Über Glauchaus vergessenen Stadt- und Hoforganisten

Christian Gottlob Saupe war einst Organist in Glauchau und ein bedeutender Komponist seiner Zeit. Heute ist er nahezu vergessen. Zum 200. Todestag erinnert unser Gastautor Andreas Rockstroh an ihn.

Glauchau.

Viele erfolgreiche Komponisten des 18. Jahrhunderts kennt heute niemand mehr. In der interessanten Musikgeschichte der ehemaligen Schönburgischen Residenzstadt Glauchau ragt ein bedeutender Künstler an der Silbermannorgel hervor, der zu diesen vergessenen Größen gehört - und heute vor genau 200 Jahren verstarb: Christian Gottlob Saupe.

Die Glauchauer Organistenstelle war, sicherlich auch wegen der Silbermannorgel, schon immer mit tüchtigen Männern besetzt. Saupe, der am 1. Juni 1763 in Wechselburg als Sohn eines Wollkämmers geboren wurde, kam frühzeitig in Kontakt mit dem Hallenser Universitätsmusikdirektor und Organisten an der Marktkirche, Daniel Gottlob Türk (1750-1813). Unter der Obhut von Türks Familie wurde Saupe erzogen und erhielt dort seine ersten musikalischen Eindrücke und möglicherweise auch seine erste musikalische Ausbildung.

Türks Schriften wie "Von den wichtigsten Pflichten eines Organisten" und seine Klavierschule "Anweisungen zum Klavierspielen für Lehrer und Lernende" dürften nicht nur für Saupe zeitlebens schulbildend gewesen sein.

Nach dem Tod des Glauchauer Organisten Adam Albert Borcherts rückt im Herbst 1782 Christian Gottlob Saupe zum Hof- und Stadtorganisten auf - mit gerade einmal 19 Jahren. Saupe kam von Dresden nach Glauchau. Ob und in welchem Umfang er dort eine Ausbildung erhalten hat, ob er vielleicht wie sein Lehrer Türk dem Kreuzchor angehörte, wissen wir nicht. Was wir jedoch ausführlich wissen, ist das Probespiel Saupes in St. Georgen am 13. Oktober 1782. Walter Hüttel berichtet in seinem Buch "Musikgeschichte von Glauchau" ausführlich darüber.

Saupe bestand die sehr hohen Anforderungen an die Probe im Beisein der Prüfungskommission, wie in der Anwesenheit des bekannten Organisten und Kantors Christian Gotthilf Tag (1735-1811) aus Hohenstein (heute Hohenstein-Ernstthal) glänzend. Dazu gehörten ausgezeichnete Kenntnisse im Orgelbau, eine gute Veranlagung im improvisatorischen Orgelspiel zu den diversen kirchlichen Veranstaltungen und in der Komposition. Ebenso wurde bei der Organistenbewerbung eine neukomponierte Psalmvertonung von Saupe uraufgeführt. Zu jener Zeit waren die Organisten, besonders aber die Kantoren - beide Ämter waren damals getrennt - auch als Komponisten vor allem von Kirchenmusik tätig.

Das Amt des Organisten in Glauchau übte Saupe bis zu seinem Tod am 8. Januar 1819 aus. Er bewies, dass er zu denjenigen Komponisten gehört, die nach Johann Sebastian Bachs Tod wertvolle Kirchenmusik zu produzieren verstanden und diese nicht nur in Glauchau erfolgreich aufführten, sondern auch in der näheren Umgebung wie in Waldenburg und anderen Städten.

Mit Oratorien, Kantaten, Messen und Gloria-Vertonungen hat Saupe die Kirchenmusik immens bereichert. Auch im Bereich der Tastenmusik hat Saupe prägend gewirkt, und für das häusliche Musizieren am Klavier, zwei- und vierhändig, einige beachtliche Beiträge geleistet. Hier sind Einflüsse der vielbenutzten Klavierschule seines Mentors Daniel Gottlob Türk nachweisbar.

Seine Kompositionen weisen neben melodischer Erfindung harmonische und rhythmische Feinheiten sowie sinnvoll eingesetzte Tonmalerei aus. Auch die Liedkompositionen mit differenzierten Textausdeutung haben auf die Balladen des bekannten Komponisten Carl Loewe (1796-1869) großen Einfluss ausgeübt. Saupes Klavierwerke sind denen von Mozart und Clementi vergleichbar, weisen jedoch in der Verarbeitung und Harmonik schon auf den jungen Beethoven hin.

Dass wir überhaupt so viel über Saupes Leben wissen, verdanken wir der intensiven Arbeit des Glauchauers Walter Hüttel und seinem bereits erwähnten Buch. Bei den Neudrucken ist allerdings wenig von ihm erhältlich. In Bibliotheken schlummern noch Handschriften von Messen und einem Oster-Oratorium.

Im Mai immerhin wird in der Glauchauer St. Georgenkirche nach langer Zeit wieder einmal ein Saupe-Werk zu hören sein. Es bleibt zu wünschen, dass nicht nur in diesem Jahr die Aufmerksamkeit auf einen heute nahezu vergessenen Künstler und Komponisten gelenkt wird.

Unser Gastautor Andreas Rockstroh ist Kantor in Jöhstadt und Königswalde (Erzgebirge), schreibt für verschiedene kirchenmusikalische Zeitschriften und beschäftigt sich seit Langem mit dem Leben und Werk von Christian Gottlob Saupe.


Saupe-Werk in Georgenkirche

Die Messe in Es-Dur von Christian Gottlob Saupe wird am 18. Mai um 18 Uhr in der Glauchauer St. Georgenkirche aufgeführt. Dabei ist nicht nur die Orgel, sondern auch ein ganzes Orchester zu hören. Das Werk wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zuletzt in Glauchau gespielt. (cmey)

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