit Gesprächsrunden endet noch nicht. In den nächsten Tagen stehen etwa Glauchau, St. Egidien und Lichtenstein auf dem Programm. "Wir wollen, dass die Schüler sich Zeit nehmen und mit der Band über ihre Lebensträume sprechen", sagt Andy Schreier vom Glaubenszentrum Lichtenstein, das die Band zusammen mit anderen christlichen Projekten bei ihrer Tour durch Westsachsen unterstützt.

Für die Schüler gab es gestern noch mehr Möglichkeiten zum Kontakt mit den Musikern. Doch als die Band zum gemeinsamen Kochen erscheint, ist bis auf den Abwasch nicht mehr viel zu tun. Die Verspätung hatte einen gutem Grund - Gleich nach der Autogrammstunde schauten Solarjet auf Bitten von Lena Sue Weinhold und ihrer Freundinnen doch noch einmal im Klassenzimmer der 9c vorbei.

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