Stadt am Fuß des lichten Steins

Kreisgeschichte(n) Woher Westsachsens Städte und Dörfer ihre Namen haben. Teil 10: Lichtenstein

Lichtenstein.

Sie ist mühselig - die Suche nach dem Ursprung für den Namen der Stadt Lichtenstein. Selbst beim Verhör des Internet-Sprinters Google wäre ein Gugelhupf in der Röhre schneller aufgegangen als die Internet-Suchmaschine brauchbare Ergebnisse liefert.

Um uns beim Namen Lichtenstein ein Licht aufgehen zu lassen, müssen wir um Beistand bei einem bitten, der sich von Amts wegen zumeist im Dunkeln bewegt: der Lichtensteiner Nachtwächter Christian Bretschneider. Der Mann mit der Hellebarde begleitet Neugierige bei Rundgängen in dem mittlerweile 800 Jahre alten Ort, vorbei am ältesten Marktplatz am Fuße des Schlossbergs, weiter zu den 178 Stufen, die hinauf zum Schloss führen und der alten Ratsfronfeste. Er erzählt Geschichten über Geschichten. Von verheerenden Stadtbränden, von den Schrecken der Pest, unterirdischen Gängen und von allerlei schauerlichen Orten.

Redselig ist er, der Nachtwächter. Nur bei Fragen zum Stadtnamen wird er etwas einsilbig. Spricht nur von einem "lichten Stein". Ach was, mag da der eine oder andere verständnislos reagieren. Und beim Nachtwächter um Erklärung heischen. Freilich kann Christian Bretschneider eine liefern. "Der Name Lichtenstein rührt anscheinend von einem 'lichten Stein' her, also einem freien, unbewaldeten Fels oder Felssporn", sagt er.

Auf jenem "lichten Stein" hatte "Heinrich I., König von Teutschland, die Burg Lichtenstein als eine Gränzfeste gegen das damals den Teutschen feindliche Böhmen", gebaut. So ist es nachzulesen im dritten Band der Schriftenreihe "Saxonia", herausgegeben vom Museum für sächsische Vaterlandskunde, erschienen 1837 im Verlag Pietzsch in Dresden. Ein ähnlicher Bezug findet sich auch in Druckwerken modernerer Zeit.

Etwa in "So war Lichtenstein/Sachsen in Wort und Bild" aus dem Geiger-Verlag in Horb am Neckar von 1991. Dort heißt es: "Unter dem Schutz der Burg entwickelte sich allmählich die Stadt 'Zum lichten Stein', die 1212 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, als Kaiser Friedrich II. dem Böhmenkönig Ottokar I. nebst anderen Besitzungen auch die Burg Lichtenstein schenkte ..." Und in der Schrift "Werte unserer Heimat - zwischen Mülsengrund, Stollberg und Zwönitztal" aus dem Akademie-Verlag Berlin von 1981 wird formuliert: "Wenn für Lichtenstein urkundlich schon 1261 ein Pfarrer zu Lictinsten (1320 Lichtinsteyn) erwähnt wird, so ist eine Ansiedlung am Fuß der Burg am 'lichten Stein' vermutlich schon vorher vorhanden gewesen."

Für Christian Bretschneider steht deshalb fest: "Außer dem 'lichten', also freien und unbewaldeten Stein gibt es keine weitere Erklärung zum Stadtnamen. Bis auf eine Legende um den sogenannten "lichten Stein" im Eingang zum ehemaligen Weinkeller im Haus des früheren "Ratskellers". "Dieser Stein ist nicht der Namensgeber der Stadt. Vielmehr ist er als vormaliger Prangerstein ein letzter Beweis der mittelalterlichen Gerichtspflege und stand vordem auf dem Markt neben dem Röhrtrog", berichtet der Nachtwächter. Und hofft, doch etwas Licht in das geschichtliche Lichtensteiner Namensdunkel gebracht zu haben.

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