Wegen VW und Co: Zwickau ist Sachsens Industrielandkreis

Westsachsen hat den größten Anteil an solchen Jobs im Freistaat. Die Umstellung auf Elektro- autos bei Volkswagen birgt jedoch Unsicherheit.

Zwickau/Meerane.

Fast jeder vierte Beschäftigte in der Region Zwickau arbeitet in einem Industriebetrieb. 2017 waren etwa 29.700 Menschen in solchen Firmen tätig. Damit liegt der Industrieanteil in Zwickau bei 23,8 Prozent. 2007 waren es dagegen nur 22.541 Menschen. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor.

Sie erfasst in ihrer Statistik Betriebe ab 50 Mitarbeitern im verarbeitenden Gewerbe und im Bergbau. Insgesamt arbeiten in der Region Zwickau 124.727 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Sachsenweit waren von den 1,6 Millionen Beschäftigten 227.596 in mittleren oder großen Firmen im Bergbau oder im Verarbeitenden Gewerbe beschäftigt - 21,4 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

"Industriebetriebe sind bei Ausbildungsbewerbern und Fachkräften begehrte Arbeitgeber, denn sie gehen oft voran, wenn es um gute Bedingungen für ihre Mitarbeiter in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Weiterbildungsmöglichkeiten und Löhnen geht", sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der BA-Regionaldirektion Sachsen. Von der positiven Entwicklung profitiert auch der Dienstleistungssektor. "Diese Firmen übernehmen öfter Aufgaben, die nicht zum Kerngeschäft der Industrie gehören - wie beispielsweise Bildungs-, IT- und Finanzdienstleistungen", so Hansen weiter.

Der größte Arbeitgeber im Landkreis ist Volkswagen Sachsen mit seinem Fahrzeugwerk Zwickau und 7700 Mitarbeitern. Zu den großen Automobilzulieferern zählen etwa Tower Automotive, GKN Driveline Mosel, Grammer System und FES Fahrzeug-Entwicklung Sachsen. Für weiteres Wachstum haben VW, IHK, Stadt Zwickau und der Landkreis zu Jahresbeginn mit der Zwickau AG ein großes Gemeinschaftsprojekt gestartet. Ziel ist eine attraktive und wirtschaftsstarke Region. Dabei sollen unter anderem Gewerbegebiete erschlossen, Fachkräfte angezogen und eine bessere Infrastruktur ermöglicht werden. Der Öffentliche Nahverkehr muss ausgebaut und vernetzt werden, die Digitalisierung schnell vorankommen.

Die Pläne von Volkswagen bergen jedoch auch Unsicherheiten. Das Unternehmen will den Standort Zwickau vollständig auf die Produktion von Elektroautos umstellen. Bis 2025 sollen eine Million Elektro- autos produziert und bis 2030 bei jedem Fahrzeugtyp eine elektrische Version angeboten werden. Schon jetzt ist klar, dass damit bei VW Arbeitsplätze wegfallen und neue entstehen. Die gravierendsten Veränderungen werden indes bei den Zulieferfirmen stattfinden. Einige bislang übliche Bauteile und -gruppen wie etwa Dieselrußpartikelfilter, Kurbelwellen, Ölwannen oder die Piezo-Einspritztechnik fehlen in E-Autos. "Wir sind mit den Zulieferern im Gespräch", sagte Thomas Ulbricht, VW-Vorstand für Elektromobilität, kürzlich zum Automobiltag. Ob und wie sie sich umstellen, dazu hat sich bislang allerdings noch niemand geäußert.

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