Sexualstraftäter rastet im Landgericht aus

Die Opfer glaubten an ein Fotoshooting, doch es ging um Missbrauch. Vor Gericht gestand der Täter - und attackierte ein Fernsehteam.

Zwickau.

Ein 44-jähriger Mann, der sich zurzeit wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen vor dem Zwickauer Landgericht verantworten muss, hat am Dienstag für Schrecksekunden gesorgt.

Als die Beamten den Angeklagten am Vormittag wegen einer Verhandlungspause aus dem Saal 344 zurück in seine Zelle bringen wollten, bespuckte er den Reporter eines Fernsehteams, schrie zweimal "Heil Hitler" und beschimpfte den dunkelhäutigen Kameramann mit den Worten: "So etwas wie dich hätten sie früher vergast." Nach der Rückkehr aus der Zelle setzte er noch eins drauf. Trotz Hand- und Fußfesseln attackierte er den Kameramann, dessen Technik landete auf dem Boden und wurde beschädigt. Alles ging so schnell, dass auch die Justizbeamten nicht reagieren konnten. Sekunden später saß der Angeklagte gelassen auf der Anklagebank und ließ seine Anwälte sein vollumfängliches Geständnis verlesen.

Der Mann sitzt nicht zum ersten Mal wegen sexuellen Missbrauchs auf der Anklagebank. Drei seiner 16 Eintragungen im Bundeszentralregister belegen diesen Straftatbestand. Zuletzt hatte ihn ein Gericht in Bonn wegen sexuellen Missbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte ging in Revision. Staatsanwalt Martin Bierlein weiß: "Als das Urteil im Frühjahr 2018 rechtskräftig wurde und er seine Haft antreten sollte, tauchte er ab. Und in Waldenburg im Sommer wieder auf, wo er seine Masche erneut durchzog."

Seine Opfer sind Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren. Die lernte er zum Teil im Grünfelder Park kennen, sprach sie an, gab sich als Tom Berger, Mitarbeiter einer Werbeagentur, aus. Der Mann versprach: Wenn sich die Jugendlichen fotografieren ließen, könnten sie die Markenklamotten behalten. Da sollte auch mal ein Fahrrad herausspringen. Das "Studio" erwies sich allerdings als Gartenlaube, in denen er die Jungen zu sexuellen Handlungen aufforderte. Die Opfer hatten dabei das Gefühl, gefilmt zu werden. Ein Pärchen - er 18, sie 13 - wollte er zudem überreden, in einem Pornofilm mitzuwirken. Wenn seine Opfer abspringen wollten, drohte er, Nacktfotos von ihnen ins Internet zu stellen. In einem Fall warnte er sein Opfer, ein fingiertes Sexualprofil seiner Mutter im Netz zu veröffentlichen, erklärte einer der Ermittler im Zeugenstand.

Erst Wochen nach den Vorfällen, im September, offenbarten sich zwei der Opfer ihren Eltern. Die gingen zur Polizei. Inzwischen trieb der Tatverdächtige sein Unwesen bereits wieder in Thüringen. In einer psychiatrischen Klinik näherte er sich drei Patienten der offenen Station. Auch hier versuchte er seine Masche. Diesmal bot er 7000 Euro, lockte einen der jungen Männer in ein unter falschem Namen angemietetes Hotelzimmer. Von den sexuellen Handlungen machte er Videos und Fotos. Als das Opfer nicht mehr mitspielte, einen Termin versäumte, versuchte es der Angeklagte, der schon Bordellbesitzer war und eine Drogenkarriere hinter sich hat, mit Erpressung. Das Opfer müsse ihm nun 5000 Euro zahlen, weil er ihm das Geschäft vermasselt habe. Er schickte sogar Morddrohungen per Whatsapp, auch gegen die Freundin, die "einen kleinen Unfall" haben könnte. Über die Telefonnummer kamen die Ermittler schließlich an die wahre Identität des Angeklagten. Am 28. Januar wird der Fall weiterverhandelt.

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