Welches Haus schmückt dieses Relief?

99 Zuschriften sind zum September-Fotorätsel eingegangen. Alle waren richtig. Heute gibt es eine neue Rätselnuss.

Kirchberg.

Der im September-Fotorätsel abgebildete Turm befindet sich auf dem Borberg in Kirchberg. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel. Das zeigt die Auswertung der 99 Zuschriften und E-Mails, die zu diesem Fotorätsel eingegangen sind. Sie kamen aus insgesamt 23 Orten. Alle waren richtig. Neben 24 Kirchbergern wussten 30 Zwickauer ebenfalls Bescheid. Auch Leser aus vielen anderen Orten des Landkreises beteiligten sich. Sogar aus Chemnitz, Kloster Lehnin und Nagold kamen Zuschriften.

Zu den Jüngsten, die das Rätsel lösten, gehört Karl Forbrig aus Kirchberg. "Das ist ja pipieinfach: Das ist der Borberg. Da waren wir zum Wandertag", schreibt der Sechsjährige. Auch die Mädchen und Jungen aus dem Hort "Kinderland" vom Solidar-Sozialring in Kirchberg wissen Bescheid. "Der Turm steht auf dem Borberg in Kirchberg", teilen sie mit. Viele Leser wie beispielsweise Annelie Hoffmann aus Kirchberg machen darauf aufmerksam, dass sich neben dem Turm die Anton-Günther-Berggaststätte befindet. Dieter Möckel aus Crinitzberg erinnert sich daran, dass er zu DDR-Zeiten zweimal die Ehefrau des damaligen Wirtes von dort zur Entbindung bringen musste. Rolf Petzold berichtet, dass er als Kind oft dort gespielt hat. Zu seinem 70. Geburtstag vor vier Jahren ist er wieder einmal auf den Turm gestiegen. Mignon Junghänel aus Mülsen sagt, dass sich vom Turm aus ein herrlicher Fernblick auf das Erzgebirge und das Vogtland bietet. Und Gerhard Hofmann aus Glauchau macht darauf aufmerksam, dass die Borberg-Gegend ein wunderbares Wandergebiet ist.

Der Kirchberger Ortschronist Johannes Decker informiert, dass der Borbergturm das älteste Wahrzeichen der Stadt Kirchberg ist. Er wurde urkundlich erstmals 1118 erwähnt als collis recma. In den Stadtbüchern ab 1492 wird er stets Borbergturm genannt, was den Schluss zulässt, dass hier einst eine Wehrburg als Grenzpunkt der Herrschaft Wiesenburg stand. Da der Borberg seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel ist, stand seit 1879 eine Blockhütte auf dem Felsplateau als Rastplatz für Wanderer, die an Sonn- und Feier- tagen von Kirchberger Gasthausbesitzern bewirtschaftet wurde.

Baumeister Dalbazzi errichtete 1882 aus den vielen wahllos verstreuten Liegesteinen der Bergkuppe einen Aussichtsturm von zehn Metern Höhe mit einem Kostenaufwand von 1500 Mark. König Albert von Sachsen erlaubte nach seiner Turmbesteigung am 3. Juli 1883, dem Turm seinen Namen zu geben. Seit dieser Zeit führt der Borbergturm den Namen König-Albert-Turm. Sein Neffe und Regierungsnachfolger König Friedrich Au- gust III. besuchte am 2. Juli 1906 Kirchberg und natürlich auch den König-Albert-Turm. Er veranlasste den Heizungsfabrikanten Richard Doerfel, den Fuß des Borbergturms in einen öffentlichen Stadtwald umzugestalten.

Um 1848 war die Not der fast 800 Tuchmacher Kirchbergs so groß, dass Notstandsarbeiten angeordnet werden mussten, wozu eine direkte Holzstufentreppe vom heutigen Festplatz bis zur Borberghütte gehörte, die sogenannte Himmelsleiter. Ein flach liegender, nur grob behauener Gedenkstein mit kaum noch lesbarer Gravur "Denket alle daran!" erinnert noch heute an diese schwere Zeit.

Am 17. Juli 1938 wurde gleich nebenan der Grundstein für das vom Stadtarchitekten Ernst Schwalbe entworfene, heute noch existierende Anton-Günther-Berghaus gelegt. Es wurde Weihnachten 1938 feierlich eingeweiht. Dann begann der Zweite Weltkrieg und endete 1945 am Turm des Borbergs. In Hirschfeld hatte die 89. US-Division unter Generalmajor Thomas D. Finley ihr Stabsquartier eingerichtet. Dieser entsandte einen Panzer vom Typ M 4 Sherman, ausgerüstet mit einer 7,5-Zentimeter-Kanone, auf die Niedercrinitzer Straße bis an den Fuß des Borberges. Der Panzerkommandant entstieg seelenruhig seinem Fahrzeug, bestieg den Borbergturm, markierte dessen Mitte, kehrte zum Panzer zurück und zerstörte mit einer Granate das Wahrzeichen. Es war der 1. Mai 1945, eine Woche später war der mörderische Krieg zu Ende, schreibt der Ortchronist.

Nach 1949 wurde der Turm um zwei Meter erhöht wieder aufgebaut. Er wurde erneut der beliebte Ausblick auf Kirchbergs Umgebung und die Stadt. Mit der nach mehr als 30 Jahren reger Betriebsamkeit morsch gewordenen Holztreppe gab es ab 1986 keine Sicherheit mehr für die Turmbesteiger.

Seit dieser Zeit warteten viele Menschen darauf, von Kirchbergs zweithöchstem Berg (435 Meter) wieder weit ins Land blicken zu können. Durch private Initiativen, Geldspenden und nicht zuletzt durch die Unterstützung der Soldaten der Kirchberger Pateneinheit, der 2. Kompanie aus dem Gebirgsjägerbataillon 571 Schneeberg, konnte der Turm damals saniert werden. Er ist am 3. Juni 2006 zum 44. Borbergfest und 9. Oldtimertreffen der Bevölkerung wieder übergeben worden. Danach sind gut 12.000 Euro Spenden gesammelt worden, um den Turm zu erhöhen. Das wurde allerdings nicht genehmigt. Das gesammelte Geld hat die Stadt dann 2016 dafür eingesetzt, das Bauwerk mittels Sandstrahlen von losen Partikeln zu befreien und die Mauer anschließend neu zu verfugen. Außerdem wurde die Blitzschutzanlage verbessert. Da die Summe für diese Arbeiten nicht ganz reichte, legte die Stadt noch 5400 Euro aus ihrer Liquiditätsrücklage drauf.

Erklommen werden können die 53 Stufen bis zur Aussichtsplattform während der Öffnungszeiten des Anton-Günther-Berghauses nebenan täglich ab 11 Uhr. Jeweils dienstags und mittwochs ist Ruhetag und der Turm geschlossen.

Aus allen Zuschriften sind drei Gewinner gezogen worden: Bernd Werner aus Kirchberg, Günter Seyfert aus Glauchau und Heiko Kaulfuß Meerane. Die Gewinner werden schriftlich informiert. Heute gibt es eine neue Rätselnuss. Die "Freie Presse" fragt: Welches Haus im Altkreis Werdau schmückt dieses Relief? (mit awo)

Einsendungen bitte bis 31. Oktober an die Lokalredaktion der "Freien Presse", Hauptstraße 13 in 08056 Zwickau, oder per E-Mail schicken. Mit seiner Einsendung erklärt sich jeder Teilnehmer einverstanden, dass sein Name und Wohnort im Auswertungsbeitrag der "Freien Presse" print und online genannt werden dürfen. Nach Abschluss des Gewinnspiels werden alle Karten und Briefe vernichtet und die E-Mails gelöscht. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

Leseraktion-westsachsen@freiepresse.de

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